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Lehrer sagen: „Schul-Wächter sind falsch!“

Auch das ist Vandalismus: Vermutlich ein Schüler der Jesteburger Oberschule hat an einem Wartehäuschen seine Liebesbotschaft hinterlassen

Lehrer kritisieren das Denunzieren von Mitschülern - aber „100 Euro ‚Kopfgeld‘ sind in Ordnung!“

(mum). „Wächter“, die ihre Mitschüler im Auftrag der Lehrer verpetzen und ein Schulleiter, der ein „Kopfgeld“ aussetzt, um herauszufinden, wer eine Wand beschmiert hat. Seit das WOCHENBLATT erstmals über das Thema berichtet hat, diskutieren Eltern und Lehrer intensiv darüber, wie weit Pädagogen gehen dürfen, um an Informationen zu kommen.
„Ich würde mein Kind sofort von so einer Schule abmelden“, schreibt eine Mutter aus Jesteburg. „Lieber solche Methoden, als ein zweites Winnenden“, so ein Vater aus Buchholz. Im März 2009 erschoss ein 17-Jähriger in Winnenden (nahe Stuttgart) neun Mitschüler. Leider wollen Eltern anonym bleiben, wenn sie die Missstände an den Schulen ihrer Kinder kritisieren. „Sonst wird meine Tochter dort doch nicht mehr glücklich“, lautet das häufigste Argument. Jetzt haben sich erstmals zwei Schulen zu Wort gemeldet.
Christoph Reise, Pressereferent am Gymnasium Am Kattenberge (GAK), räumt ein, dass Schulleiter Armin May tatsächlich eine Prämie in Höhe von 100 Euro („aus seiner privaten Kasse, nicht aus öffentlichen Geldern“) ausgesetzt hat. Zwar war das Gymnasium in dem WOCHENBLATT-Bericht nicht gemeint. Doch offensichtlich scheint „Kopfgeld“ häufiger als Disziplinarmittel eingesetzt zu werden. Der Fall am GAK liegt bereits zwei Jahre zurück. „Unsere Schule war gerade in ihr neues, über 13 Millionen Euro teures Gebäude gezogen“, so Reise. Die Vorfreude aller auf das neue Gebäude sei groß gewesen, weil gerade auch die Schülerschaft den oft von Vandalismus betroffenen Zustand des alten Gebäudes beklagt habe. „Trotzdem gab es nach nur einer Woche wieder ersten Schmierereien.“
Laut Reise folgte kein Aufruf zur Denunziation. „Sondern die gemeinschaftliche Suche nach dem Verantwortlichen.“ Um den Verdacht von Denunziation zu vermeiden, habe May ganz bewusst entschieden, dass Hinweise auf keinen Fall direkt an ihn oder andere Lehrer gegeben werden sollten, sondern allein an die Schülervertretung. Die Schülervertretung habe damals die Freiheit gehabt, zu entscheiden, welche Informationen sie an die Schulleitung weitergibt. Auch über die Verwendung der 100 Euro hätte die Schülervertretung entschieden.
„Die Berufung von Wächtern, die Mitschüler denunzieren sollen, halten wir für falsch“, so Reise. Das könne niemals Teil des pädagogischen Leitbildes sein.
„Gerade durch die neuen Medien ist die Kommunikation zwischen den Schülern viel komplexer, vor allem undurchschaubarer geworden.“ An Stelle der Schulhof-Prügelei von früher würden immer öfter Mobbing-Aktionen, sehr häufig im Cyberspace (Facebook und Whatsapp) treten. Sie seien für das Opfer brandgefährlich. „Vor allem aber bekommen die Lehrkräfte davon nichts mehr mit“, sagt Reise. „Sie können davon nur erfahren, wenn sie von Mitschülern darauf aufmerksam gemacht werden.“ Die Lehrer seien dann davon abhängig, Hinweise aus der Schülerschaft zu bekommen.
Carsten Spahl, Vorsitzender des Elternrates der Estetalschule (Hollenstedt), sagt: „An der Estetalschule gibt es viele Sachbeschädigungen und die Kosten sind erheblich“ Bei Sachbeschädigung sollte der Verursacher oder der Erziehungsberechtigte für die Kosten aufkommen und nicht die Allgemeinheit. Ihm gehe es darum, dass Lehrer den Unterschied zwischen „petzen“ und „einem ernsten Vorfall melden“ vermitteln. „Das ist Zivilcourage“, so Spahl
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