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„Jesteburg hat den Klüngel abgewählt“

Party-Stimmung vor dem „Mojos“ in Jesteburg: Die UWG Jes! ist der Sieger der Kommunalwahl. Aus dem Stand holt die Wählergemeinschaft 22,4 Prozent
 
Gedrückte Stimmung im Restaurant „Hof + Gut“ in Itzenbüttel: Die CDU um Frontfrau Britta Witte (re.) verliert 11,5 Prozent
 
Bereiteten im Rathaus die Daten auf: Stefanie Kempert und Verwaltungschef Hans-Heinrich Höper

Das ist die Sensation bei der Kommunalwahl im Landkreis Harburg! Die neue Wählergemeinschaft UWG Jes! schafft in Jesteburg aus dem Stand den Sprung in den Gemeinderat - mit 22,4 Prozent und fünf Sitzen. Leidtragende sind CDU und SPD, die jeweils dramatisch an Stimmen verlieren. Die CDU büßt 11,5 Prozent ein und verliert drei Sitze (nur noch fünf). Die SPD verliert zehn Prozent und kommt auf sieben Sitze (zuvor acht Sitze). Außer den Grünen (drei, statt vier Sitzen) ist die FDP mit einem Sitz vertreten. In Prozent heißt das: CDU 25 Prozent (- 11,5 Prozent), SPD 31,2 (- 10 Prozent), Grüne 13,9 (- 4 Prozent), FDP 5,8 Prozent (+ 2,7 Prozent), Erich Wiedemann 1,8 Prozent und UWG Jes! 22,4 Prozent.

mum. Jesteburg. „Jesteburg hat den Klüngel abgewählt“, freut sich UWG Jes!-Chef Hansjörg Siede. Das Wahlergebnis sei ein politisches Erdbeben für die etablierten Parteien und verdeutliche die Unzufriedenheit der Jesteburger mit der Politik der alten Ratsmitglieder. „Die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung beweist, dass den Bürgern Jesteburg sehr am Herzen liegt. Über 22 Prozent aus dem Stand für uns sprechen eine deutliche Sprache und wir werden uns dieser Herausforderung stellen.“ Siede weiter: „Die Wähler fordern einen klaren Kurswechsel und mehr Transparenz in der Politik. Dafür sind wir angetreten und werden, gemeinsam mit den neuen Köpfen aus allen Parteien, ergebnisorientiert zusammenarbeiten.“
Siede geht - wie sollte es auch anders sein - gleich in die Offensive: „Ob die jetzigen Ratsmitglieder die Botschaft der Wähler verstanden haben, werden wir bereits in den kommenden Wochen erleben. Es sollen diesen Monat noch wegweisende Grundsatzentscheidungen getroffen werden, die erhebliche Bedeutungen für Jesteburg haben werden - Stichworte sind Gesundheitszentrum und sozialer Wohnungsbau. Wenn die Ratsmitglieder kluge Köpfe sind, werden sie diese Entscheidungen an den neuen Rat deligieren.“

Das sagen die Parteien zur Wahl in Jesteburg:

