Schiffsbergung vor Winsen
Teure Yacht vor dem Kentern gerettet

Eine surreale Szenerie: Im Vordergrund liegt die gekenterte Yacht, 
im Hintergrund fährt die Elbfähre Hoopte-Zollenspieker vorbei   Fotos: Taucher Knoth
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  • Eine surreale Szenerie: Im Vordergrund liegt die gekenterte Yacht,
    im Hintergrund fährt die Elbfähre Hoopte-Zollenspieker vorbei Fotos: Taucher Knoth
  • hochgeladen von Thomas Lipinski

Gerd Reich und sein Team von der Firma Taucher Knoth sind auf der Elbe im Einsatz, u.a. um Havaristen zu bergen

thl. Winsen. Strahlender Sonnenschein und eine angenehme Temperatur - da macht das Bootfahren auf der Elbe gleich doppelt so viel Spaß. Das findet auch Skipper Harald M. (*Name geändert) aus dem Rheingebiet, der mit seiner rund 350.000 Euro teuren Yacht bei Hoopte unterwegs ist. Plötzlich gibt es ein ohrenbetäubendes Knarren - Grundberührung: Harald M. ist auf einen Buhnenkopf aufgefahren.
Buhnen sind die Steinhaufen, die entlang der Elbe bei Niedrigwasser zuhauf zu sehen sind. Die Bauwerke sind für die Strömungsregulierung des Flusses da. Verzweifelt versucht Harald M., seine etwa 17 Tonnen schwere Motoryacht wieder freizubekommen. Doch er hat keine Chance. Hinzu kommt, dass die Yacht durch das einsetzende Niedrigwasser in eine bedrohliche Schräglage gerät. Also ruft er die Feuerwehr.
Die Retter sind schnell vor Ort, bekommen die Yacht jedoch auch nicht frei. Sie sichern die Yacht mit Leinen, um ein Abrutschen vom Buhnenkopf und somit ein komplettes Kentern zu verhindern, und evakuieren das Schiff.
"Im sogenannten zweiten Angriff kommen wir dann ins Spiel", erzählt Gerd Reich, Prokurist der Firma Taucher Knoth im Hamburger Hafen, der privat in Tötensen wohnt. Die Bergung von Havaristen gehört u.a. zu den Angeboten des Unternehmens. Rund viermal im Jahr rücken Reich und seine Mitarbeiter aus, um festgefahrene Schiffe von den Buhnen zu holen. "Buhnen sind in der Elbe sehr ausgeprägt vorhanden. Das kennen auswärtige Skipper von anderen Flüssen oder Kanälen nicht", erklärt Reich. "Zwar sind die Buhnenköpfe mit Tonnen gekennzeichnet, diese können jedoch bei starker Strömung und niedrigerem Wasserstand auch schon einmal ihre Position verändern und zeigen dann das Hindernis sehr ungenau oder gar nicht mehr an."
Im Falle von Harald M. bestand eine erhebliche Gefahr, dass die Yacht kopfüber in die Elbe stürzt und ganz versinkt. "Aufgrund der Lage des Schiffes war klar, dass es auch nicht mehr allein aufschwimmen würde", so Reich weiter. Er forderte den firmeneigenen Schwimmkran an, der gerade an der Kattwykbrücke in Hamburg im Einsatz war. "Wir haben zwei Kräne, der kleinere hebt bis zu 30 Tonnen, der größere bis zu 100 Tonnen", erklärt der 56-Jährige, der seit über 30 Jahren im Hamburger Hafen unterwegs ist und schon über 25 Jahre Bauleiter ist.
Dreieinhalb Stunden benötigte der Schwimmkran, bis er in Hoopte ankam. "Mittlerweile hatten wir schon wieder auflaufendes Wasser, das in die auf der Seite liegende Yacht schwappte und dort erhebliche Schäden anrichtete", so Reich weiter. "Deswegen drohte sie erneut, komplett zu kentern. Das war auf Messers Schneide," Glücklicherweise habe die Yacht von außen keine Schäden gehabt. Das Team der Taucherfirma legte mehrere Gurte um das Schiff, dann hob der Kran es vorsichtig an und setzte es wieder auf das Wasser. "Damit war die Bergung beendet und wir schleppten den Havaristen in den nahen Stöckter Hafen. Von dort soll die Yacht mit einem Tieflader abgeholt und zur Reparatur in eine Werft gebracht werden", erzählt Gerd Reich.
Rund 12.000 Euro hat die Bergung des Havaristen gekostet. Die Gesamtkosten mit Tieflader und Reparatur schätzt Reich auf rund 40.000 Euro.
Auch beim kürzlich in der Elbe bei Stadersand gekenterten Oldie-Segler "No. 5 Elbe", der von einem Containerfrachter gerammt worden war, waren Reich und sein Team im Einsatz. "Wir haben allerdings nur die vorbereitenden Arbeiten durchgeführt. Die eigentliche Bergung hat dann in Absprache mit uns ein anderes Unternehmen durchgeführt", so Gerd Reich abschließend.

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