Bahnfahren
Immer nur Ärger mit den Zügen - egal von welchem Unternehmen
- Immer wieder beschweren sich Pendler über die Unpünktlichkeit des Metronom
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- hochgeladen von Bianca Marquardt
Dauernde Verspätungen und ausgefallene Züge sowie verpasste Anschlüsse - viele Pendler beklagen seit Jahren die Unzuverlässigkeit der Zugverbindungen u.a. auf der Strecke der Heidebahn zwischen Hannover und Buchholz-Hamburg. Zuerst beim Betreiber Erixx und danach beim Unternehmen Start, einem Tochterunternehmen der DB Regio AG, das das Netz Ende 2021 übernahm. Gleiches gilt für die Metronom-Züge, u.a. im Landkreis Harburg. Aber auch die Deutsche Bahn "glänzt" bekanntermaßen nicht mit Pünktlichkeit.
Laut der Deutschen Bahn erreichten Reisende im Fernverkehr im Juni 2025 zu 62,9 Prozent pünktlich ihr Ziel (Juni 2024: 55,3 Prozent). Bei den ICE- und IC-Zügen betrug die "betriebliche Pünktlichkeit" 57,1 Prozent (Juni 2024: 52,9 Prozent). Im Regionalverkehr kamen 88,9 Prozent der Züge pünktlich ans Ziel (Juni 2024: 89,1).
Im Hansenetz
Die Pünktlichkeit im Hansenetz, auf dem der Metronom fährt, lagt im Januar laut Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) bei fast 75 Prozent. Die Metronom-Eisenbahngesellschaft hatte jüngst dennoch den Zuschlag für die Nordstrecke des Hansenetzes von Juni 2026 bis 2033 erhalten. Erst in dieser Woche beklagte ein WOCHENBLATT-Leser: "Wer am Morgen mit der RB41 oder RB31 nach Hamburg fahren möchte oder am Abend Richtung Hittfeld oder Meckelfeld sieht sich seit einigen Tagen wieder mit dem Ausfall zumindest der Verstärkerzüge konfrontiert, Begründung 'technische Störung'. Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Metronombetriebsgesellschaft nach Gewinn der Ausschreibung für den nördlichen Stang in Niedersachsen wieder in alte Muster zurückfällt: regelmäßige Ausfälle. Von Verlässlichkeit ist erneut nichts zu erkennen."
Lange fehlten Metronom genügend Zugführer. Dieser Engpass konnte inzwischen behoben werden. Längst ist aber auch bekannt, dass Metronom - wie andere Anbieter im Schienenpersonenverkehr auch-, mit der seit Jahrzehnten kaputt gesparten Infrastruktur und deren Anfälligkeit sowie einem überalterten Fuhrpark zu kämpfen haben.
Das sagt Metronom zu Verspätungen und Ausfällen
Metronom-Sprecher Björn Tiedemann findet auf WOCHENBLATT-Nachfrage deutliche Worte: "Ja, es ist tatsächlich eine Krux. Seit Anfang des Jahres haben wir (mehr) als genug Lokführer an Bord, alle Voraussetzungen sind vorhanden, um den vollen Fahrplan zuverlässig zu fahren. Alle, bis auf eine: die Züge selbst.
Der Nahverkehr, die Eisenbahn an sich und insbesondere die Strecken des Hansenetzes sind ein komplexes System. Im Wesentlichen gibt es drei verschiedene Partner und Verantwortlichkeiten:
- Vertragliche Rahmenbedingungen und Fahrzeuge: Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG)
- Infrastruktur, Gleise, Oberleitungen, Bahnhöfe: DB InfraGo
- Lokführer, Fahrgastbetreuer, betriebliche Organisation, Durchführung und Fahrgastservice: Metronom
Nur wenn alle drei Bereiche fehlerfrei funktionieren und reibungslos ineinandergreifen, können die Züge pünktlich und zuverlässig fahren.
Schwierigkeiten bereitet uns immer wieder die Infrastruktur im Norden. Diese ist zu mehr als 100 Prozent ausgelastet. Das heißt, die Belastungsgrenze ist überschritten. Das führt immer wieder dazu, dass Züge sich verspäten oder ausfallen – einfach weil die Gleise belegt oder defekt sind. Wenn Stellwerke oder Weichen ausfallen, gibt es keinen Puffer mehr oder Ausweichmöglichkeiten. Die Leidtragenden sind die wartenden Fahrgäste. Da wir die Weichen nicht selbst reparieren oder den verspäteten ICE eigenmächtig warten lassen können, haben wir oftmals keinen Einfluss darauf, ob unsere Züge pünktlich sind. Und trotzdem ärgern sich die Menschen über den Metronom.