• „Wir können natürlich überhaupt nicht zufrieden sein mit dem Ergebnis in der Gemeinde Jesteburg“, so CDU-Fraktionsvorsitzende Britta Witte. „Wie wir nun in den nächsten Jahren weiterarbeiten werden und welche Konsequenzen dieses Ergebnis für die CDU, aber auch für mich, nach sich zieht, das werden wir in den nächsten Tagen in Ruhe besprechen müssen.“ In Richtung UWG Jes! sagt Witte: „Ich kann nur hoffen, dass hinter der Haltung ‚ich bin dagegen und alles muss neu‘ auch die Bereitschaft zum konstruktiven und ergebnisorientierten Arbeiten steht.“
• Die SPD blendet den Verlust von zehn Prozent offensichtlich einfach aus. „Wir bleiben die stärkste Kraft in der Gemeinde Jesteburg und konnten den Abstand zur CDU sogar noch einmal vergrößern“, so Ortsvereinsvorsitzender Steffen Burmeister. Außerdem stelle man mit Udo Heitmann den beliebtesten Politiker in Jesteburg.
• Birgit Heilmann (Fraktionsvorsitzende Die Grünen): „Wir freuen uns über die fast 14 Prozent. Damit liegen wir landesweit bei den Grünen vorn, die im Schnitt bei 10,9 Prozent stehen. Obwohl wir einen Sitz verloren haben, werden wir uns mit gleicher Kraft für unsere Ziele einsetzen und auf einem konstruktiv Dialog in unserem bunter gewordenen Rat bestehen. Besonders freut uns, dass die Wahlbeteiligung gestiegen ist, was ein Effekt der neuen Wählergemeinschaft ist.“
• Philipp-Alexander Wagner (FDP): „Wir freuen uns, dass wir - trotz des sehr guten Ergebnisses der UWG Jes! - zulegen konnten und die FDP wieder in den Räten vertreten ist. Wir danken unseren Wählern für das Vertrauen und den Wahlhelfern für ihren Einsatz.“
• Einzelkandidat Erich Wiedemann: „Ich glaube, ich habe viele Wähler davon überzeugt, dass Schwarz-Rot-Grün in Jesteburg versagt hat. Leider habe ich sie nicht davon überzeugt, dass ich es besser kann. Vielleicht auch, weil ich etwas zu viel Dampf gemacht habe.“

Die Wahl in Bendestorf:

Auch in Bendestorf gibt es eine Veränderung: Nach fünfjähriger Unterbrechung hat die Bendestorfer Wählergemeinschaft wieder die absolute Mehrheit errungen (49,3 Prozent, +7,7 Prozent). Von den 13 Ratsmitgliedern entfallen auf die BWG sieben (zwei mehr als 2011). „Wir werden, trotz der Mehrheit, mit allen anderen Gruppen zum Wohle Bendestorfs konstruktiv zusammenarbeiten“, so Bürgermeister Hans-Peter Brink.

Die Wahl in Harmstorf:

In Harmstorf ist erstmals die SPD wieder vertreten. Karlheinz Hansen holte 6,9 Prozent. Die Freie Wählergemeinschaft Harmstorf kommt auf 73,0 Prozent (- 2,1 Prozent) und die CDU auf 20,0 Prozent (- 4,9 Prozent).

So setzen sich die neuen Räte zusammen (Angaben unter Vorbehalt):


• Samtgemeinde: Hans-Heinrich Aldag, Britta Witte, Kerstin Witte, Heidemarie Nemitz, Volker Bahlburg, Claus Schrader, Stefan Palaschinski und Nathalie Bögel (alle CDU, 8 Sitze), Udo Heitmann, Cornelia Ziegert, Steffen Burmeister, Angelika Schiro, Heike Lund und Helmut Lüllau (alle SPD, 6 Sitze), Birgit Heilmann, Karl-Heinz Glaeser und Tanja Herr (alle Die Grünen, 3 Sitze), Philipp-Alexander Wagner und Manfred Schieler (beide FDP, 2 Sitze), Hans-Peter Brink, Peter Krämer und Egon Schröder (alle Bendestorfer Wählergemeinschaft, 3 Sitze), Andreas Maack (Freie Wählergemeinschaft Harmstorf), Jan Paul Sommer (Bendestorfer Unabhängige Gruppe), Hansjörg Siede, Joachim Paulun, Gabriele Paprotzki und Andrea Behnken (UWG Jes!, 4 Sitze).
• Bendestorf: Heide Nemitz und Frank Spinder (beide CDU, 2 Sitze), Helmut Lüllau (SPD), Gunnar Herr (Grüne), Hans-Peter Brink, Kerstin Kohlmus, Bernd Beierstorf, Burkhard Schonlau, Heiner Braband, Gerd Koß und Egon Schröder (alle BWG, 7 Sitze), Jan Paul Sommer und Stephan Tödter (beide BUG, 2 Sitze).

