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Wenn Kinder in Not geraten

Stefan Meybohm versteht Taekwondo als pädagogischen Kinderkampfsport
bc. Himmelpforten. Spitze Kampfschreie hallen durch die Taekwondo Schule in Himmelpforten. Immer wieder brüllen die kleinen Steppkes: "Kiap! Kiap! Kiap!" Lautstärke gehört bei Trainer Stefan Meybohm dazu. Nicht ohne Grund!

Die koreanische Kampfsportart ist weit mehr als körperliche Ertüchtigung, sie fördert Konzentration, Geduld und Selbstdisziplin, hat aber auch einen pädagogischen Aspekt. Um genau diesen geht es dem 40-Jährigen aus Himmelpforten. Er und die anderen Trainer der Taekwondo-Schule planen einen neuen Workshop: Selbstbehauptung in der Not. Teilnehmen können Kinder im Alter von vier bis elf Jahren.

"Den ,schwarzen Mann' gibt es nicht mehr. Von jeder fremden Person kann theoretisch eine Gefahr ausgehen", erklärt Stefan Meybohm, 2009 Deutscher Meister in der traditionellen Form des Taekwondo (kein Vollkontakt). Er will den Kindern ein stärkeres Sicherheitsbewusstsein auf der Straße und auf dem Schulhof vermitteln. "Sie sollen lernen, dass sie sich anderen Erwachsenen offenbaren und dort Hilfe erwarten können", schildert der Coach. Konfliktlösung heißt das Stichwort.

Die Trainingsansätze sind dabei ganz unterschiedlich: Einsatz der Stimme und des selbstbewussten, nicht provozierenden Körperausdrucks, das Vermitteln von Werten, aber auch Rollenspiele gehören dazu.

In den Workshops will Stefan Meybohm möglichst reale Bedingungen schaffen. Fremde werden die Kinder auf offener Straße ansprechen. "Es geht um das sinnvolle Reagieren", sagt der Trainer. Die Eltern werden miteinbezogen.

Stefan Meybohm plant, auch die Gemeinde Himmelpforten, Ladengeschäfte im Ort und der Umgebung sowie die Polizei mit ins Boot zu holen. "Die Kinder bekommen Lösungen an die Hand, wie sie in kritischen Situationen z.B. bei Geschäftsleuten Hilfe holen können."

Anfang des kommenden Jahres soll das Projekt starten. Bürgermeister Bernd Reimers soll nach Möglichkeit die Schirmherrschaft übernehmen.

Vorbild für die Initiative könnte das Projekt "Kinderinsel" sein, das bereits in einigen Gemeinden in der Region erfolgreich läuft. Dabei finden Kinder bei öffentlich gut zugänglichen Partnern wie z.B. Banken, Frisören, Apotheken oder auch Tankstellen Anlaufpunkte, wenn sie schnell Hilfe auf ihrem Schulweg und in der Freizeit benötigen oder sich bedroht fühlen. Als Erkennungszeichen der Kinderinseln dient ein Aufkleber. Alle Ansprechpartner sind mit entsprechenden Telefonnummern ausgestattet.

Ähnliches schwebt auch Stefan Meybohm vor. Die nächsten Wochen wollen er und seine Mitstreiter möglichst viele Partner gewinnen.