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Drama um die "Heide-Witzka"

Da war die Welt noch in Ordnung: Die "Heide-Witzka" in ruhigen Gewässern in der Karibik (Foto: Segelkameradschaft Buchholz)
 
Kam der "Heide-Witzka" zu Hilfe: das spanische Versorgungsschiff "Juan de la Cosa" (Foto: vesseltracker.com)

12-Meter-Yacht der Segelkameradschaft gerät auf dem Atlantik in Seenot / Rettung durch spanisches Versorgungsschiff

os. Buchholz. Dramatische Rettungsaktion mitten auf dem Atlantik! Eine Crew in Todesangst! Stundenlanges Hoffen und Bangen, das an den Nerven erfahrener Seebären zehrt! Die Jubiläumsfahrt der Yacht "Heide-Witzka" zum 25-jährigen Bestehen der Segelkameradschaft Buchholz (SKB) wäre beinahe in einer Katastrophe geendet: Bei der Überfahrt von der Karibik Richtung Europa wurde das 12-Meter-Schiff von einer Gewitterböe derart erwischt, dass das Vorstak (Drahtseil von der Mastspitze zum Bug) brach und die Yacht in Seenot geriet. In einer dramatischen Rettungsaktion bei sechs Meter hohen Wellen kam das spanische Versorgungsschiff "Juan de la Cosa" der vierköpfigen Crew um Skipper Norbert Stein zu Hilfe. "Wir haben Riesenglück gehabt", sagt SKB-Vorsitzender Jens Weidling erleichtert. "Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Mast heruntergestürzt wäre...", ergänzt SKB-Bootswart Johann Sperhake nachdenklich.
Das Unglück geschah mitten auf dem Atlantik, rund 680 Seemeilen (ca. 1.260 Kilometer) von der Inselgruppe der Azoren entfernt. Mit einem Schlag war Segeln nicht mehr möglich, der Mast war höchst instabil. Der kleine Motor kämpfte mehr schlecht als recht gegen den Gegenwind an: Der Dieselvorrat hätte nicht einmal für die Hälfte der Reststrecke zu den Azoren gereicht. Stein erkannte schnell den Ernst der Lage und funkte "S.O.S." Das Problem: Die technische Ausrüstung der "Heide-Witzka" reicht nicht aus, um Schiffe in mehr als 25 Seemeilen Entfernung zu erreichen. Der Notruf verhallte ungehört. Daraufhin klingelte Stein den SKB-Chef Weidling über Satellitentelefon, das zwischendurch immer wieder versagte, mitten in der Nacht in Buchholz aus dem Bett. Es folgte eine große Rettungsaktion für das kleine Schiff: Weidling alarmierte umgehend die deutsche Seenotrettungsleitstelle in Bremen, parallel ging ein Hilferuf an die Rettungsleitstelle "MRCC Delgada" auf den Azoren - und die Versicherung des Schiffs (Pantenius) wurde informiert.
Durch einen Zufall war die "Juan de la Cosa", die eigentlich zur Sicherung von Fischern eingesetzt wird, auf dem Atlantik unterwegs. Sie nahm sofort Kurs auf die "Heide-Witzka" - und erreichte sie tatsächlich rund zehn Stunden später, mehr als 48 Stunden nach dem Unglück. "Als die Crew das Versorgungsschiff gesehen hat, kehrte schlagartig die Hoffnung zurück. Sie war wie auf Drogen", berichtet Johann Sperhake. Vergessen waren Seekrankheit und das Hin- und Herschaukeln, das sich laut SKB-Pressewart Thomas Homann anfühlt, als wenn man "24 Stunden an einem Stück auf dem Hamburger Dom Karussell fährt".
Der Mannschaftsarzt der "Juan de la Cosa" untersuchte Norbert Stein und seine Crew. Zum Glück hatte sich nur Steins Tochter Lena bei waghalsigen Manövern zur Sicherung des Mastes Prellungen zugezogen. Das spanische Schiff versorgte die "Heide-Witzka" nicht nur mit Dieselkraftstoff, sondern begleitete sie bis in den Hafen der Azoren-Insel Flores. "Wir sind dem Kapitän der 'Juan de la Cosa' und seinem Team zu großem Dank verpflichtet", sagt Jens Weidling. "Ohne sie hätte es noch viel schlimmer kommen können." Die Nachricht der Rettung beruhigte auch die SKB-Kameraden an Land: "Wir haben tagelang nicht schlafen können und waren den Tränen nahe", berichtet Johann Sperhake. Vor allem ihm machte die Ungewissheit zu schaffen, hatte er doch die "Heide-Witzka" für die lange Tour fitgemacht.
An diesem Wochenende soll die "Heide-Witzka" auf der Azoren-Insel Horta ankommen und dort repariert werden. Die Versicherung zeigte sich kooperativ und gab dafür grünes Licht. Norbert Stein will danach tatsächlich weiter Richtung Festland segeln. Bis Brest (Frankreich) sind es rund 1.000 Seemeilen (ca. 1.852 Kilometer), bis Hamburg weitere 1.000 Seemeilen.
"Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern", heißt es in einem alten Gassenhauer. Das "Puh......" von Norbert Stein im Logbuch auf der SKB-Internetseite zeigt aber, wie sehr das Drama auch ihm zugesetzt hat.