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Eine besondere Art des Miteinanders

Ein beeindruckendes Bild: Wie in einer Prozession trugen die Gemeinde-Mitglieder ihre Stühle selbst in das neue Gemeindezentrum (Foto: FeG Hanstedt)
 
Pastor Bernd Meyer schaut von der Empore in den neuen Gottesdienstraum hinab
 
Tritt am Samstag in Hanstedt auf: Samuel Harfst (Foto: Samuel Harfst)

Endlich: An diesem Wochenende wird das neue Gemeindezentrum der FeG Hanstedt eingeweiht.

mum. Hanstedt. Das war ein beeindruckendes Bild! Vergangene Woche fand zum letzten Mal der Gottesdienst der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) Hanstedt im Gemeindezentrum „Im Bultmoor“ statt. Im Anschluss nahmen die Kirchen-Mitglieder ihre Stühle und trugen sie - einer Prozession gleich - zur neuen Kirche an die Harburger Straße. Die Aktion zeigt, wie sehr die Gemeinschaft bei den FeG-Mitgliedern im Vordergrund steht. Zwar waren dort noch längst nicht alle Arbeiten abgeschlossen. Doch spätestens am kommenden Sonntag, 22. Mai, wird dies so sein, denn dann findet der Eröffnungsgottesdienst statt.
Der Weg zum neuen Gemeindezentrum, das für bis zu 230 Personen Platz bietet, war nicht einfach. Anfang 2014 - als die Pläne für das neue Gemeindezentrum erstmals in den politischen Gremien diskutiert wurden - hagelte es von einzelnen Politikern massive Kritik. „Das war für uns eine schwierige Situation“, so Pastor Bernd Meyer. „Auf der einen Seite standen wir hinter dem Entwurf der Architekten. Auf der anderen Seite sehen wir uns als Teil der Gemeinde und möchten daher nichts machen, was einen Großteil der Bürger verärgert.“ Dann fasste die Kirche einen beeindruckenden Beschluss. Die Brackeler Architekten Axel Meinhard und Marcus Lechelt (Studio B2) wurden gebeten, einen neuen Entwurf zu zeichnen. Dabei wäre laut Bürgermeister Gerhard Schierhorn eine neue Planung wohl gar nicht notwendig gewesen. „Ich bin davon überzeugt, dass auch der erste Entwurf eine Mehrheit gefunden hätte.“ Doch über diese Brücke wollte die FeG nicht gehen. „Anders als in der Politik zählt bei uns in der Kirche nicht, ob ein Vorschlag die Mehrheit hat“, so Meyer. „Wir möchten möglichst alle von unseren Plänen überzeugen.“
Und das gelang mit Erfolg. Statt eines modern gestalteten Flachdachbaus entstand ein ökologisch wertiges Gebäude, das sich nicht allein durch die Nachhaltigkeit des Baustoffes Holz herleiten lässt. Die Energieversorgung wird durch eine Photovoltaikanlage unterstützt. Das Zentrum wird über die großzügigen Öffnungen der Südfassade mit gleichzeitiger üppiger Überdachung als lichtdurchflutet wahrgenommen werden. „Die Idee ist immer gewesen, der Gemeinde ein Gebäude zu konzipieren, indem die Mitglieder ihren offenen christlichen Glauben leben können“, so Meinhard. Die Innenräume seien größtmöglich flexibel gehalten und können in Teilbereichen durch Zusammenlegung mit Nachbarräumen vergrößert oder verkleinert werden.

Seit 1920 zu Hause in Hanstedt

Die Freie Evangelische Gemeinde (FeG) kann auf eine lange Tradition in Hanstedt zurückschauen. „Unsere Geschichte reicht zurück bis in die 1920er Jahre“, sagt Pastor Bernd Meyer. Damals trafen sich Menschen aus Hanstedt und Umgebung, um miteinander in der Bibel zu lesen. Aus diesen Anfängen auf einem Bauernhof zwischen Hanstedt und Dierkshausen entwickelte sich die heutige Gemeinde. Schwestern des Diakoniewerks Elim in Hamburg lebten damals auf dem Hof. Heute ist das Haus Nazareth ein Freizeitheim.
Ab 1968 nutzte die FeG ein Grundstück in Hanstedt für wöchentliche Gottesdienste. Das Gemeindezentrum „Im Bultmoor“ wuchs aus kleinen Anfängen zur heutigen Gestalt. Heute kommen jeden Sonntag zwischen 70 und 80 Teilnehmer zum Gottesdienst zusammen. Parallel treffen sich Jungen und Mädchen zum Kindergottesdienst. „Uns ist wichtig, dass Familien gemeinsam am Gottesdienst teilnehmen können“, so der Pastor. In der neuen Kirche gibt es daher einen gemütlich eingerichteten Raum von dem aus Eltern mit ganz kleinen Kindern den Gottesdienst durch eine Scheibe verfolgen können, während die Kleinen spielen. Der Ton wird über Lautsprecher übertragen.
„Begegnung und Gemeinschaft sind wichtige Stichworte unseres Gemeindelebens und das schlägt sich auch in unseren vielfältigen Veranstaltungen nieder“, sagt Meyer. Ein Team von zurzeit sechs Personen leitet die Gemeinde. Die Gemeindearbeit finanziert sich allein durch Spenden. „Das ist manchmal eine große Herausforderung, aber gleichzeitig Ausdruck des verbindlichen Miteinanders in der Gemeinde und des Vertrauens zu Gott.“ Die Gemeinde existiere, weil sie in diesem Glauben miteinander verbunden sei.
Die FeG Hanstedt gehört mit 40 anderen Gemeinden zur Stiftung „Freie evangelische Gemeinde in Norddeutschland“. Die Gemeinden in Norddeutschland sind mit weiteren etwa 400 Gemeinden zum Bund Freier evangelischer Gemeinden zusammengeschlossen. Freie evangelische Gemeinden gehören weltweit zu den evangelischen Freikirchen