Größte Probleme
bei den Fahrzeugen
Dasselbe gilt für die Fahrzeuge. Hier gibt es im Moment die größten Probleme. Für einen reibungslosen Betrieb benötigen wir 25 Zugverbände. Inklusive einer Instandhaltungsreserve sind es 27.
Metronom repariert und wartet die Züge aber nicht selbst und ist auch nicht deren Eigentümer. Die Züge sind Eigentum der LNVG – die Wartung und Instandhaltung ist Aufgabe des Herstellers Alstom im Auftrag der LNVG. Metronom ist darauf angewiesen, dass Alstom jeden Tag ausreichend Zugverbände in einem technisch einwandfreien Zustand zur Verfügung stellt. Das ist jedoch nicht der Fall. Von den benötigten 25 Zugverbänden bekommen wir derzeit nur 22 oder (wie am Donnerstag der Vorwoche) 20 Züge fahrtbereit.
Alstom hat erhebliche Probleme, die Instandhaltung und Bereitstellung der Zugverbände sicherzustellen. Es fehlt das Material und Ersatzteile, die Arbeiten dauern zu lange, es ist schlecht organisiert.
Wenn wir zu wenig Züge bereitgestellt bekommen, müssen Fahrten ausfallen. Wir können es nicht beeinflussen – ernten aber den Frust der Pendler."
Dazu nennt der Metronom-Sprecher ein paar konkrete Zahlen (bezogen auf das gesamte Streckennetz):
In der Woche vom 23. bis 29. Juni 2025 gab es
88 (= 5.565 km) Zugausfälle wegen fehlender Züge (Alstom)
44 (=3.955 km) Zugausfälle wegen defekter Gleise, Oberleitungen, Stellwerke (DB InfraGo)
3 (=167 km) Zugausfälle wegen kurzfristiger Erkrankung/Personalausfall (Metronom)
In der Woche vom 14. bis 18. Juli:
120 (=6.926 km) Zugausfälle wegen fehlender Züge (Alstom)
53 (=2.736 km) Zugausfälle wegen defekter Gleise, Oberleitungen, Stellwerke (DB InfraGo)
5 (=456 km) Zugausfälle wegen kurzfristiger Erkrankung/Personalausfall (Metronom).
Tiedemann: "Wir sind massiv verärgert über diese Situation und verstehen es nicht. Da geht es uns genauso, wie allen Fahrgästen. Wir können und wir wollen fahren – dafür benötigen wir jedoch funktionierende Züge.
Täglich fordern wir bei Alstom die vertraglich zugesicherten Züge ein. Gemeinsam mit der LNVG versuchen wir alles, um diese Situation zu verbessern. Bisher hat Alstom sich leider nicht bewegt."
Baustellen schränken Zugverkehr ein
Die Metronom-Linien RE3/RB31 fahren derzeit und noch bis zum 13. August 2025 nicht durchgehend zwischen Hannover und Hamburg. Fahrgäste müssen in Uelzen umsteigen – in beiden Richtungen.
Der Grund: Im Hauptbahnhof Hannover wird gebaut. Nur ein Teil vom Bahnsteig ist frei und kann benutzt werden. Die langen Züge (sieben Wagen) aus Hamburg kommend, passen dort nicht hin. Deshalb halten in Hannover im Moment nur kürzere Züge (sechs Wagen).
Generalsanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin
Bund und Deutsche Bahn sanieren die 278 Kilometer lange Strecke vom 1. August 2025 bis 30. April 2026.
Da die Strecke während der Arbeiten komplett gesperrt ist, sind nicht nur Fernreisende betroffen. Die Sperrung hat auch Auswirkungen auf den Regionalverkehr. Pendler und Bahnfahrer müssen längere Fahrtzeiten einplanen. Außerdem verkehren 28 Ersatzverkehrslinien (Busse) im Regionalverkehr.
Alle wichtigen Informationen hat die DB zusammengefasst unter www.bahn.de/ersatzverkehr-hamburg-berlin.
