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Der traurige Fünf-Promille-Rekord: "Das ist Selbstmord auf Raten"

Um auf fünf Promille zu kommen - und das zu überleben - muss ein Mensch im extremen Trink-Training sein (Foto: Rainer Sturm / pixelio)

(tk). "Das ist Suizid auf Raten." So nennt Sabine Auf dem Felde, Leiterin der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Stader Vereins für Sozialmedizin (VSM), den Promille-Rekord eines Mannes (42) aus Stade. Er wurde hilflos im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses gefunden und brachte es beim Pusten auf sagenhafte 5,0 Promille. Der Mann kam zur Ausnüchterung ins Krankenhaus (das WOCHENBLATT berichtete). Wie kann man überhaupt so viel trinken, ab wann besteht Lebensgefahr und wie geht die Polizei mit Betrunkenen um? Das WOCHENBLATT hat nachgefragt.

Polizeisprecher Rainer Bohmbach bringt es auf den Punkt: "Wer es auf so viel Promille bringt, muss im Training sein." Suchtexpertin Sabine Auf dem Felde ergänzt: So einen extrem hohen Wert könne nur erreichen, wer ständig Hochprozentiges trinke. Wer auf fünf Promille komme, halte ständig einen extrem hohen Pegel. Fünf Promille hat sie in zehn Jahren Beratungsarbeit noch nicht erlebt. "Dieses Verhalten ist selbstzerstörerisch", sagt sie.
Der Internist und Notfallmediziner Ralf Koppelmann zu den akuten Gefahren: Leberversagen, Sturzgefahr durch totalen Kontrollverlust und Koma drohen. Außerdem können Alkoholisierte Erbrochenes einatmen und letztendlich daran ersticken. Wer bei Koppelmann und seinen Kolleginnen und Kollegen landet, werde im Elbe Klinikum "engmaschig" betreut, so der Mediziner. Mitunter auch auf der Intensivstation.
Selbst wenn die Ärzte ihre Alkohol-Patienten auf ihre Sucht und Probleme ansprechen, zum Entgiften im Krankenhaus können sie nicht gezwungen werden. "Wie bieten Hilfe an, aber die anzunehmen ist freiwillig", sagt Koppelmann.
Die Notärzte haben oft mit Angetrunkenen zu tun. Auch dann, wenn die nicht in Lebensgefahr schweben. Polizeisprecher Rainer Bohmbach: "Wir rufen lieber einmal zu viel den Arzt." Im Polizeialltag sei es so, dass Betrunkene, wenn sie noch ansprechbar seien, nach Hause gefahren werden. Wenn unklar sei, ob Gefahr für die Gesundheit besteht, entscheidet ein Mediziner über Krankenhaus oder Ausnüchterung in der Zelle.
Übrigens: Kostenlos ist weder die Fahrt nach Hause im "Polizei-Taxi" noch der bescheidene Luxus in der Ausnüchterungszelle. Rund 50 Euro werden fällig. Wer dazu noch im Streifenwagen kotzt, muss die Reinigung extra bezahlen.
• Im Internet gibt es diverse Promille-Rechner. Beispiel: Wenn 1,75 Meter großer Mann, der 42 Jahre alt ist und rund 85 Kilo wiegt, in sechs Stunden einen Liter Schnaps (44%Vol) trinkt, kommt er auf rund 4,60 Promille. Der Stader hatte 5,0!

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