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Streit um Schwarzbau: Stadt schickt Stoßtrupp / Musikschule als Leidtragende?

Prosper-Christian Otto: "Die Stadt Buchholz handelt kriminell"
os. Buchholz. Einen besonderen Hilferuf erhielt die Buchholzer Polizei am vergangenen Mittwoch: Thomas Hansen, Leiter der Musikschule für die Stadt Buchholz, beantragte Polizeischutz, weil Mitarbeiter der Telekom vor seinem Büro einen Telefonmast entfernen wollten. Der Telekom-Bautrupp berief sich auf einen Auftrag aus der Stadtverwaltung.
Die Musikschule mit 42 Lehrern und rund 800 Schülern wäre ab sofort nicht mehr arbeitsfähig gewesen, wenn die Telefonleitungen und Internetverbindungen gekappt worden wären, so Hansen. Nach der Intervention des Musikschul-Leiters rückten die Telekom-Mitarbeiter wieder ab. Der Telefonmast blieb stehen.
Berufssänger Prosper-Christian Otto, in dessen Wohnhaus die Musikschule seit Jahrzehnten einen Teil ihrer Verwaltungsräume gemietet hat, sieht eine Abrissverfügung der Stadt für seine zu großen Teilen schwarz gebaute 177-qm-Immobilie als Grund der Aktion und, spricht von einem Stoßtrupp, den ihm die Stadt auf den Hals gehetzt habe.
Aus der Stadtverwaltung heißt es, man habe der Telekom den Auftrag erst für kommenden Montag (16.9.) erteilt. Dann tritt um 8 Uhr eine Abrissverfügung der Stadt Buchholz in Kraft, vorausgesetzt das Oberverwaltungsgericht (OVG) entscheidet nicht noch anders. Das OVG hatte verfügt, dass Ottos Haus bis zu seinem Urteil nicht abgerissen werden darf.
Wie berichtet, streiten Otto und die Stadt Buchholz seit Jahren vor Gericht. Der Berufssänger hatte bis zum Bundesverwaltungsgericht erfolgreich gegen einen Bebauungsplan geklagt, mit dem die Stadt fast 200 Häuser nachträglich legalisieren wollte, die über Jahrzehnte weitgehend ohne Baugenehmigung errichtet worden waren. Etliche Eigentümer, darunter auch Otto, hätten aber ihre Gebäude zum Teil zurückbauen müssen. Doch mit der erfolgreichen Klage gegen den Bebauungsplan schoss sich Otto selbst ins Knie. Die Stadt verfügte wegen fehlender Baugenehmigung den Komplett-Abriss seines Hauses.
„Die Stadt handelt kriminell“, behauptet Otto. Die Musikschule habe nichts mit dem juristischen Streit zu tun, sei aber die Leidtragende. Im April hatte Verwaltung einen Brief an die damalige Musikschul-Leiterin, Ottos Ehefrau Christiane, geschrieben und sie aufgefordert, neue Räume für die Musikschule zu suchen. Dagegen läuft noch eine Klage. Neben den Räumen in Ottos Wohnhaus hat die Musikschule noch zwei Räume im städtischen Standesamt mit zusammen 23 Quadratmetern Grundfläche gemietet. Die Stadt hält diese für ausreichend. Otto nicht.
Am vergangenen Donnerstag wollte der Vorstand des Musikschul-Vereins über das weitere Vorgehen beraten. Wenn man andere Räume anmieten müsse, führe das zwangsläufig zu höheren Gebühren für die Musikschüler. Otto: „Bürgermeister Geiger schadet der Bevölkerung und der Kulturszene massiv.“