So erlebten Leser den Jahrhundertwinter 1978/1979: WOCHENBLATT-Serie (II)

Die Bundeswehr als Helfer: In Oederquart machten Raupen den Weg durch den Schnee frei
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  • Die Bundeswehr als Helfer: In Oederquart machten Raupen den Weg durch den Schnee frei
  • Foto: Mahler
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"Schneeraupen der Bundeswehr waren die Rettung"

ce. Landkreis. Auch in dieser WOCHENBLATT-Ausgabe erinnern sich Leser an den Jahrhundertwinter 1978/1979, bei dem in weiten Teilen Deutschlands der Ausnahmezustand herrschte. "Wir hatten auf unserem Grundstück drei Meter hohe Schneewälle, die fast bis an die Dachrinne des Hauses ragten", erzählt Adolf Mahler aus Oederquart (Landkreis Stade). Seine Familie betrieb damals eine etwas außerhalb des Dorfes gelegene Landwirtschaft mit Viehhaltung. Acht Tage lang war der Hof durch die Schneeverwehungen von der Außenwelt komplett abgeschnitten. Wenn die Mahlers ins Ortszentrum wollten, mussten sie bei Eiseskälte einen etwa sechs Kilometer langen Fußmarsch zurücklegen. "Irgendwann kamen dann Raupen der Bundeswehr, die die Straßen wieder frei machten. Da waren wir sehr erleichtert", so Adolf Mahler.
• "Wie die Großen wollte ich, Jahrgang 1965, auch helfen! Mit meinem knallroten Bobschlitten aus Kunststoff mit Handbremse, den ich zuvor in einem Preisausschreiben gewonnen hatte, zog ich los.Meine Idee: Den Einkauf für ältere Leute erledigen", erinnert sich Karin Warncke aus Jork. In Horneburg, wo sie damals zu Hause war, startete sie ihre Tour durch schneebedeckte Straßen, um ältere Menschen in einem Wohnblock zu versorgen. "Nicht alle von ihnen waren von meiner geplanten Aktion begeistert, manche skeptisch. Sie mochten mir ihr Geld nicht anvertrauen. Aber mein Taschengeld reichte doch nicht, um in Vorkasse zu gehen, was manche auch einsahen", so Warncke. "Letztendlich war ich dann aber doch froh, nicht viele Aufträge übernommen zu haben. Den Schlitten vollgepackt durch den Schnee zu ziehen und gegen die dicken Flocken anzukämpfen, das war echt anstrengend."
• Arno Westerwick machte rund um den Jahreswechsel 1978/1979 Führerschein bei einer Tostedter Fahrschule, wobei ihm das extreme Winterwetter am Schluss manche Prüfungsaufgabe ersparte. "Die Fahrt in der Harburger Innenstadt war äußerst verkürzt, weil der Prüfer nur noch nach Hause wollte", weiß Westerwick noch heute. "Die Tour beinhaltete lediglich eine Quarreefahrt und ich musste viermal rechts abbiegen. Parkplätze zum Rückwärtseinparken waren aufgrund der Schneemassen nicht vorhanden", so Westerwick. Die Freude am Führerschein währte aber vorerst nur kurz: "Kaum hatte ich den 'Lappen' in der Hand, wurde kurz nach der Fahrprüfung wegen des gewaltigen Schneeaufkommens ein absolutes Fahrverbot in ganz Norddeutschland verhängt."
• "Die Geschäftsleitung schickte alle Angestellten, die außerhalb wohnten, gegen 12 Uhr nach Hause", erinnert sich Ute Rathjen aus Neu Eckel an den verfrühten Feierabend bei einer Hamburger Versicherung, wo sie damals arbeitete. Die Heimfahrt per Bahn endete aber schon in Harburg, da die Gleise zwischen Harburg und Klecken zum Teil unter Schnee begraben waren. Mit Freunden fuhr Ute Rathjen nach Neu Wulmstorf, wo ihre Eltern wohnten, zur Geburtstagsfeier der Mutter. Anderntags wurde sie von ihrem Mann abgeholt, der Neu Wulmstorf nur erreichte, "indem er direkt hinter einem Räumfahrzeug fuhr. Sonst wäre das wohl nichts geworden", so die Ehefrau. "Einkäufe wurden entweder auf Skiern oder mit dem Schlitten gemacht. Mit dem Auto ging dann ein paar Tage nichts", schildert Ute Rathjen die Lage in Klecken, wo sie damals wohnte.

Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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