Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Ich lasse mich nicht erpressen"

Die Raumkapazität ist begrenzt: Ohne Anbau kann das Tierheim Buchholz keine Fundtiere aus Winsen aufnehmen (Foto: archiv)
 
In der Sache uneins: Christian Riech, Erster Stadtrat in Winsen... (Foto: archiv)

Stadt Winsen und Tierschutzverein Buchholz: Streit um Unterbringung von Fundtieren

os. Buchholz/Winsen. Seit Anfang März hat die Stadt Winsen ein großes Problem: Sie darf Fundtiere nicht mehr bei der Veterinärin Dr. Tatjana Rusch in Stelle unterbringen. „Wir kümmern uns darum, dass die Tiere versorgt werden“, verspricht Winsens Stadtsprecher Theodor Peters auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Wo die Tiere untergebracht werden, verrät er nicht. Winsen hat nämlich ein zweites, ebenso großes Problem: Die Fundtiere werden nicht, wie von der Stadt Winsen erhofft und bereits in einer Pressemitteilung veröffentlicht, vom Tierheim in Buchholz aufgenommen. Das Tischtuch zwischen der Winsener Stadtverwaltung und Rolf Schekerka, Vorsitzender des Buchholzer Tierschutzvereins, ist anscheinend zerschnitten. „Ich lasse mich nicht erpressen und habe die Anweisung gegeben, dass sich Anrufer von Fundtieren in Winsen an die Stadt Winsen oder die Polizei wenden sollen“, sagt Schekerka. „Herr Schekerka fühlt sich offenbar nicht an Absprachen gebunden, die wir getroffen haben“, entgegnet Theodor Peters, Sprecher der Stadt Winsen.
Peters verweist auf die Chronologie der Gespräche mit dem Tierschutzverein. Am 17. Januar habe Schekerka darüber informiert, dass das Tierheim grundsätzlich bereit und in der Lage sei, die Fundtiere aus Winsen aufzunehmen. Am 5. Februar habe Michael Frühauf, Schatzmeister des Tierschutzvereins, der Stadt Winsen einen Mustervertrag mit der Gemeinde Salzhausen zugeschickt. Am 13. Februar habe die Stadt Winsen mitgeteilt, dass sie mit dem Vertrag einverstanden sei und um Übersendung eines konkreten Vertrages mit den aktuellen Kostensätzen bittet. Man habe Rolf Schekerka die grundsätzliche Bereitschaft übermittelt, sich an möglichen Anbauten im Buchholzer Tierheim finanziell zu beteiligen. Danach habe man Rolf Schekerka bis Ende Februar telefonisch nicht mehr erreichen können. Am 1. März habe man mit Tierheimleiterin Melanie Neumann die Pressemitteilung abgesprochen, in der über die Annahme der Fundtiere aus Winsen im Tierheim Buchholz berichtet wurde.
„Das ist schlichtweg nicht wahr“, erklärt Melanie Neumann. Sie habe lediglich bestätigt, dass die Fundtiere am 1. und 2. März aufgenommen werden können und mehrfach darauf hingewiesen, dass für eine langfristige Lösung eine Absprache mit dem Vereinsvorsitzenden Schekerka notwendig sei. Die Pressemitteilung sei mitnichten abgesprochen gewesen.
„Ich finde es unmöglich, dass die Stadt Winsen hier offenbar mit Lügen agiert“, kritisiert Schekerka. Er bestätigt die grundsätzliche Bereitschaft zur Hilfe. „Ich habe aber immer deutlich gemacht, dass dafür die Rahmenbedingungen stimmen müssen“, betont Schekerka. Um Tiere aus der Kreisstadt aufnehmen zu können, müsse er das Tierheim personell und räumlich aufstocken. Dafür habe er von der Stadt Winsen 10.000 Euro gefordert, Winsen habe 2.500 Euro Kostenbeteiligung angeboten. „Damit kann ich doch nicht arbeiten, ich habe schließlich die Kosten und nicht die Stadt Winsen“, so Schekerka. Die Stadt Winsen habe das Problem nicht ernstgenommen und es sei nicht seine Aufgabe, das Problem zu lösen.
Er finde es schäbig, dass dem Tierheim nun der schwarze Peter zugeschoben werden soll, erklärt Schekerka und bezieht sich auf eine E-Mail von Christian Riech, Erster Stadtrat in Winsen, die dem WOCHENBLATT vorliegt. Darin heißt es: „...möchte noch einmal eindringlich an Sie und alle Beteiligten appellieren, die Stadt Winsen nicht im Regen stehen zu lassen. Der Imageschaden für alle Beteiligten, aber insbesondere für Sie als Tierschutzverein wäre doch sehr beträchtlich (ich sehe die Schlagzeile des Wochenblattes vor mir: Tierheim Buchholz lässt Fundtiere im Stich)...“ Dazu sagt Rolf Schekerka klipp und klar: „Mit dieser ‚Erpressung‘ hat Herr Riech die Tür für eine Zusammenarbeit zugeschlagen.“

AUF EIN WORT

Fehler bei sich selbst suchen

Für mich als Außenstehenden, der bei den Gesprächen zwischen Stadt Winsen und dem Tierschutzverein Buchholz nicht dabei gewesen ist, drängt sich der Verdacht auf, dass die Stadt Winsen den Weg des geringsten Widerstands geht und den schwarzen Peter einfach nach Buchholz weitergibt, anstatt den Fehler bei sich zu suchen.
Nicht erst im Januar dürfte Christian Riech klar gewesen sein, dass er die Fundtiere aus Winsen womöglich irgendwann woanders als in Stelle unterbringen muss. Warum die späte Kontaktaufnahme nach Buchholz?
Stadtsprecher Theodor Peters erklärt, dass die Stadt bis zum Schluss auf eine gütliche Einigung zwischen dem Landkreis Harburg und Tierärztin Dr. Tatjana Rusch gehofft habe. Damit räumt er indirekt ein, dass die Stadt Winsen keinen Plan B in der Tasche hatte. Warum nicht?
Und schließlich: Das Argument, Rolf Schekerka über mehrere Tage telefonisch nicht erreicht zu haben, ist das denkbar schwächste. Wenn ich eine Sache wirklich regeln möchte, finde ich einen Weg zur Kontaktaufnahme. Vielleicht muss man dafür auch mal außerhalb der Rathaus-Öffnungszeiten zum Hörer greifen.
Die Stadt Winsen tut gut daran, im Sinne des Tierwohls jetzt schnell einen Plan B zu entwickeln. Der Weg nach Buchholz dürfte durch die bisherige (Miss-)Kommunikation verbaut sein. Oliver Sander