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Erste Bewohner ziehen ein: Behinderten-Wohneinrichtung der Rotenburger Werke in Harsefeld ist fertiggestellt

Monty (li.) und Mike Blisse sind stolz auf sich. Die 18-jährigen Zwillinge sind von zu Hause ausgezogen und wagen den Schritt zu mehr Selbstständigkeit. Sie gehören zu den ersten Bewohnern der neuen Behinderten-Wohneinrichtung der Rotenburger Werke in Harsefeld
 
Zahlreiche Gäste kamen zur Einweihung (Foto: Rotenburger Werke)
jd. Harsefeld. Die Resonanz war überwältigend: Zahlreiche Harsefelder nutzten am vergangenen Freitag die Gelegenheit, die neue Wohnstätte für behinderte Menschen in der Ortsmitte in Augenschein zu nehmen. Der Träger der aus Wohnbereich und Tagesförderstätte bestehenden Einrichtung, die Rotenburger Werke, hatte zur Besichtigung des frisch fertiggestellten Gebäudes eingeladen. Vorausgegangen waren ein Festakt mit geladenen Gästen in der evangelischen Kirche sowie die symbolische Schlüsselübergabe an die Bewohner. Die ersten von ihnen beziehen in dieser Woche den architektonisch höchst gelungenen Neubau.

Mit der Fertigstellung des rund 3,7 Millionen Euro teuren Gebäudekomplexes, in dessen Zentrum sich der Rundbau der Tagesförderstätte befindet, endet eine fünfjährige Phase des Suchens, Beratens, Planens und schließlich des Bauens. 2011 nahmen Eltern behinderter Kinder aus Harsefeld vom Verein "WoGee" den ersten Kontakt zu den Rotenburger Werken auf, um die Möglichkeiten eines festen Betreuungsangebotes vor Ort auszuloten. Ihr Anliegen fand ein positives Echo, da die Rotenburger Werke ohnehin an einem neuen Konzept mit dezentralen Wohnangeboten arbeitete.

Politik und Verwaltung begrüßten die Pläne, so dass sich die Rotenburger Werke auf die Suche nach einem geeigneten Standort begeben konnten.
Schließlich wurden die Rotenburger Werke in zentraler Lage fündig - auf dem Gelände der ehemaligen Schule, in dem sich bislang das Jugendzentrum sowie Gruppenräume für die Pfadfinder und den Spielmannszug befanden. Das Jugendzentrum erhielt einen Neubau an anderer Stelle, für die Pfadfinder fand sich ein geeignetes Ausweichquartier und der Spielmannszug hat nun in der Tagesförderstätte einen eigenen Übungsraum bezogen.

Nach einem Ideenwettbewerb, den das Architekturbüro Cappel und Reinicke für sich entschied, begannen im Mai 2015 die Bauarbeiten. Das jetzt fertiggestellte Gebäude bietet Platz für 24 Bewohner. Die überwiegend schwerbehinderten Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren leben in Wohngruppen zusammen, die bis zu sechs Personen umfassen. Jeder hat ein eigenes Zimmer, jeweils zwei teilen sich ein Bad. Wie in einer WG wird der offene Küche- und Wohnbereich gemeinsam genutzt. Dass die behinderten Menschen mitten im Ort wohnen, hat mehr als symbolischen Charakter: Die Möglichkeit, Geschäfte oder Ärzte mit nur wenigen Schritten zu erreichen, unterstützt das Bemühen, die Eigenständigkeit derjenigen Bewohner zu fördern, die nicht so intensiv auf Unterstützung angewiesen sind.

Betreut werden die Bewohner rund um die Uhr, tagsüber sind vier Mitarbeiter tätig, darunter Heilerziehungspfleger, Erzieher und Ergotheurapeuten, nachts ist eine Nachtwache im Einsatz. Da in zwei Schichten gearbeitet wird und etliche Mitarbeiter in Teilzeit tätig sind, umfasst das Team von Einrichtungsleiter Björn Protze insgesamt 25 Personen. Unter Protzes Zuständigkeit fällt auch die 19 Plätze umfassende Tagesförderstätte, die auch für Behinderte offensteht, die nicht in der Einrichtung leben.


Schritt zu mehr Selbstständigkeit

Die meisten Bewohner stammen aus dem Landkreis Stade. Mit dem Bau der Wohneinrichtung wird Menschen mit Behinderung aus der Umgebung die Chance geboten, in der Nähe ihrer Familien zu bleiben. Sechs Bewohner kehren nun aus Rotenburg zurück, um künftig nahe ihres Heimatortes zu leben. Andere wohnten bisher ausschließlich bei den Eltern. Für diese Menschen mit Handicap bedeutet der Einzug in die Wohneinrichtung einen Schritt in einen ganz neuen Lebensabschnitt.

Zwei, die sich jetzt von zu Hause "abnabeln", sind Mike und Monty Blisse. Die 18-jährigen Zwillinge, die mit ihren Pflegeeltern vor zwei Jahren von Berlin nach Harsefeld gezogen sind, sind stolz darauf, den Weg in Richtung mehr Selbstständigkeit zu wagen. Die beiden jungen Männer, die in den Schwinge-Werkstätten arbeiten, haben ihre Zimmer bereits eingerichtet.