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Museumsdirektor Prof. Dr. Rolf Wiese geht nach 30 Jahren in den Ruhestand

Geschäftsführung 2013
 
Rolf und Giesela Wiese mit dem ehemaligen Oberkreisdirektor Hans-Joachim Röhrs, der Wiese Anfang der 1980er Jahre beim Landkreis Harburg anstellte
 
Zwei, die sich verstehen: Fördervereins-Vorsitzender Heiner Schönecke (li.) und Rolf Wiese
(os). Wenn es den Prototyp eines modernen Museumsdirektors gibt, dann ist es Prof. Dr. Rolf Wiese (65): Breit aufgestellt als studierter Betriebswissenschaftler und Volkskundler hat der gebürtige Heider aus dem Freilichtmuseum am Kiekeberg aus einer kleinen Einrichtung ein Vorzeigemuseum gemacht, das vielen Direktoren in ganz Deutschland als Vorbild dient. Am gestrigen Freitag, 27. Oktober, hatte Wiese nach 30 Jahren als Direktor am Kiekeberg seinen letzten Arbeitstag. Sein Nachfolger ist Stefan Zimmermann (38), der mit der kaufmännischen Geschäftsführerin Carina Meyer eine Doppelspitze bildet. „Ich habe bei Ihnen ein super gutes Gefühl“, sagte Wiese bei seiner offiziellen Verabschiedung vor zwei Wochen.
Geboren in Heide (Schleswig-Holstein), ging Rolf Wiese zum Studium nach Hamburg - zuerst schloss er 1979 ein BWL-Studium als Diplom-Kaufmann ab, bis 1984 machte er danach seinen Abschluss in Volkskunde. 1985 promovierte er zum Thema „Bauernhäuser des 19. Jahrhunderts im Landkreis Harburg“. Im selben Jahr holte ihn der damalige Oberkreisdirektor Hans-Joachim Röhrs als Museums- und Denkmalpfleger zum Landkreis Harburg. Eigentlich sollte Wiese dort lediglich ein Verzeichnis für Baudenkmäler erstellen, doch der junge Akademiker zauberte stattdessen ein Kreis-Museumskonzept aus der Tasche. Zentraler Punkt: Das Freilichtmuseum am Kiekeberg, damals noch im Besitz des Hansestadt Hamburg, sollte mit einer Erneuerung zum attraktiven Anlaufpunkt werden. Wieses Konzept war auf 30 Jahre angelegt - just der Zeitraum, den er tatsächlich die Geschicke als Direktor am Kiekeberg leiten sollte. 1986 kaufte der Landkreis Harburg das Museum, 1987 übernahm Wiese den Direktorenposten in Ehestorf. Mit durchschlagendem Erfolg: Kamen im Jahr 1986 noch 55.000 Besucher, waren es 2016 bereits 220.000 Gäste.
Wieses Plus war, dass er als BWLer und Volkskundler Geschichte und Wirtschaft zusammenbrachte. Das gepaart mit Weitsicht, Beharrlichkeit, Mut und keiner Angst vor Rückschlägen machte den Direktor so erfolgreich: Das Freilichtmuseum wuchs, die Qualität stieg. Die Umwandlung der kreiseigenen Einrichtung in eine Stiftung des privaten Rechts im Jahr 2003 markierte einen wichtigen Punkt, der zum Erfolg des Museums erheblich beitrug. Wiese war schnell klar, dass sich die Museumswelt räumlich nicht allein auf den Kiekeberg beschränken kann. Er trieb die Einrichtung von Außenstellen voran. Egal ob Mühlenmuseum Moisburg, Feuerwehr-Museum Moisburg, die Stellmacherei in Langenrehm, der Museumsbauernhof Wennerstorf oder die Wohngruppe für Behinderte - alles wurde zum großen Erfolg.

