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Windpark Daensen: Ein Kompromiss mit Vorbildcharakter

Sie haben gemeinsam den Streit um Windräder in Daensen gelöst (v.li.): Daniel Berheide, Elke Meier, Stefan Babis. Wolfgang Watzulik und Joachim Mrotzek (Foto: tk/Stadtwerke)
 
Zwei statt wie geplant fünf Windräder wurden gebaut

Streit über Windpark Daensen: Stadtwerke Buxtehude, NABU und Bürgerinitiative einigen sich

tk. Buxtehude. Wer miteinander redet, kann auch schwierige, auf den ersten Blick scheinbar unlösbare Probleme, in den Griff bekommen. Die Stadtwerke Buxtehude, die geplant hatten, in Daensen fünf Windräder zu errichten, haben sich mit dem NABU Niedersachsen und der Bürgerinitiative (BI) Daensen zusammengesetzt. Herausgekommen ist ein Kompromiss, mit dem alle Seiten gut leben können. "Das ist beispielhaft", sagte Elke Meier vom NABU. Denn über Windkraftstandorte, Artenschutz und Mindestabstände zur Wohnbebauung wird fast überall im Norden heftig gestritten.

"Wir stehen zur Energiewende und wollen in regenerative Energien investieren", betont Stadtwerkchef Stefan Babis. Dabei sollten Artschutz und die Anwohnerinteressen aber nicht ausgeblendet werden. "Wir waren am Anfang skeptisch", räumt Elke Meier über den Beginn des Dialogs ein. Der NABU hatte Widerspruch gegen das Vorhaben eingelegt. Fledermausarten, Uhu und Mäusebussard seien durch die Windräder in Gefahr.

Nach mehreren intensiven Gesprächsrunden ist ein beachtenswerter Kompromiss herausgekommen: Die Stadtwerke bauen nur zwei und nicht fünf Windräder. Die Anlagen werden zu bestimmten Zeiten und Windstärken abgeschaltet, sodass für Vögel keine Gefahr besteht. Außerdem stellen die Stadtwerke fünf Hektar Ausgleichsfläche zur Verfügung. Dort sollen Uhu und Mäusebussard auf Nahrungssuche gehen, ohne Gefahr zu laufen, mit den Windrädern zu kollidieren. "Durchaus schmerzhaft für uns", sagt Babis. Denn die Stadtwerke verzichten auf Gewinne. Wobei die beiden Anlagen trotzdem wirtschaftlich laufen werden. "Das ist ein gesundes Projekt", sagte er.

Wolfgang Watzulik, Sprecher der BI Daensen, freut es besonders, dass durch den Verzicht auf drei Windräder die Abstände zur Wohnbebauung bei fast 1.000 Metern angekommen sind. Außerdem verzichten die Stadtwerke auf mehrere hell blinkende Beleuchtungsringe.

Zudem sichern sie zu, dass bis 2022 die Blinkringe gegen ein radargestütztes System getauscht werden, dass nur bei der Annäherung von Flugzeugen anspringt. Projektplaner Joachim Mrotzek: "Das versuchen wir vor 2022 hinzubekommen."
All diese Punkte sind keine lockere Verabredung, sondern in einer schriftlichen Vereinbarung fixiert. Die garantiert auch, dass der NABU alle Überwachungsdaten zur Abschaltung erhält. "Sonst müssen wir das über die Naturschutzbehörden der Kreise erfragen, was häufig scheitert", so Elke Meier. "Wir wollen volle Transparenz", so Babis. Konkret geht es jetzt darum, mit der Buxtehuder NABU-Ortsgruppe die Ausgleichsflächen zu planen.

KOMMENTAR: Miteinander, nicht übereinander reden
So kann die Energiewende gelingen! Überall wo Windräder geplant sind, entbrennt im besten Fall eine Debatte um den Standort, im schlimmsten Fall handfester Streit. Windkraft ja, aber bitte nicht vor meiner Haustür.

Wenn dann Gerichte über Widersprüche gegen Projekte entscheiden müssen, bleibt zumindest der gesellschaftliche Konsens über den Atom-Ausstieg auf der Strecke.
Genauso wenig zielführend ist es, wenn schützenswerte Arten wie Fledermäuse, Uhu, Mäusebussard und Co. als Trumpfkarte gegen jedes geplante Windrad ins Feld geführt werden. Es geht schließlich nicht um Windkraft oder Naturschutz, sondern um Windkraft mit Natur (und Menschen)-Schutz

Das Beispiel Buxtehude zeigt: Das funktioniert. Das setzt einfach nur voraus, dass sich die unterschiedlichen Interessengruppen unvoreingenommen an einen Tisch setzen. Ich finde, das Beispiel Windpark Daensen zeigt vorbildhaft auf, wohin die (gemeinsame) Reise gehen muss. Was übrigens nicht nur für die Energiewende gilt! Es bewahrheitet sich einmal mehr der bekannte Spruch: Besser miteinander als übereinander reden.

Tom Kreib