Auswirkung auf
Metronom-Strecken
• Die Auswirkungen der Streckensperrung Hamburg – Berlin auf die Metronom-Verbindungen:
Ab Montag, 4. August 2025, bis zum 30. April 2026 entfällt von Montag bis Freitag beim RE3 (Hamburg – Lüneburg – Uelzen) der Halt um 6.26 Uhr in Bienenbüttel, um freie Fahrt für den Fernverkehr zu gewährleisten. Ein entsprechender Ersatzverkehr zwischen Bienenbüttel und Bad Bevensen ist eingerichtet.
Ebenfalls ab Montag, 4. August 2025, bis zum 30. April 2026 entfällt ausschließlich an Freitagen die Verstärkerfahrt des RE3 um 15.58 Uhr von Lüneburg nach Hamburg. Hier gibt es keinen Ersatzverkehr.
Auf der Heidebahnstrecke
Wegen der dauernden Verspätungen und und Zugausfälle haben der CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Ludwig von Danwitz aus dem benachbarten Heidekreis und die Wintermoorer Bahnhofsinitiative (WBI) eine Petition gestartet. Darin fordern sie die Landesregierung auf, endlich für einen zuverlässigen Zugverkehr auf der Heidebahn zwischen Hannover und Buchholz/HamburgHarburg zu sorgen.
Begründung: "Seit über drei Jahren fallen auf der Heidebahn regelmäßig Züge aus oder die Züge fahren unpünktlich mit Verspätungen von bis zu 25 Minuten. Eine Anreise zur Arbeit, zur Schule, zu den Flughäfen oder in den Urlaub ist nicht mehr gewährleistet. Die Verbindungen beim Umstieg in Buchholz werden größtenteils nicht erreicht."
Dem Betreiber fehle es an Personal, ausreichendem Zugmaterial, Ersatzteilen und Werkstattkapazitäten.
Die Petition können alle, die sich mehr Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit auf der Heidebahnstrecke wünschen, bis zum 5. August 2025 unterzeichnen. Zur Petition geht's hier
DB-NEUBAUSTRECKE
Bei all dem Ärger wundert es, dass die DB und das aktuelle Bundesverkehrsministerium auf eine Neubaustrecke entlang der A7 setzen, statt erstmal an der Infrastruktur zu arbeiten.
Und gespart wurde an der Infrastruktur ganz offenbar in den vergangenen Jahrzehnten von wechselnden Regierungsverantwortlichen.
Auch beim Neu- oder Ausbau des Schienennetzes widersprechen sich die wechselnden Regierungsvertreter. Wie berichtet, hatte der heutige CDU-Bundeskanzler Friedrich März 2023 gemeinsam mit Gruppenchef Alexander Dobrindt (CSU) von der damaligen Ampel-Regierung die zügige Umsetzung von "Alpha-E" gefordert.
Zudem ist es mit einer Neubaustrecke für ICE durch die Heide nicht getan. Auf WOCHENBLATT-Nachfrage, wie die Streckenführung an der Landesgrenze zu Hamburg weitergehen wird, antwortete ein Bahnsprecher: "Das Bahnprojekt Hannover- Hamburg ist ein Projekt im Land Niedersachsen. Die Streckenführung ab der Landesgrenze Hamburg erfährt durch das Projekt keine Änderungen der Streckenführung."
Und auf die Frage, was in Hamburg im Zuge der Streckenertüchtigung geplant ist, erklärte er: "Für den Knoten Hamburg plant die DB gemeinsam mit der Stadt Freien und Hansestadt Hamburg und dem Bund eine Vielzahl weitreichender Maßnahmen zur Verbesserung des Schienenknotens. Dazu gehören unter anderem die zukunftsfähige Erneuerung der Norder- und Süderelbbrücken, die Erweiterung des Hamburger Hauptbahnhofs sowie das geplante Kreuzungsbauwerk in Hamburg-Wilhelmsburg für den Schienengüterverkehr (SGV) der Relation Rothenburgsort – Osthafen."
Somit bleibt die Neubautrasse ein Jahrhundertprojekt: Allein bis zur Realisierung der neuen Trasse in Niedersachsen werden mehrere Jahre vergehen. Und wohin der Hamburger Hauptbahnhof erweitert werden soll, wird spannend.
Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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