Ein ganz besonderes Kreuz

Das Kreuz, das den Gottesdienstraum schmücken wird, ist noch nicht fertig. Pastor Bernd Meyer kann sich vorstellen, dass aus dem Dachgebälk des alten Kirchengebäudes ein Kreuz geschnitzt wird. „Es würde Altes und Neues verbinden“, so Meyer. Das sei jedoch noch nicht entschieden. Das „provisorische“ Kreuz ist jedoch auch etwas Besonderes: Jedes Gemeindemitglied durfte ein postkartengroßes Blatt gestalten und damit zum Ausdruck bringen, was Glaube und das neue Gemeindezentrum für ihn bedeutet.

FeG-Mitglieder tragen die Kosten

So besonders der Entscheidungsprozess zur neuen Kirche war, so speziell ist auch die Finanzierung. Laut Pastor Bernd Meyer stemmt die Kirche mit ihren gerade einmal 97 Gemeindemitgliedern die etwa 1,75 Millionen Euro allein über Spenden ihrer Mitglieder und Freunde in Hanstedt. Bereits 2005 hat die Gemeinde das Grundstück an der Harburger Straße erworben, um dort den Neubau zu errichten. Der Gemeinde gehört auch das benachbarte Gebäude (ehemals „Mein Cafe2). Es soll als Wohn- und Geschäftshaus erhalten bleiben.

Konzert am Samstag, Kirche am Sonntag

„Wir möchten die Gelegenheit nutzen und mit unseren Nachbarn ins Gespräch kommen“, sagt Pastor Bernd Meyer. Anlässlich der Einweihung des neuen Gotteshauses haben sich die Gemeindemitglieder einige Veranstaltungen einfallen lassen.
• Los geht es am Samstag, 21. Mai, um 19.30 Uhr mit einem Konzert. Samuel Harfst kommt nach Hanstedt, um sein Album „Chronik einer Liebe“ vorzustellen. Er ist in einer freikirchlich-geprägten Familie aufgewachsen und hat Theologie studiert. Seine Musikkarriere begann als Straßenmusiker. Harfst war zuletzt mit dem bei „Wetten dass?“ verunglückten Kandidaten Samuel Koch im Zuge einer Konzertlesung auf Tournee.
• Der Eintritt kostet 13 Euro; Tickets gibt es unter anderem in der Tourist-Info Hanstedt sowie an der Abendkasse.
• Für Sonntag, 22. Mai, lädt die Gemeinde zu einem „Tag der offenen Tür“ ein. Los geht es um 13.30 Uhr. Eine Stunde später beginnt ein Gottesdienst, in dessen Rahmen auch verschieden Grußworte gesprochen werden. „Im Anschluss wollen wir uns Zeit nehmen, um mit unseren Gästen ins Gespräch zu kommen“, so Meyer. Selbstverständlich soll auch die neue Kirche gezeigt werden.
• In der Woche nach der Eröffnung hat sich die Gemeinde vorgenommen, jeweils nachmittags das kleine Bistro in der Kirche zu öffnen. „Viele unserer Mitglieder backen einfach sehr gern“, so Meyer. „Andere sind einfach sehr gern Gastgeber.“ Auch das sei eine gute Gelegenheit, um ins Gespräch zu kommen.

Willkommen im „Gemeindehaus 2.0“

Grußwort von Bürgermeister Gerhard Schierhorn
Die Gemeinde Hanstedt freut sich sehr, dass die FeG nach kurzer Bauzeit nun ihr neues Gebäude in der Ortsmitte bezieht. Vergessen sind die verschiedenen Vorentwürfe aus 2009 und 2014; jetzt wartet die Version „Gemeindehaus 2.0“ mit moderner Architektur und zahlreichen Begegnungsmöglichkeiten im Gemeindesaal, im Café, in den Projekträumen oder auf dem offenen Vorplatz auf ihre Besucher und ich bin sicher, es werden viele Besucher kommen und sie werden dieses Gemeindehaus zu einem lebendigen Treffpunkt machen.
Mit der Erhaltung des benachbarten, ortsbildprägenden „Bilkau-Hauses“ ist die FeG einem Wunsch der Gemeinde gefolgt. Dafür danken wir sehr, denn gemeinsam mit dem liebevoll restaurierten Atelierhaus von Julia Heigel und dem Heidekrug trifft hier sehr schöne alte Bausubstanz auf einen interessanten Neubau. Die FeG ist damit auch baulich in der Mitte Hanstedts angekommen.
Hanstedt bekommt ein weiteres ortsbildprägendes Gebäude geschenkt. Die Besonderheit ist: Nicht das schöne, denkmalgeschützte Alte wird bestaunt, sondern das kreative Neue, die gelungene Architektur, die Einmaligkeit der Form und die sichtbare Bestimmung des Hauses als Ort der Begegnung.
Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus und ich wünschen auch im Namen von Rat und Verwaltung der FeG allzeit „Volles Haus“ und freuen sich auf gemeinsame Projekte in der Zukunft.

Gerhard Schierhorn
Bürgermeister