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Landwirte sind enttäuscht

Landwirt Lars Prigge ist finanziell in Vorleistung getreten, aber mit seinen Betriebszweigen Sauenhaltung und Ferkelaufzucht bislang von einer Förderung ausgeschlossen
bc. Wohlerst. Die jüngsten Lebensmittelskandale haben Verbraucher wachgerüttelt. Sehr vielen ist es nicht mehr egal, wie die Tiere, deren Fleisch sie essen, vorher gelebt haben. Diesen Trend haben die Land- und Fleischwirtschaft sowie der Lebensmitteleinzelhandel erkannt und das branchenübergreifende Bündnis "Initiative Tierwohl" gegründet.

Ziel ist es, die Standards in der Nutztierhaltung für Schweine und Geflügel auszubauen und die Bauern dabei finanziell zu unterstützen. Finanziert wird die Initiative durch teilnehmende Einzelhandelsketten (z.B. Edeka, Lidl, Penny, Aldi, Rewe, Kaufland, etc.), die seit dem 1. Januar für jedes verkaufte Kilo Fleisch- und Wurstware vier Cent in einen Fonds einzahlen.
Jetzt gibt es aber ein Problem: Bundesweit haben sich so viele Landwirte angemeldet, dass das Geld aus dem Fonds nicht reicht, um allen Bauern ihre Investitionen zu erstatten. Denn nur darum geht es: "Es geht nur um den Ausgleich für den Mehraufwand für das Wohl der Tiere. Wir verdienen daran nichts", sagt Ferkelerzeuger Lars Prigge (43) aus Wohlerst (Samtgemeinde Harsefeld).
Er hat sich genau wie 4.652 andere schweinehaltende Betriebe in Deutschland bei der Initiative registrieren lassen. Nur 2.142 wurden per Losverfahren zugelassen. Auch Prigge ging mit seinen Betriebszweigen Sauenhaltung und Ferkelaufzucht leer aus. Obwohl er wie viele andere Berufskollegen bereits finanziell in Vorleistung getreten ist, um die Tierwohl-Kriterien zu erfüllen. "7.500 Euro habe ich investiert", sagt der Landwirt.
Zum Hintergrund: Bei den Kriterien gibt es Unterschiede zwischen Basiskriterien, die jeder Landwirt erfüllen muss, um an der Initiative teilnehmen zu dürfen, und Wahlkriterien. Letzteres sind z.B. Spezialtränken oder Beschäftigungsmaterial für die Tiere. Wichtig: Alle Kriterien gehen deutlich über die gesetzlichen Vorschriften hinaus.
"Die Landwirte sind verärgert", sagt Kreislandwirt Johann Knabbe. Immerhin hätten sie oft schon erhebliche bauliche und organisatorische Vorleistungen in den Ställen getroffen. Dadurch habe ein großer Teil der Landwirte der Gesellschaft signalisiert, bei entsprechender Aufwandsbezahlung den Weg für mehr Tierwohl zu gehen.
"Die Anzahl der registrierten Betriebe übertrifft unsere kühnsten Erwartungen", sagt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. Die enorme Nachfrage stelle die Initiative vor die große Aufgabe, den Kreis der einzahlenden Unternehmen zu erweitern. "Wir verstehen die Enttäuschung der Landwirte", so Hinrichs.
Auch Lars Prigge hält die Aufstockung der Mittel für die einzig sinnvolle Maßnahme: statt vier Cent pro verkaufte Fleischware könnten schon sechs Cent weiterhelfen. Oder aber mehr Unternehmen stellen sich ihrer Verantwortung für die Tierhaltung. Prigge: "Bisher macht keine Fast-Food-Kette mit, auch nicht Ikea und die komplette Systemgastronomie."
Das System "Initiative Tierwohl" sei das erste, das die Verantwortung für die Tierhaltung auf alle Beteiligte bis zum Verbraucher transportiert, so Prigge. Mit jedem Fleischeinkauf trage jeder Kunde zur Weiterentwicklung der Tierhaltung bei.

www.initiative-tierwohl.de