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Die Alarmglocken schrillen: Feuerwehr hat ein brennendes Problem

Derzeit ein brandheißes Thema: die Ausbildung der Feuerwehrleute
 
Der Feuerwehr brennt ein großes Problem unter den Nägeln: Eine qualifizierte Schulung ist derzeit nur eingeschränkt möglich. Kreisbrandmeister Peter Winter (kl.Foto li.) und Ortsbrandmeister Olaf Jonas üben Kritik
(jd). Landes-Feuerwehrakademie bietet immer weniger Schulungen an: Brandmeister spricht von "Ausbildungsdesaster". Was für eine Horrorvision: Nach einem schweren Unfall muss ein eingeklemmter Schwerverletzter aus dem Autowrack befreit werden. Die Feuerwehr ist schnell vor Ort. Es vergeht aber wertvolle Zeit, weil niemand der anwesenden Retter mit den erforderlichen Gerätschaften wie Spreizer oder Hydraulikkissen umgehen kann. Ein solches Szenario hat sich zwar noch nicht auf den Straßen des Landkreises zugetragen. Doch bei den Feuerwehren in der Region schrillen die Alarmglocken: Die Zahl der Schulungen an der Landes-Feuerwehrakademie in Celle ist drastisch gesenkt worden. Viele Blauröcke können wichtige Fachlehrgänge - etwa zum Thema Unfallrettung - nicht besuchen, weil geeignete Dozenten fehlen.

Deutliche Worte fand jetzt der Harsefelder Ortsbrandmeister Olaf Jonas: "Das Land Niedersachsen lässt seine Freiwilligen Feuerwehren im Regen stehen." Er spricht von einem "Ausbildungsdesaster". Die Kurse zu den Bereichen technische Hilfeleistung und Gefahrgut sowie die Fortbildungen für Atemschutz-Gerätewarte seien fast auf Null heruntergefahren worden. "So geht es nicht weiter", sagt Jonas. Schließlich sei die ordnungsgemäße Ausbildung eine Pflichtaufgabe des Landes.

Auch Kreisbrandmeister Peter Winter sieht Schwierigkeiten auf die Ortswehren zukommen, wenn sich die Schulungs-Situation nicht bald verbessert: "Wenn ältere, gut geschulte Kameraden ausscheiden und wir keine entsprechend ausgebildeten Nachrücker haben, können Engpässe entstehen." Kreisweit seien in diesem Jahr rund 400 Teilnehmer zu Kursen an der Feuerwehrakademie angemeldet worden. Doch nur 120 von ihnen hätten für das erste Halbjahr einen Kursplatz erhalten. Winter rechnet nicht damit, dass es in diesem Jahr noch viele weitere Zusagen geben wird: "Damit wird die ohnehin niedrige Quote des Vorjahres noch unterschritten. Da wurden 47 Prozent der Anmeldungen bestätigt".

Nach Winters Ansicht liegt die Schuld am Ausbildungs-Debakel aber nicht allein beim Land: "Das ist ein bundesweites Problem." Auch in anderen Bundesländern werde händeringend Fachpersonal gesucht. Als Lehrgangsleiter kämen aber nur Berufsfeuerwehrleute in Frage. Doch für diese sei der Job als Ausbilder wenig attraktiv: "Einmal ist die Bezahlung an der Feuerwehrakademie schlechter, da die Schichtzulagen fehlen." Es gebe aber einen wesentlich wichtigeren Grund, warum viele abwinken: "Bei der Berufsfeuerwehr geht man mit 60 Jahren in Rente, als Ausbilder erst mit 67", erklärt Winter: "Ist doch klar, dass sich niemand auf die Stellenausschreibungen bewirbt."

Keine Ausbilder - keine Lehrgänge: Kreisbrandmeister Winter hofft, dass das Land möglichst schnell einen Ausweg aus diesem Dilemma findet. Sollte es aus politischen Gründen nicht möglich sein, den Renteneinstieg für die Schulungsleiter herabzusetzen, müssten andere praktikable Lösungen gefunden werden. Sein Ad-hoc-Vorschlag: "Die Einstellung von Honorarkräften könnte vielleicht die Situation vorerst entschärfen." Doch auch Winter ist sich darüber im Klaren, dass langfristig etwas passieren muss: "Sonst werden die Ortswehren irgendwann ein ernsthaftes Problem bekommen."


Auch Katastrophenschutz ist betroffen

Das Ausbildungs-Dilemma betrifft nicht nur die Ortswehren: Auch beim Katastrophenschutz, den der Bund im Kreis Stade Stade unter anderem den Feuerwehren übertragen hat, zeichnen sich Probleme ab. So werden für das Fahrzeug, das bei Chemieunfällen für die Dekontamination von Personen eingesetzt wird, immer weniger erforderliche Fachkräfte zur Verfügung stehen. Denn auch hier sind die zwingend notwendigen Schulungen laut Kreisbrandmeister Peter Winter auf ein Minimum heruntergefahren worden. So können Interessenten, die sich in den Bereichen Messtechnik und Dekontamination schulen lassen möchten, spezielle Kurse nicht besuchen. Sie müssten zuvor ABC-Grundlehrgänge absolvieren. Doch die werden derzeit nicht angeboten.