Kreiskalender und Brotdosen-Aktion

(os). Die verantwortungsvolle Tätigkeit als Museumsdirektor war für Prof. Dr. Rolf Wiese alles andere als ein „9-to-5-Job“. Trotzdem ließ es sich Wiese nicht nehmen, sich in den vergangenen Jahren zusätzlich wissenschaftlich und ehrenamtlich zu engagieren.
Wiese ist u.a. Initiator des Studienangebots Museumsmanagement an der Universität Hamburg, wo er seit 1999 auch als Professor tätig ist. Zudem hat Wiese den Ausstellungsverbund „Arbeit und Leben auf dem Lande“ mit ins Leben gerufen. Auch die Gründung der Arbeitskreise „Museumsmanagement“ und „Freilichtmuseen im Deutschen Museumsbund“ gehen maßgeblich auf die Initiative des 65-Jährigen zurück. Die wissenschaftliche Arbeit hatte für Wiese stets eine große Bedeutung. Deshalb war seine Freude riesig, als ihm seine Frau Giesela bei seiner offiziellen Verabschiedung die Festschrift „Museum machen. Museen zwischen Volkskunde und Management“ überreichte. Mehr als zwei Jahre hatten mehr als 30 hochkarätige Wissenschaftler aus ganz Deutschland auf Initiative von Giesela Wiese daran gearbeitet.
Gemeinsam mit seiner Frau war Rolf Wiese Herausgeber der Schriften des Freilichtmuseums sowie des Kreiskalenders für den Landkreis Harburg. Zuletzt beleuchtete das Ehepaar darin die „Archäologie im Landkreis Harburg“. Mit ihrer Sozial- und Kulturstiftung GIROWI hinterlassen die Wieses im Landkreis Harburg deutliche Spuren: Zum einen unterstützt die Stiftung den Förderverein des Freilichtmuseums, zum anderen führt sie mit der Unterstützung vieler Ehrenamtler in jedem Jahr zum Schulbeginn die beliebte Brotdosen-Aktion durch, bei der jedes Schulkind eine Brotdose samt gesundem Inhalt erhält.
Ein Projekt wird Prof. Dr. Wiese aus seinem Ruhestand heraus mit Sicherheit vorantreiben: Die Rettung der plattdeutschen Sprache. „Hier brauchen wir noch viel Hilfe, damit das Plattdeutsche erhalten bleibt“, betonte Wiese.
Mit der „Königsberger Straße“ hat sich Wiese zudem ein Denkmal gesetzt, das von seinem Nachfolger Zimmermann vollendet wird. Es ist das erste Museumsprojekt, das die Kulturgeschichte der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre in der ländlichen Region vollumfänglich erforscht, bewahrt und ausstellt. Geplant ist eine deutschlandweit einmalige Ausstellungswelt, die anhand charakteristischer Gebäude mit authentischen Innenausstattungen dörflichen Wandel und Alltagsleben von 1945 bis in die 1970er-Jahre dokumentiert.

"Ich freue mich, die Bühne zu räumen!"


(os). Ende dieses Monats neigt sich am Freilichtmuseum am Kiekeberg eine Ära dem Ende entgegen: Museumsdirektor Prof. Dr. Rolf Wiese (65) geht nach 30 Jahren in den Ruhestand. Offiziell verabschiedet wurde Wiese vor zwei Wochen mit mehr als 100 geladenen Gästen im Agrarium des Freilichtmuseums.
Unter Wieses Ägide entwickelte sich das Freilichtmuseum in Rosengarten-Ehestorf zu einem beliebten Ausflugsort für Menschen aus der gesamten Metropolregion und weit darüber hinaus. In den vergangenen Jahren kamen 5,5 Millionen Besucher an den Kiekeberg, rund die Hälfte davon Kinder. Fünf Gründe benannte Wiese für den Erfolg des Museums: Fundament sei der Vertrag zwischen dem Museum und dem Landkreis Harburg, der eine langfristige Planung ermögliche. Der Förderverein, der unter Führung des CDU-Landtagsabgeordneten Heiner Schönecke auf mehr als 12.500 Mitglieder angewachsen ist, bilde eine starke Basis. Wichtig seien zudem das herausragende Engagement der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, die Freude am Tun sowie die Kreativität gewesen. „Wir haben Themen gefunden, als sie noch gar keine waren“, betonte Wiese.
Wehmut verspürt der Museumsdirektor nicht: „Ich freue mich, die Bühne zu räumen und mehr Zeit für mich und meine Familie zu haben.“ Mit seinem Nachfolger Stefan Zimmermann und der kaufmännischen Geschäftsführerin Carina Meyer habe das Freilichtmuseum „eine tolle Spitze!“