• Harmstorf: Jan Eike Blohme-Hardegen und Claus Schrader (beide CDU, 2 Sitze), Karlheinz Hansen (SPD), Andreas Maack, Jan-Hinnerk Meinen, Joachim Kaninck, Elke Diedrichsen, Helmut Schädlich und Rainer Löding (alle FWH, 6 Sitze).

• Jesteburg: Britta Witte, Kerstin Witte, Henning Buß, Bernd Jost und Julia Neuhaus (alle CDU, 5 Sitze), Udo Heitmann, Cornelia Ziegert, Steffen Burmeister, Angelika Schiro, Hans-Jürgen Börner, Helmut Pietsch und Sigrid Hoyer (alle SPD, 7 Sitze), Birgit Heilmann, Karl-Heinz Glaeser und Marcus Dorn (alle Grüne, 3 Sitze), Philipp-Alexander Wagner (FDP), Hansjörg Siede, Joachim Paulun, Gabriele Paprotzki, Andrea Behnken und Tim Pansegrau (alle UWG Jes!, 5 Sitze).

• Alle Wahlergebnisse finden Interessenten im Internet unter www.jesteburg.de.

Wähler strafen Hans-Jürgen Börner ab

Im Duell der in die Jahre gekommenen Medien-Profis hat der Einzelkandidat Erich Wiedemann SPD-Mann Hans-Jürgen Börner geschlagen. Ex-Spiegel-Redakteur Wiedemann holte immerhin 209 Stimmen. Für einen Sitz im Gemeinderat reichte es dennoch nicht. Vor fünf Jahren hatten 310 Stimmen gereicht. Ex-NDR-Mann Börner kam nur auf 53 Stimmen (vor fünf Jahren waren es immerhin noch 193 Stimmen). Im Fahrwasser der SPD schafft es Börner dennoch in den Gemeinderat. Jedoch hat er seinen Sitz im Samtgemeinderat verloren.
Börners schlechtes Abschneiden dürfte auch innerhalb der SPD für Gesprächsstoff sorgen. Nach Udo Heitmann (1.755 Stimmen) holte erneut Cornelia Ziegert die meisten Stimmen (288). Auf Platz drei folgt Ortsvereinsvorsitzender Steffen Burmeister (222). Fraktionschef Helmut Pietsch kommt sogar nur auf 32 Stimmen. Wie berichtet, hatten Börner, Heitmann, Pietsch und Burmeister im Januar 2015 Fraktionschefin Ziegert entmachtet. Wird die SPD in Jesteburg nun weiterhin von Genossen geführt werden, die die Wähler offensichtlich nicht haben wollen?

Kommentar

Jetzt beginnt die Ratsarbeit
Hansjörg Siede hat es geschafft! Mit 22,4 Prozent gelingt seiner Wählergemeinschaft Historisches in Jesteburg. Nie zuvor schaffte es eine Partei aus dem Stand, fünf Sitze im Gemeinderat zu erobern. Doch nach der großen Party, die sich die Mitglieder verdient haben, gilt es, schnell im politischen Tagesgeschäft anzukommen. Siede und sein Team müssen jetzt beweisen, dass sie nicht nur kritisieren, sondern auch konstruktiv mit den anderen Parteien an Themen arbeiten können. Eine Möglichkeit bietet sich schon sehr bald. Zwar hat die SPD mit Udo Heitmann die meisten Stimmen bekommen. Doch wird er auch wieder Bürgermeister? CDU, UWG und FDP könnten einen neuen Weg einschlagen und einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Die Jesteburger haben am Sonntag zumindest eines ganz deutlich gemacht: Sie wollen den bisherigen politischen Weg nicht fortsetzen.
Sascha Mummenhoff