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Bargstedt: Das Nadelöhr soll bleiben

Idyllisch, aber ziemlich marode: die Eisenbahnbrücke der EVB in Bargstedt
 
Neben der Brücke befindet sich eine Schulbus-Haltestelle. Damit die Autos dort nicht zu schnell fahren, soll auch unter die neuen Brücke nur eine Fahrspur hindurchführen
jd. Bargstedt. Der Landkreis versiebt womöglich die Chance, eine Straße zukunftsfit zu machen.
Das klingt irgendwie nach einem Schildbürgerstreich: Eine mehr als 100 Jahre alte Eisenbahnbrücke in Bargstedt soll durch einen Neubau ersetzt werden. Doch die damit verbundene Chance, die unter der Brücke hindurchführende Kreisstraße endlich den heutigen Verkehrsverhältnissen anzupassen, will der Landkreis nicht nutzen - aus Kostengründen. Nun kann es passieren, dass zwar eine neue Brücke gebaut wird, sich an der unbefriedigenden Straßensituation aber nichts ändert.

Auch die Gemeinde Bargstedt möchte den Ausbau der Kreisstraße verhindern, doch der geht es nicht ums Geld, sondern um die Verkehrssicherheit. Wenn Pkws vor der Brücke stoppen müssen, um den Gegenverkehr vorbeizulassen, ist das nach Auffassung der örtlichen Politiker eine ideale Form der Verkehrsberuhigung. Das Ausbremsen der Autos sei notwendig, da sich in unmittelbarer Nähe eine Schulbus-Haltestelle befinde, meinen die Bargstedter.

Ein Argument, das durchaus nachvollziehbar ist - ganz im Gegensatz zur Haltung des Landkreises: Der stemmt sich andernorts gegen die Einführung von Tempo 30 auf Kreisstraßen mit der Begründung, der Verkehrsfluss dürfe nicht behindert werden. So wurde vor einiger Zeit das Begehren von Eltern in Buxtehude abgeschmettert, die Höchstgeschwindigkeit auf einer direkt an einem Kindergarten und einer Grundschule vorbeiführenden Kreisstraße von 50 auf 30 km/h zu reduzieren.

Diesen Engpass kennt wohl jeder Autofahrer im Stader Südkreis: Wer von Hollenbeck nach Bargstedt unterwegs ist, muss zwangsläufig die Brücke der EVB-Bahnstrecke passieren. Das Bauwerk stammt noch aus Kaisers Zeiten und ist eher auf Pferdefuhrwerke als auf den heutigen Verkehr ausgelegt. Die Kreisstraße K77 verengt sich an dieser Stelle auf eine Fahrspur und so mancher Lkw strandete schon an der niedrigen Brücke. Die EVB plant nun, dort eine neue Brücke zu errichten.

Dafür soll es erhebliche Zuschüsse vom Land geben. Die Gelder aus Hannover fließen allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die K77 zweispurig ausgebaut wird. Das wiederum wollen Gemeinde und Kreisverwaltung verhindern. Während die Bargstedter das Nadelöhr als Maßnahme zur Verkehrsberuhigung erhalten wollen, geht es dem Landkreis ums Geld.

"Wir sind für eine kostenneutrale Lösung in Bargstedt", erklärte der für den Straßenbau zuständige Umweltamtsleiter Heiko Köhnlein auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Das ist eine klare Ansage: Die EVB kann gern eine neue Brücke errichten, doch der Landkreis will keinen Cent dafür locker machen, die darunter liegende Straße auszubauen. Diese zwängt sich derzeit zwischen den Brückenpfeilern hindurch, deren Abstand nur vier Meter beträgt. Das ist zu schmal für zwei Fahrzeuge nebeneinander.

Ein weiteres Problem besteht in der Vertikalen: Ein Schild weist eine maximale Durchfahrtshöhe von 3,50 Meter aus. Das bezieht sich allerdings nur auf die höchste Stelle in der Mitte des Brückenbogens. Tatsächlich wird es bereits ab 3,20 Meter ziemlich eng. Nicht selten rücken Feuerwehr oder Abschleppdienst an, um einen feststeckenden Lkw-Fahrer aus seiner Notlage zu befreien. Auch die EVB nervt das gewaltig: Sie muss nach jeder Kollision einen Ingenieur schicken, um die Standfestigkeit der Brücke zu prüfen.

Damit soll nach dem Willen des Bahnunternehmens spätestens im Herbst 2015 Schluss sein. Die EVB plant, innerhalb von 14 Tagen eine neue Brücke aus Fertigbetonteilen zu montieren. Das sei günstiger als das bestehende Bauwerk instandzusetzen, erklärte EVB-Ingenieur Holger Buse kürzlich auf einer Sitzung des Bargstedter Rates. Für die Baumaßnahme werden Fördermittel des Landes beantragt.

Bei einem Ausbau, der den heute gültigen Richtlinien für den Straßenbau entsprechen würde, betrage die Fahrbahnbreite sechs Meter und die Durchfahrtshöhe 4,50 Meter. Der Landkreis müsse schon sehr gut begründen, warum er die bisherige Breite von drei Metern und Höhe von 3,50 Metern für verkehrsgerecht halte, meint Buse.