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Eltern sind enttäuscht: „Wir haben keinen Krippenplatz gefunden“

Im Landkreis Harburg gibt es Eltern, die keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder gefunden haben - trotz Rechtsanspruch (Foto: Michael Berger / pixelio.de)

Eltern aus dem Landkreis finden keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder / „Gemeinden helfen nicht“

(mum). „Haben Sie einen Krippenplatz für Ihr Kind?“ fragte das WOCHENBLATT in seiner Ausgabe am 31. Juli. Denn seit dem 1. August hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Anspruch auf Betreuung - in einer Krippe, beziehungsweise Tagesstätte oder bei einer Tagesmutter. Während die Gemeinden das Thema offensichtlich entspannt angehen, gab es bereits wenige Tage nach dem Bericht viele Leserbriefe von Eltern, die längst auf Zinne sind. Und auch jetzt sind nicht alle Probleme gelöst. Ein paar Beispiele:
• „Ich bin mehr als enttäuscht“, sagt Julia Seidler aus Winsen. Die Stadt Winsen betone zwar, jeder würde einen Krippenplatz bekommen. „Aber so ist es nicht. Ich habe meine Tochter im Dezember 2012 zur Welt gebracht und konnte sie daher auch erst im Januar anmelden. Wir landeten ganz hinten auf der Warteliste.“ Julia Seidler stellte sich dann persönlich im Kindergarten nahe ihres Wohnortes vor. „Dort hieß es, es gebe keine Plätze mehr“, erinnert sich die junge Mutter. Auch von der Stadt Winsen fühlt sich Julia Seidel nicht gut behandelt. „Mir wurde mitgeteilt, dass ich erst alle Kindergärten in Winsen und Umgebung abtelefonieren soll, bevor man mir helfen könne.“
• Schlechte Erfahrungen hat auch Thomas F. gemacht. Er möchte seinen Namen nicht nennen. Er fürchtet, sonst nie einen Krippenplatz in einem Kindergarten zu erhalten. „Im Mai haben wir damit begonnen, einen Platz ab Oktober zu suchen“, erinnert sich der Vater. Da er Soldat ist, habe er sich nicht früher bemühen können. „Eine Kita, die nur vier Kilometer von uns entfernt ist, hat uns nicht aufgenommen, weil wir in einem anderen Dorf wohnen. Wir sollten uns für einen Platz in Hanstedt bewerben“, so der Vater. Hanstedt ist allerdings acht Kilometer weit weg. Aber letztlich spielte dies ohnehin keine Rolle, denn das Ehepaar wurde auch dort abgelehnt. Selbst für einen Platz auf der Warteliste reichte es nicht. „Man sagte uns, dass zwar im Januar eine neue Kita eröffnen würde, aber auch dort würde es schon keine Plätze mehr geben.“ Auch beim Jugendamt sei man nicht sehr hilfsbereit gewesen. „Man gab uns ein paar Nummern von Tagesmüttern und verabschiedete uns mit den Worten: Hiermit ist die Pflicht des Jugendamtes getan.“ Unterstützung fand das Ehepaar schließlich bei der Initiative Tagesmütter/Tagesväter. Der Verein vermittelte dem Paar eine Tagesmutter. Einziger Wermutstropfen: Sie wohnt 14 Kilometer entfernt.
• „Stimmt es wirklich, dass es in Jesteburg genug Krippenplätze gibt?“, stellt ein Jesteburger Vater die Aussage von Fachbereichsleiter Holger Schölzel in Frage. „Mir wurde von der Gemeinde mitgeteilt, dass es doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze gibt“, sagt der Vater. Er wollte seinen Sohn für Januar 2014 anmelden. „Es hieß: Vor August 2014 müsse man sich keine Hoffnung machen.“
• Mandy Herrmann aus Toppenstedt sieht die Debatte ganz entspannt. Sie möchte die Diskussion in eine andere Richtung lenken. Für sie sei nicht wichtig, ob ein Kind in die Krippe oder zu einer Tagesmutter komme. „Der Erzieherschlüssel ist der Knackpunkt“, sagt sie. „In den Krippen werden 15 Kinder von zwei - höchstens drei - Erzieherinnen betreut.“ Für sie bestehe kein Zweifel daran, dass Kleinkinder optimal in kleinen Gruppen von höchstens acht Kindern mit zwei Erziehern betreut werden. „Solche Einrichtungen gibt es viele im Landkreis. Man findet sie über das Familienbüro.“
• Das WOCHENBLATT will es wissen! Wie sind Ihre Erfahrungen mit Krippen-Plätzen? Schreiben Sie eine Mail an: red-buch@kreiszeitung.net.


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