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Eier-Betrug, aber nicht hier?

Landwirt Hubertus von Hörsten ("Hof Wörme") erhält derzeit viele Anrufe von Kunden, die verunsichert sind (Foto: Axel-Holger Haase)
(bc). Erst der Pferdefleisch-Skandal, jetzt der Betrug mit falsch deklarierten Bio-Eiern. Die Lebensmittelbranche gerät immer mehr in Verruf. Laut "Spiegel" hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg rund 150 Eiererzeuger in Niedersachsen durchsucht. Sie sollen Hühner in überfüllten Ställen gehalten und die Eier trotzdem mit Bio-Siegel verkauft haben.

Erste Ermittlungen wurden bereits im Herbst 2011 eingeleitet. Jeder fünfte Betrieb im Hühnerland Nummer eins der Republik steht im Verdacht, gegen Haltungsvorschriften und das Lebensmittelgesetz verstoßen zu haben. 13,2 der ca. 36,6 Mio. Legehennen in deutschen Ställen leben in Niedersachsen. Laut "Spiegel" sollen Millionen Bio-Eier verkauft worden sein, die so nicht hätten deklariert werden dürfen.

Dem WOCHENBLATT ist jedoch kein Freiland- oder Bio-Betrieb aus dem Landkreis Harburg und Stade bekannt, bei dem die Staatsanwaltschaft ermittelt. So seien die Demeter-Betriebe "Hof Wörme" und der "Arpshof" in Dierstorf sowie der EU-Biobetrieb "Minkenhof" in Jesteburg nach Angaben von Hubertus von Hörsten ("Hof Wörme") nicht betroffen von den Ermittlungen. Der Skandal mache sich dennoch bemerkbar. "Viele Leute rufen uns an und fragen, was Sache ist", erzählt von Hörsten. Er beruhigt seine Kunden: "Wir sind allein im vergangenen Jahr sechsmal von verschiedenen Stellen kontrolliert worden. Alles war korrekt."

Jan Meyer vom "Minkenhof" in Jesteburg-Itzenbüttel dazu: "Wir erfüllen alle Voraussetzungen. Unsere Tiere haben sogar mehr Auslauf als vorgeschrieben." Dort werden 2.200 Legehennen in zwei mobilen Ställen gehalten. Den Tieren steht eine Auslauffläche von 3,5 Hektar zur Verfügung. "Wer sich davon überzeugen möchte, kann die Ställe zwischen Itzenbüttel und Osterberg jederzeit besuchen", so Meyer.

Das bietet auch der "Cassenshof" in Handeloh-Inzmühlen mit seinen 6.000 Legehennen in Freilandhaltung an. "Bei uns kann sich jeder die Legehennen-Haltung anschauen", so Juniorchefin Theresa-Marie Voß.

Auch der Freilandbetrieb von Henner Schönecke, der größte im Landkreis Harburg, werde regelmäßig kontrolliert. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltung (KAT), die Öko-Kontrollstelle und das Veterinäramt des Landkreises überprüfen regelmäßig die Stallungen, berichtet Schönecke. "Entscheidend sind die unangemeldeten Kontrollen", sagt der Landwirt aus Elstorf.

Für die Freilandhaltung sind mehrere Maßgaben relevant. So ist z.B. für jedes Tier eine Auslauffläche von vier Quadratmetern vorgeschrieben. In den Ställen dürfen lediglich neun Legehennen auf einen Quadratmeter nutzbare Fläche gerechnet werden. Und die Sitzstangenbreite muss 15 Zentimeter betragen.

Ob und wann die Staatsanwaltschaft Oldenburg Anklagen gegenüber ersten Betrieben erheben wird, ist derzeit unklar. Der neue Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) will überprüfen, ob den betrügerischen Betrieben die Zulassung entzogen werden kann.