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Warten auf den Daten-Turbo: Das Internet könnte auch im Landkreis Stade längst viel schneller sein

Freude über schnelleres Internet: die Bürgermeister beim Ersten Spatenstich Fotos: jd
 
Zwei "Macher" in Sachen Breitbandausbau: Klaus Scholz (li.) und Björn Muth
(jd). Ob auch Politiker gute Vorsätze für das neue Jahr fassen? Wenn ja, dann sollte der Breitbandausbau ganz oben auf der Liste stehen. Laut einer EU-Studie liegt Deutschland im Ranking der 28 Mitgliedsstaaten abgeschlagen auf Platz 24, was die Versorgung mit Glasfaserkabel anbelangt. Lediglich sieben Prozent der Haushalte - in ländlichen Regionen sogar nur 1,7 Prozent - seien an die Internet-Autobahn angeschlossen, kritisiert der Präsident des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB), Dr. Marco Trips. Der Bund hat zwar milliardenschwere Förderprojekte aufgelegt, doch die laufen viel zu langsam an. Die schleppende Verfahrensweise bekommen auch die Kommunen im Landkreis Stade zu spüren.

In der vergangenen Woche war der Landkreis-Vizechef Dr. Eckart Lantz in Berlin, um sich ein ganz besonderes "Geschenk" abzuholen: einen Förderbescheid über knapp vier Mio. Euro für den weiteren Ausbau des schnellen Internets. Das klingt zunächst toll, doch wann dieses Geld verbaut wird, damit die Bürger endlich die Turbo-Datenleitungen nutzen können, steht in den Sternen. Denn noch immer liegen sieben Mio. Euro, die der Bund dem Landkreis bereits im April 2016, bewilligt hat, auf Halde.

Dabei dürfte jedem bekannt sein:  Schnelles Internet ist sowohl für den Häuslebauer als auch für den Firmenchef eines der wichtigsten Kriterien bei der Standortwahl. Das wissen auch die Bürgermeister im Landkreis Stade. Sie haben sich zusammengetan, um bei der Akquise von Fördermitteln ganz vorn dabei zu sein - was auch geklappt hat: Der Kreis Stade erhält etliche Millionen Euro aus Berlin. Doch die zuständigen Behörden in Bund und Land sind bei den Förder-Verfahren so langsam wie die DSL-Leitungen in den Dörfern.

Die Berliner Bürokratie mit ihren strengen Vergaberichtlinien hat bislang verhindert, dass die Glasfaserkabel so schnell wie möglich in den Boden kommen. Ursprünglich sollte diese ältere Maßnahme Ende 2018 abgeschlossen sein. Schon jetzt steht fest, dass der Termin nicht zu halten ist.

Kleineres Projekt wird umgesetzt

Es gibt aber auch erfreuliche Ausnahmen: In den Samtgemeinden Harsefeld, Horneburg, Fredenbeck und Apensen erhalten knapp 100 Haushalte in Randlagen, bei denen bisher in Sachen Internet nichts lief, superschnelle Anschlüsse.

Für die Bewohner der zur Gemeinde Sauensiek gehörenden Siedlung Bockhorst wird im neuen Jahr auch ein neues Zeitalter beginnen: Die Handvoll Häuser im südlichsten Zipfel des Landkreises werden mit einen der kreisweit schnellsten Internet-Zugänge versorgt. Die EWE plant, den Bockhorstern ein Glasfaserkabel direkt ins Haus zu verlegen, sodass sie künftig mit einem Tempo von bis zu einem Gigabit pro Sekunde surfen können. Das entspricht 1.000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s).

"Das ist geradezu ein Quantensprung", erklärt Björn Muth von der EWE. Der Kommunalbetreuer des Oldenburger Telekommunikations- und Energiedienstleisters hat eine ähnlich frohe Kunde für weitere kleinere Ortsteile in den Gemeinden auf der Stader Geest. In Harsefeld zählen beispielsweise Weißenfelde, Hahnenbalken, Lusthoop und Linah dazu. Dort wird das maximale Tempo zwar "nur" bei 100 MBit/s liegen, doch auch das ist eine Bandbreite, von der viele Bürger im Landkreis nur träumen können.

Dass auch die Bereiche erschlossen werden, die sich für die EWE, Telekom und Co. wirtschaftlich meist nicht rentieren, ist nicht zuletzt dem Engagement von "MISTER DSL" zu verdanken: Klaus Scholz, IT-Experte in der Harsefelder Verwaltung, ist seit 2009 bei der Breitbandförderung am Ball und kümmert sich mittlerweile auch auf Landkreisebene um die verschiedenen Förderverfahren, die seitdem aufgelegt wurden.

Nach Harsefeld sind kürzlich die Bürgermeister derjenigen Gemeinden gekommen, in deren Ortsteilen die Glasfaserkabel verlegt werden: Sie hatten sich zum ersten Spatenstich versammelt, um die Bedeutung des Daten-Turbos gerade für die ländlichen Kommunen zu unterstreichen. "Schnelles Internet ist das entscheidende Zukunftskriterium", erklärte der Fredenbecker Rathauschef Rolf Handelsmann und erntete heftiges Kopfnicken seiner Amtskollegen. Potenzielle Neubürger , die an Bauplätzen interessiert seien, würden zuerst fragen, wie viel Bandbreite im Ort ankomme. Das gleiche gelte für Gewerbetreibende, so Handelsmann.

Einen weiteren ersten Spatenstich wird es wohl im Frühjahr 2018 geben. Dann erst - nach einer Bearbeitungszeit von zwei langen Jahren - kann die EWE mit dem Breitbandausbau am einem Förderprojekt loslegen, dessen Gelder der Bund bereits im April 2018 bewilligt hat. An der EWE lag es nicht, dass es solange dauert: Hemmschuh sind die zahlreichen Vorschriften und Vorgaben seitens der zuständigen Ämter. Kreisweit werden dann rund weitere 1.800 Haushalte mit Turbo-Internet via Glasfaser versorgt.

Aber da ist ja noch der erwähnte Bescheid, den Lantz in Berlin entgegennahm: Der Landkreis verweist in seiner Pressemitteilung auf das "komplexe Auswahlverfahren": Aufgrund der Erfahrungen in den bereits laufenden Förderverfahren sei es möglich, dass es noch zu Verzögerungen komme.

Hieße das etwa anders ausgedrückt: Am Schneckentempo des Bundes beim Breitbandausbau wird sich auch künftig nichts ändern?