Gemeinsames Zeichen des Erinnerns
Schüler gedachtem dem Holocaust
- Schüler erinnern an die Opfer des Holocaust
- Foto: Deike Masuth
- hochgeladen von Stefanie Hansen
Mit einem gemeinsamen Stolpersteinrundgang haben insgesamt 70 Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums Tostedt am Holocaust-Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Schule am Düvelshöpen, die Erich-Kästner Realschule und das Gymnasium Tostedt beteiligten sich mit Schülerinnen der 10. Klassen an der Aktion. Gemeinsam organisierten das Forum für Zivilcourage und die Projektgruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ den Rundgang. Die Projektgruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ setzt damit ihre Tradition fort, jedes Jahr eine gemeinsame Aktion mit allen drei Schulen durchzuführen und so die Offenheit und Gemeinschaft des Schulzentrums zu fördern.
Für den Vormittag waren drei Stationen geplant, an denen die Jugendlichen die Stolpersteine reinigten und sich mit den persönlichen Schicksalen der Menschen beschäftigten. Der Rundgang startete an den Stolpersteinen der Familie Rosen in der Poststraße. Hier erinnerten die Jugendlichen an das Schicksal der vier Töchter der Familie Rosen. Sie alle fielen den Nationalsozialisten zum Opfer, wurden deportiert und ermordet.
Weiter ging es zur Bahnhofsstraße zum Stolperstein von Rosette Dörnbrack. Nachdem ihr Schicksal mit der anstehenden Deportation ins KZ besiegelt schien, rettete ein Akt der Zivilcourage ihr vermutlich das Leben. Der Tostedter Landarzt Dr. Pieper attestierte ihr, dass sie transportunfähig sei und bewahrte sie so vor ihrem Schicksal.
Der Rundgang endete am Rathaus mit den Stolpersteinen vom polnischen Zwangsarbeiter Boleslaw Marzec und Anna Riepshoff. Liebesbeziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern waren verboten und so wurde Boleslaw Marzec öffentlich gehängt und Anna Riepshoff verhaftet und später ins KZ gebracht, aus welchem sie glücklicherweise 1943 entlassen wurde.
Durch das Erzählen der einzelnen Lebensgeschichten wurden die Schicksale hinter den Stolpersteinen greifbar und die Jugendlichen waren sichtlich betroffen.
Zum Abschluss machte Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam in seiner Rede deutlich, dass die heutige Jugend keine Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten trägt, wohl aber die Verantwortung, dafür einzustehen, dass sich solches Unrecht niemals wiederholt. Er bedankte sich bei den Teilnehmenden für ihr Engagement und betonte, dass Aktionen wie diese ein wichtiger Teil der gelebten Erinnerungskultur sind.
Den Abschluss bildete eine Rede des Tostedter Jugendrates von Mattes Bieler. Er betonte, wie wichtig es sei, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten. „Nie wieder Faschismus“, so machte er deutlich, bedeute nicht nur das Erinnern, sondern auch aktives Handeln, Toleranz und das offene Gespräch über Ausgrenzung und Diskriminierung.
Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung des Schulzentrums ist es geplant, dass die Schulen eine dauerhafte Patenschaft für die Stolpersteine übernehmen und diese in regelmäßigen Abständen putzen. Dadurch findet sich die Theorie des Geschichtsunterrichts in der Realität der eigenen Dorfgeschichte wieder und wird greifbarer.
Dass dies wichtig ist, zeigen auch Ereignisse der vergangenen Wochen, bei denen antisemitische Hetze auf einen Stolperstein in Tostedt geschmiert wurde. Engagierte Bürgerinnen haben dies zum Glück schnell beseitigt. Dennoch zeigen Ereignisse wie diese, welches faschistische Gedankengut immer öffentlicher wird. Somit ist sei besonders wichtig, immer wieder ein Zeichen gegen Fremdenhass und Faschismus und für eine tolerante Gesellschaft zu setzen, so die Organisatoren. Das Tostedter Schulzentrum steht für Toleranz und beweist mit Aktionen wie dieser immer wieder, wie wichtig demokratische Bildung an Schulen ist.
Redakteur:Stefanie Hansen aus Buchholz |
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