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Famila: "Eine eklatante Fehlplanung"

Im Zuge der Diskussionen um eine mögliche Famila-Ansiedlung tauchte auch das Gerücht auf, der Wochenmarkt würde vom Marktplatz verschwinden müssen. Bürgermeister Rosenzweig dementiert: "An dem Standort wird nicht gerüttelt" (Foto: oh)
bc. Neu Wulmstorf. Die geplante Ansiedlung eines Famila-Marktes auf dem Möbel Meyn-Gelände in Neu Wulmstorf schlägt hohe Wellen. Am Mittwoch trafen sich Vertreter von 29 Neu Wulmstorfer Unternehmen im "Dorfkrug". Sie vertreten eine eindeutige Meinung: Ein Famila-Warenhaus außerhalb des Ortszentrums sei eine "eklatante Fehlplanung".

Gerhard Peters (CDU), früherer Bürgermeister und Inhaber einer Versicherungsagentur an der Bahnhofstraße, koordiniert die Initiative zum Erhalt des "mühsam aufgebauten" (O-Ton Peters) Ortszentrums. "Es stimmt, dass es nicht Aufgabe der Politik ist, den einzelnen Gewerbebetrieb zu schützen. Es kann aber auch nicht richtig sein, einen ruinösen Wettbewerb zu schaffen", sagt Peters. Eine rückläufige Entwicklung des Neu Wulmstorfer Zentrums an der Bahnhofstraße à la Süderelbe Einkaufszentrum in Neugraben oder der Lüneburger Straße in Harburg sei eine schlimme Vorstellung, so Peters.

Wie berichtet, hat der Gemeinderat jüngst beschlossen, das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans auf dem Meyn-Areal einzuleiten. Nur, wenn dort der B-Plan angepasst wird, könnte Famila an der B 73 einen neuen Vollsortimenter bauen. Geschieht das, befürchten viele Geschäftsleute starke Umsatzeinbußen. Den kleineren Einzelhändlern, die ohnehin nicht zu den Großverdienern zählen, würde die Laufkundschaft wegbleiben. Eine große Zahl von Bürgern würde ihre Wochenendeinkäufe auf einen Schlag bei Famila tätigen, weil sie dort alles auf einem Fleck finden.

Märkte, wie zum Beispiel der Edeka in Elstorf, wären davon besonders betroffen. "Wenn unsere Umsätze wie gemutmaßt um 20 bis 30 Prozent einbrechen, steht zu befürchten, dass es bald keinen Edeka-Markt mehr in Elstorf geben wird", sagt Inhaber Carsten Bretag. Dann hätten die nichtmotorisierten Bürger in Elstorf, Schwiederstorf und Umgebung einen Grundversorger weniger.

"Ist das gewollt?", fragt Gerhard Peters. Zumal Famila fast nichts anbiete, was es in Neu Wulmstorf nicht schon gebe: Lebensmittel, Drogerie-Artikel, Schreibwaren, Bekleidung, etc. "Damit schließt sich eine größere Kaufkraftbindung durch Famila aus", sagt Peters.

Der ehemalige Gewerbevereinsvorsitzende rechnet so: Ein Famila-Markt benötige laut Brancheninsidern für eine Verkaufsfläche von 3.500 Quadratmetern - wie in Neu Wulmstorf geplant - einen Jahresumsatz von 18 bis 20 Mio. Euro. 50 bis 70 Prozent entfielen davon auf Lebensmittel. Der Gesamtlebensmittelumsatz in Neu Wulmstorf betrage aber nur 40 Mio. Euro. Peters: "Damit wären die Auswirkungen für die Neu Wulmstorfer Lebensmittelhändler klar."

Zumal auch ein Verbrauchermarkt mit einer Verkaufsfläche von 2.000 Quadratmetern auf dem Gebiet der früheren "Röttiger Kaserne" im benachbarten Hamburg-Fischbek entstehen werde. "Die Argumentation der Politik, dass Famila dort hingeht, wenn sie nicht nach Neu Wulmstorf dürfen, ist schlichtweg falsch", sagt Peters. Famila werde keinen Markt unter 3.500 Quadratmetern eröffnen.

Nicht zu vergessen seien die Auswirkungen auf den Wochenmarkt, der ebenfalls Nachteile haben werde. Schon jetzt sei den Marktbeschickern durch die Schließungen des Extra- und des Penny-Marktes Laufkundschaft verlorengegangen. Das Gerücht, dass der Wochenmarkt gänzlich vom Marktplatz verschwinden soll, dementiert die Gemeinde jedoch. "An dem Standort wird nicht gerüttelt", stellt Bürgermeister Wolf Rosenzweig (SPD) klar.

Gerhard Peters plant, mit allen politischen Fraktionen Kontakt aufzunehmen. Nicht nur mit den Famila-Skeptikern CDU und Grüne, sondern auch mit den Befürwortern.
Bekanntlich haben SPD, FDP und UWG die Einleitung des B-Plan-Änderungs-Verfahrens abgesegnet. SPD-Fraktionschef Tobias Handtke sagt: "Wir wünschen uns, dass das Projekt gelingt." Immer in Abhängigkeit davon, ob sich das Vorhaben anhand unabhängiger Gutachten verträglich gestaltet. Handtke: "Wir spüren eine breite Zustimmung für Famila in der Bevölkerung." Allein das berechtigte Interesse konkurrierender Gewerbebetriebe könne kein ausschlaggebendes Argument für die Politik sein, die Planung nicht anzuschieben.