Vierhöfener prangern von Samtgemeinde geplanten Ausbau der Verbindungsstraße nach Garstedt an

"Wir wollen hier keine Schnellstraße mit Leitplanken!": Die Vierhöfener Ulrike Aschenbrenner, Britta Stegemann, Matthias Schuh und Sonja Meier (v. li.) protestieren auf der Verbindungsstraße gegen das Vorhaben vor ihrer Haustür
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"Wiegen Fördergelder mehr als Sicherheit?"

 ce. Vierhöfen/Garstedt. Zählen bei einer Straßensanierung die dafür bezahlten Fördermittel mehr als die Sicherheit der die Straße nutzenden Menschen? Das glauben zumindest Einwohner von Vierhöfen, die vom geplanten Ausbau der Verbindungsstraße zum Nachbarort Garstedt betroffen sind.
Der Hintergrund: Voraussichtlich ab dem Frühsommer sollen auf der rund vier Kilometer langen Verbindungsroute dringend notwendige Erneuerungsarbeiten und eine Verbreiterung von derzeit 4,60 Meter auf 5,50 Meter vorgenommen werden. Die Samtgemeinde erhält hierfür vom Land Niedersachsen eine Förderung von rund 951.000 Euro und muss immer noch einen Eigenanteil von 784.000 Euro zahlen. Bedingung für den Zuschuss ist jedoch, dass von Ortsschild zu Ortsschild Tempo 100 gefahren werden darf. Zudem müssen aus Naturschutz- und Verkehrsrechtsgründen Leitplanken errichtet und dafür in diesen Tagen etwa 40 Bäume entlang der Strecke gefällt werden. Als Ausgleichsmaßnahme ist die Neupflanzung von rund 170 Bäumen abseits der Straße vorgesehen.
"Dass hier die freie Fahrt für die Autofahrer mehr zählt als die zum Teil Jahrhunderte alten Bäume, ist eine glatte Fehlplanung", macht Anwohner Matthias Schuh gegenüber dem WOCHENBLATT seinem Ärger Luft. Als "grob fahrlässig und unverantwortlich" rügen Schuh und seine Nachbarn Britta Stegemann, Sonja Meier und Ulrike Aschenbrenner die Tatsache, dass es mit der Installation der Leitplanken keine Ausweichmöglichkeit mehr für Radler, Reiter, Inline-Skater oder Spaziergänger bei Begegnungen mit vorbeifahrenden Pkw oder Lkw gibt. "Ich fahre mit dem Fahrrad nach Garstedt zur Arbeit und habe mich dabei bislang immer sicher gefühlt. In Zukunft werden ich wohl immer mit einem mulmigen Gefühl unterwegs sein", erklärt Ulrike Aschenbrenner. "Viele Kinder und Jugendliche nutzen die Verbindungsstraße, um zum Sport, zu Freunden oder zum Einkaufen zu radeln. Müssen sie jetzt, mit Rasern im Rücken, Angst haben?", gibt Sonja Meier auch im Namen anderer Eltern zu bedenken.
"Man hätte die Straße ausbauen, auf der ganzen Strecke Tempo 70 und im kurvigen Bereich an der Luhe Tempo 50 vorschreiben und so auf die Leitplanken verzichten können", bringt Britta Stegemann den Alternativ-Vorschlag der Vierhöfener auf den Punkt. "Dann hätten fast alle Bäume stehen bleiben können, und allen Verkehrsteilnehmern wäre gedient."
"Ich bin über die Leitplanken-Lösung und die gefällten Bäume auch nicht glücklich", erklärt Salzhausens Samtgemeinde-Bürgermeister Wolfgang Krause auf WOCHENBLATT-Anfrage. Die Bäume links und rechts der Straße hätten dieser bislang einen Allee-Charakter verliehen, den Blick des Verkehrsteilnehmers in die Weite eingeschränkt und so auch temporeduzierend gewirkt. "Ohne die Fördermittel, die mit dieser Auflage verbunden sind, wäre die dringend erforderliche Sanierungsmaßnahme für uns aber nicht machbar gewesen", betont Krause. "Wir hätten gerne entlang der Strecke von Vierhöfen nach Garstedt einen Fahrradschutzstreifen eingerichtet, was aber außerorts leider nicht zulässig ist."

- Grüne fordern Neuberatung des Straßenausbau-Beschlusses

(ce). Der von der Samtgemeinde Salzhausen geplante Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße von Garstedt nach Vierhöfen soll erneut in den zuständigen Fachausschüssen beraten werden. Die bereits laufenden Vorbereitungsmaßnahmen sollen umgehend ausgesetzt werden. Das fordert die Grünen-Fraktion der Samtgemeinde.
Beim Beschluss des Ausbaus durch den Samtgemeinderat - so Grünen-Fraktionschef Joachim Bartels - "war den Ratsmitgliedern nicht bekannt, dass durch die Beantragung der Fördergelder des Landes, quasi eine Schnellstraße mit Leitplanken entsteht. Dadurch ist der Schutz von Fahrradfahren und Fußgängern nicht mehr gewährleistet, die durch die vielen Leitplanken keine Ausweichmöglichkeiten mehr haben". Dieses Vorgehen erwecke den "Eindruck, dass für die Sicherheit der Autofahrer alles Erdenkliche getan wird, aber die schwächsten Verkehrsteilnehmer leider nicht bedacht wurden. Und das, obwohl die Straße sowohl als Schulweg, zum Einkaufen und auch im Sommer häufig von Besuchern der Vierhöfener Badeteiche benutzt wird". Wegen der Luhe-Überquerung gebe es keine Alternativ-Strecke.
Bartels kritisiert, dass sich der Vierhöfener Rat erst in seiner Sitzung am Donnerstag, 21. Februar, um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus mit dem Thema befasst. "Die Bedenken der Gemeinde und Bürger konnten so nicht in den Abwägungsprozess einfließen." Schließlich verweist er auf einen Paragraphen der Straßenverkehrsordnung, der festlegt: "Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor."

- Kommentar: Sicherheit muss weiter Vorfahrt haben!

Ich habe volles Verständnis für die Verärgerung der an der Verbindungsstraße lebenden Bürger von Vierhöfen, die bei einer Umsetzung der Sanierungspläne Angst um die Sicherheit ihrer Familien haben. Die Samtgemeinde trifft hier aber meines Erachtens keine Schuld, denn Fördermittel vom Land von knapp einer Million Euro für diese höchst notwendige Maßnahme kann sie sich nicht entgehen lassen, ohne in arge finanzielle Schieflage zu geraten.
Der reine Hohn sind die an die Förderung gebundenen Bedingungen, die eine ländliche Verbindungsstraße zwischen zwei Dörfern in eine Art Stadtautobahn verwandeln. Waren die für die Auflagen Verantwortlichen aus Hannover eigentlich mal vor Ort, um sich aus nächster Nähe anzusehen, was sie anrichten?
Dass am Rande der neuen "Schnellstraße" zwischen Vierhöfen und Garstedt kein Schutzstreifen für Radler angelegt werden darf, setzt dem Irrsinn schließlich die Krone auf. Da bleibt die Sicherheit auf der Strecke!
Christoph Ehlermann 

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