Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Die Deutsche Bahn hat das Vertrauen missbraucht"

Grafik der Alpha E-Variante: Die durchgezogene rote Linie zeigt die Ausbaustrecken inklusive Blockverdichtungen, die gepunktete rote Linie die neuen Bestandteile des Alpha E gemäß Bundesverkehrswegeplan (Foto: Grafik: Beirat Alpha-E / Bearbeitung: MSR)

Projektbeirat deckt Planungen für viertes Gleis von Ashausen nach Celle auf / Intervention erfolgreich

(bim). "Die Deutsche Bahn hat das Vertrauen, das der Projektbeirat Alpha-E in die konstruktive Zusammenarbeit gesetzt hat, massiv missbraucht." Tostedts Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam, Sprecher des Projektbeirates, ist noch immer erschüttert, dass die Deutsche Bahn hinter verschlossenen Türen bereits seit Längerem zusätzliche Gleise auf der Strecke Ashausen-Celle geplant hat, die weder dem Konsens für das Alpha-E aus dem Dialogforum Schiene-Nord noch dem Bundesverkehrswegeplan entsprechen. Das deckte der Beirat nun auf - und konnte nach seiner Intervention den Alleingang der Bahn ohne Bürgerbeteiligung verhindern.
Alpha-E sieht den bedarfsgerechten Ausbau von vorhandenen Bahnstrecken für die Gütertransporte aus den Seehäfen Hamburg, Bremen und Wilhelmshaven ins Umland vor. Der Projektbeirat - bestehend aus Vertretern von acht Bürgerinitiativen, aus vier Landkreisen und vier Kommunen - begleitet das Vorhaben und achtet u.a. darauf, dass Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden. 
Mit den Planungen der Bahn für die zusätzlichen Gleise zwischen Ashausen und Celle wäre die Alpha-E-Variante - ein hart erarbeiteter und von Landkreisen und Bürgerinitiativen in der Region getragener Kompromiss - infrage gestellt worden. Und - so die Befürchtung - die Diskussion um die jahrzehntelang von vielen Bürgern bekämpfte Y-Trasse neu entfacht worden, inklusive möglichen Güterverkehrs auf der Heidebahnstrecke Buchholz-Soltau-Hannover.
Die vom Bürgerdialog "Dialogforum Schiene Nord" (DSN) befürwortete Alpha-E-Variante, die nun zur Umsetzung kommen soll, sieht u.a. ein zweites Gleis zwischen Rotenburg und Verden und ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen sowie eine mögliche Ortsumfahrung von Lüneburg vor. Ebenso eine Blockverdichtung zwischen Celle und Lehrte sowie zwischen Verden und Nienburg, das heißt, durch geänderte Signale können auf einer Strecke mehr Züge zur gleichen Zeit verkehren.
Der Projektbeiratssprecher berichtet, wie plötzlich das zusätzliche Gleis zwischen Ashausen und Celle ins Gespräch gebracht wurde. Er und zwei weitere Vertreter des Projektbeirates seien vor rund zwei Wochen von der Bahn nach Hannover eingeladen worden, weil es neue Zahlen und Bedarf an zusätzlicher Infrastruktur gäbe. Demnach müssten u.a. rund 540 Güterzüge von Hamburg auf drei Strecken Richtung Süden befördert werden. "Es wurde sehr suggestiv dargestellt. Wir waren verwundert, wieviele Züge auf die Strecke passen sollen. Der Projektbeirat hatte Zweifel an den Zahlen. Und selbst aus Bahnkreisen gab es Nachfragen", berichtet Peter Dörsam.
Auf Nachfrage, mit wievielen Gleisen der Gutachter kalkuliert hätte, sei nach längerem Schweigen herausgekommen, dass er mit vier Gleisen zwischen Ashausen und Lüneburg sowie zwischen Lüneburg und Uelzen geplant habe. Und das bereits seit zwei Jahren, auch die Kosten für diese Gleise sind in den Berechnungen hinterlegt. "Wir hatten uns gewundert, dass auf der Strecke Büchen-Wittenberge nur noch ca. 30 Güterzüge fahren sollten", so Dörsam. Die Strecke sei zwar rund 20 Kilometer länger, was bei der Gesamtstrecke Richtung Süden aber unerheblich sei. "Das Alpha hat ja den Sinn, dass man nicht alle Güterzüge über eine Strecke führt und Kapazitäten nutzt, die vorhanden sind", erläutert der Projektbeiratssprecher
Mit einem zusätzlichen Gleis zwischen Ashausen und Celle - wie es die Bahn im Hintergrund geplant hatte - würden die Strecken Ashausen-Lüneburg und Lüneburg-Uelzen jeweils viergleisig sowie Uelzen-Celle dreigleisig.
"Damit wäre der breit getragene Kompromiss zerstört worden. Es würden weitere Jahre vergehen, viele Diskussionen wären nötig. Da erntet man Missmut und Widerstand", ist Dörsam überzeugt.
Es folgte vergangenen Freitag ein "Aufklärungstermin" von drei Projektbeirat-Vertretern bei Enak Ferlemann vom Bundesverkehrsministerium in Berlin, im Rahmen dessen den Projektbeiratsmitgliedern bestätigt wurde, dass das Alpha-E in der im Bundesverkehrswegeplan beschriebenen Form Bestand hat. Man werde das weitere Vorgehen besonders genau verfolgen, kündigt der Projektbeiratssprecher an.