Fehlende Freiwillige
Seniorentreff Tostedt wurde aufgelöst

Der scheidende Vorstand des Seniorentreffs mit Liquidator Stefan Walnsch (re.) mit (hinten v. li.): Peter Conrad, Ulrich Winterhoff, Frank Hoeft sowie (vorne, v. li.): Traute Hanfeld und Brigitte Evers
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Der Seniorentreffpunkt war im August 1976 gegründet worden. Von in besten Zeiten 350 Mitgliedern gehörten dem Verein zuletzt noch rund 110 an. So viele kamen noch vor wenigen Jahren alleine zu den Computerkursen in die Räume in der Kastanienallee.
Statt Verständnis dafür aufzubringen, dass drei Vorstandsmitglieder ihr Ehrenamt nicht mehr ausüben können oder möchten, hagelte es zunächst von einigen Mitgliedern Vorwürfe. Die Ankündigung der möglichen Auflösung sei zu kurzfristig gewesen, die Mitglieder seien alles alte Leute über 60, 70 und 80 Jahre, die die Vorstandsarbeit nicht machen könnten oder wollten. Allerdings liegt das Alter in der Natur eines Seniorenvereins.
"Wir haben über ein Jahr gesucht und alle, die infrage kommen, angesprochen", berichtete Traute Hanfeld. Außerdem habe es zwei Aushänge am schwarzen Brett und vor acht Wochen ein Rundschreiben gegeben. Regulär wäre eine Vereinsauflösung in der Jahreshauptversammlung im März diskutiert worden, die aber Corona-bedingt nicht stattfinden konnte.
Den Vorwurf, die Gemeinde Tostedt würde zu wenig für Senioren tun, konnte Tostedts Gemeindebürgermeister Gerhard Netzel nicht stehen lassen. "Für die Seniorenarbeit ist die Samtgemeinde zuständig, die dafür an die Mitgliedsgemeinden zahlt." In den Mitgliedsgemeinden werde die Seniorenarbeit unterschiedlich gehandhabt, meist lediglich einmal im Jahr zum (Advents-)Kaffeetrinken eingeladen. Auch der Seniorentreff erhielt einen monatlichen Mietzuschuss und Zuschüsse für besondere Veranstaltungen. "Wir machen etwas für den Bau des DRK-Zentrums", sagte Netzel zum jüngsten Samtgemeinderatsbeschluss. Dieser sieht vor, dass die Samtgemeinde für den Neubau des DRK den jährlichen Zuschuss für Altenarbeit für 15 Jahre als Einmalzahlung bewilligt und das DRK sich im Gegenzug vertraglich dazu verpflichtet, für 15 Jahre die Seniorenarbeit zu übernehmen.
Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam hofft, dass die Angebote des Seniorentreffs nun unter einem anderen Dach fortgeführt werden. "So traurig ich die Auflösung auch finde. Es ist gut, wenn es weiterhin Aktivitäten für Senioren gibt. Aber es hilft ohne Vorstand auch nicht, die Diskussion nochmal zu vertagen", erklärte er.
Erster Samtgemeinderat Stefan Walnsch wurde als Liquidator eingesetzt. Er dankte dem Vorstand, den Gruppenleitern und den Mitgliedern, die dem Verein lange die Treue gehalten haben. "Es ist keine schöne Aufgabe, den Verein aufzulösen. Seniorenarbeit war und ist wichtig und wird in den Folgejahren noch wichtiger werden", sagte Walnsch mit Blick auf den demografischen Wandel. "In der Samtgemeinde haben wir aber eine starke Struktur, sodass die Sparten eine Heimat finden werden. Die Seniorenarbeit ist nicht weg, sie findet nur woanders statt", erklärte Walnsch.
Denn der DRK-Ortsverband wird in seinem DRK-Zentrum, das an der Ecke Bahnhof- und Triftstraße entstehen wird, neben dem erweiterten Fundus-Kaufhaus und 14 altersgerechten Wohnungen eine Seniorenbegegnungsstätte einrichten. Dort sollen auch die ohnehin bestehenden, vielfältigen Angebote ausgeweitet werden, u.a. um Ausdrucksmalerei, generationsübergreifende Spieleolympiaden, Skat, Bingo, Gymnastik, Yoga, Renten- und Demenzberatung, Smartphone- und Internetkurse.
Der Todtglüsinger Sportverein (TSV) könne Räume zur Verfügung stellen für die Aktivitäten, die zuletzt in der Kastanienallee stattfanden, berichtete TSV-Vorsitzende Renate Preuß.
Für eine Mitgliedschaft im DRK sind 24 Euro im Jahr fällig, im TSV, der eine eigene Abteilung Seniorentreff gründen würde, 5 Euro im Monat. Für die Mitgliedschaft im Seniorentreff zahlten die Mitglieder bisher 4 Euro monatlich.
Das Vereinsvermögen des aufgelösten Seniorentreffs soll an die Samtgemeinde gehen und schnellstmöglich für einen gemeinnützigen Zweck eingesetzt werden.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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