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Jugendherberge Inzmühlen: Künftige Nutzung ungewiss

Bürgermeister Heinrich Richter (3. v. re.) führte die Ratsmitglieder durch die Jugendherberge (v. li.): Iris Gronert, Waldemar Hindersin, Uwe Blanck, Udo Kynast, Dr. Hans Peter Grimm und Karlheinz Dörr
 
Im Foyer der Jugendherberge (v.li.): Dr. Hans Peter Grimm, Waldemar Hindersin und Bürgermeister Heinrich Richter
bim. Handeloh. Die künftige Nutzung der Jugendherberge in Handeloh-Inzmühlen ist weiter ungewiss. Zwar haben Gemeinde und Förderverein in den vergangenen drei Jahren mit einigen Interessenten Gespräche geführt, allerdings noch niemanden gefunden, der den gesamten Gebäudekomplex auf dem sechs Hektar großen Naturgelände bestimmungsgemäß nutzen würde. Großes Interesse, zumindest in einen Teil des Gebäudes einzuziehen, hat die Freie Schule Nordheide, die allerdings bisher aus Sicht der Politik kein tragfähiges Finanz-Konzept vorgelegt hat. Jetzt führte Bürgermeister Heinrich Richter (FWH) einige interessierte Ratsmitglieder und das WOCHENBLATT durch die Einrichtung.
Die Zeit in dem Gebäude von 1960/1961 scheint stehen geblieben zu sein. Die Waschbecken und eine alte Glocke erinnern an längst vergangene Tage. Bälle und Putzutensilien liegen herum, die Fußballtore vor dem Gebäude am Boden - fast schon symbolisch. An einer Lampe baumelt eine Taube aus Papier, wohl der Ausdruck der Hoffnung auf Frieden eines dort kurzzeitig lebenden Flüchtlings. Einzige Modernisierungen der jüngsten Zeit: die neuen Fluchtwege und die Heizungsanlage.
Rückblick: Die letzte Jugendherberge im Landkreis Harburg war vor ihrer Schließung im Sommer 2015 dank ihrer einmaligen Lage in der Lüneburger Heide und der tollen umweltpädagogischen Angebote in der Region bekannt und mehrfach ausgezeichnet worden. Sie war Anlaufpunkt für Touristen, Kindergärten, Schulen, Seminargruppen und Vereine. Dank des Engagements der Herbergseltern übernachteten zwischenzeitlich bis zu 18.000 Gäste im Jahr in der Einrichtung mit 163 Betten.
Der Landesverband Nordmark des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) als Betreiber kündigte im September 2014 an, Gebäude und Gelände wegen "Defiziten des Hauses" verkaufen zu wollen. Einbußen bei den Übernachtungszahlen gab es aber u.a. auch wegen des durch den Landesverband selbst verursachten Sanierungsstaus.
Wenig später spielte dem Landesverband der große Flüchtlingszustrom in die Karten, weil der Landkreis Harburg dringend Unterkünfte finden musste. Die Gemeinde geriet in Zugzwang: Um die Regie über die Nutzung der Herberge zu behalten, machte sie von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch und erwarb die Jugendherberge mit finanzieller Unterstützung der Samtgemeinde Tostedt im Dezember 2015, bevor ein Investor zuschlagen konnte.
Das Perfide: Jahrelang hatte der Landesverband Nordmark nur minimal in das Gebäude mit dem 1960er-Jahre-Charme investiert und gab die nötigen Investitionskosten nun mit rund zwei Millionen Euro an. Die Herbergseltern waren hingegen nur von 700.000 Euro für Modernisierung und Brandschutz ausgegangen.
Das Handeloher CDU-Ratsmitglied und Finanzexperte Udo Kynast berichtet beim Ortstermin Interessantes: "Die damals eigenständige Gemeinde Inzmühlen hatte dem DJH für die Errichtung der Herberge einst gegen eine Sicherungshypothek Grund und Boden zur kostenlosen Nutzung für 50 Jahre zur Verfügung gestellt. Die lief aus. Nach rund 52 Jahren bot der DJH die Herberge zum Verkauf an."
Nachdem die Gemeinde die Herberge gekauft hatte, vermietete sie das Gebäude über die Samtgemeinde an den Landkreis als Flüchtlingsunterkunft. Seit Ende 2015 und bis März dieses Jahres waren in der Jugendherberge junge unbegleitete Flüchtlinge untergebracht.
Am 31. Januar 2019 läuft der Mietvertrag mit dem Landkreis Harburg aus. Zumindest die Gemeinde habe mit der Investition kein Minus gemacht, sagt Udo Kynast. Die Investition von insgesamt rund 900.000 Euro für Ankauf, Brandschutzmaßnahmen und Küchenumbauten habe sich also inzwischen amortisiert. Nichtsdestotrotz sind es Steuergelder, die der Landkreis seit März für ein leerstehendes Hauses zahlte und zahlt.
Derzeit gebe es außer der Freien Schule noch zwei weitere Interessenten für die Herberge, wurde jüngst in einer Ausschuss-Sitzung berichtet. Sollten diese sich nicht entscheiden, will die Gemeinde einen Makler einschalten.

Pläne der Freien Schule

Die Freie Schule Nordheide würde Teile der Jugendherberge gerne als Schulstandort nutzen, weil die Themen Natur und Nachhaltigkeit zum Konzept passen, und mit anderen Partnern kooperieren. Wie der Stand bei den Plänen ist, berichten Marco Böttcher und Axel Luther von der Schulgründungsinitiative dem WOCHENBLATT: "Wir haben gemeinsam mit einem Baufachmann und einem Architekten ein Nutzungskonzept für die Jugendherberge entworfen, das Bereiche für die Schule, für eine Großtagespflegeeinrichtung für Kleinkinder und eine für Hortkinder beinhaltet und darüber hinaus einen Bereich für Übernachtungsgäste und für gemeinschaftliches Wohnen. Dieses Konzept haben wir an den Fachbereich Bauen und Planung der Samtgemeinde Tostedt weitergereicht, die beim Landkreis prüfen lässt, ob diese Nutzungsoptionen rechtlich möglich sind. Sobald dies geklärt ist, können wir mit verschiedenen Banken und Stiftungen die Finanzierung abschließend verhandeln. Die Bedingungen für die Großtagespflegeeinrichtung sind bereits geklärt, und Menschen, die diese umsetzen wollen, arbeiten bereits am Konzept mit. Für die Bereiche fürs Wohnen stehen auch schon Familien bereit, die mit der zukünftigen Schule verbunden sind, überwiegend Eltern von zukünftigen Schulkindern. Der Bereich für Übernachtungsgäste ist so geplant, dass er zunächst finanziell kaum Gewinn erwirtschaften muss. Wir prüfen aber auch Optionen für eine mögliche wirtschaftlichere Nutzung."