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Ausflugsfahrt zum Windpark

Größenvergleich per Fotomontage: Die geplanten Windräder werden die doppelte Höhe der bestehenden Anlagen erreichen
jd. Ahlerstedt. Bürger aus drei Geestdörfern gehen auf Bustour: Besichtigt werden 207 Meter hohe Rotoren. Tagesfahrten mit dem Bus sind nach wie vor beliebt: Vor allem Rentner unternehmen gern solche Touren. Häufige Ziele sind die Lübecker Altstadt, die Heidelandschaft am Wilseder Berg oder auch der Fischereihafen in Bremerhaven. Da ist das Ausflugsziel, das die Reisebusse aus der Gemeinde Ahlerstedt am kommenden Samstag ansteuern, schon recht ungewöhnlich: In den Bussen werden Bewohner der Dörfer Oersdorf, Ottendorf und Kohlenhausen sitzen. Sie sind von der Gemeinde eingeladen, einen Windpark im nordrhein-westfälischen Steinfurt zu besichtigen.

Gibt es hier nicht genügend Windräder zu sehen, mag sich jetzt so mancher denken. Schließlich gibt es kaum ein Fleckchen im Landkreis Stade, wo sich keine Rotoren am Horizont drehen. Doch die Windräder, die es zu bestaunen gilt, haben es in sich: Es handelt sich um Mega-Mühlen der neuesten Generation - mit einer Leistung von drei Megawatt sowie einer Höhe von 207 Metern. Die Reisegesellschaft nimmt natürlich nicht ohne Grund die rund 500 Kilometer für den Hin- und Rückweg auf sich: Es ist geplant, Windräder dieser Größenordnung im Windpark Oersdorf-Ottendorf aufzustellen.

"Der Betreiber plant ein Repowering und will die 22 bisherigen, 100 Meter hohen Anlagen durch 14 Riesen-Windräder ersetzen", sagt Ahlerstedts Bürgermeister Uwe Arndt. Die Bürger aus den betroffenen Dörfern sollen sich nun selbst ein Bild davon machen, wie die XXL-Mühlen optisch in der Landschaft wirken. Als gemütliche Kaffeefahrt in den Windpark will Arndt die Unternehmung auf keinen Fall verstanden wissen: "Die Sache hat einen ernsten Hintergrund." Schließlich habe es um den neuen Zuschnitt des Ottendorfer Windparks ein jahrelanges Hickhack zwischen Gemeinde und Landkreis gegeben.

Nun will die Gemeinde einen neuen Bebauungsplan für das Areal erstellen, um die Standorte der einzelnen Windräder festzulegen. "Ich möchte, dass dieses Verfahren völlig transparent läuft und die Bürger rechtzeitig wissen, woran sie sind", erläutert Arndt. "Deswegen unternehmen wir die Fahrt nach Steinfurt." Der Steuerzahler zahlt übrigens keinen Cent dazu: Laut Arndt werden sämtliche Kosten vom Betreiber übernommen. Dem WOCHENBLATT ist allerdings nicht bekannt, ob den Teilnehmern auch eine kostenlose Mahlzeit serviert wird: Vielleicht als Hauptgericht Spargel und als Nachspeise Windbeutel. Das würde doch passen.