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Kindesmissbrauch in Drochtersen: Täter gab sich als "Gott" aus

Das Stader Landgericht

Angeklagter (39) fiel im Gefängnis als jähzornig auf

tp. Stade. Was ist das für ein Mensch, der einerseits drastische Sanktionen gegen Sexualstraftäter fordert, andererseits selbst wegen Vergewaltigung im Gefängnis saß und sich nun wegen sexuellen Missbrauchs an einem kleinen Mädchen verantworten muss? Bei der Prozessfortführung am Mittwoch am Landgericht in Stade gegen einen Angeklagten (39), der sich im Sommer an einer Fünfjährige in Drochtersen vergangen haben soll, wurde eine Polizistin als Zeugin vernommen, die kurz nach der Tat mit dem Kind sprach. Nach dessen Berichten soll sich der Angeklagte als "Gott" ausgegeben haben.

Wie berichtet, streitet der verheiratete Familienvater, auf dessen Handy die Polizei Kinderpornofotos sicherstellte, obwohl ihm nach eigenem Bekunden "Kinder heilig" sind, die Vorwürfe ab. Er könne sich nicht erinnern, da er betrunken gewesen sei, gab der Handwerker beim Prozessauftakt zu Protokoll. Dass Alkohol im Spiel war, scheinen die Schilderungen des Opfers zu bestätigen: Der Mann, der eine Bauarbeiterhose trug, habe sonderbar gerochen, berichtete die Polizistin aus der Vernehmung des Mädchens, das angab: Der Täter habe sich ihr und ihrem Bruder auf dem Spielplatz als "Gott" vorgestellt. Er halte eine "Überraschung" bereit - woraufhin die Fünfjährige ihm auf das Sportgelände gefolgt sei, wo er sich an dem Kind vergangen haben soll. Das Mädchen trug unter anderem Schlag- und Bissverletzungen davon und leidet unter seelischen Spätfolgen des Übergriffes.

Als weitere Zeugin war die damalige Vollzugsabteilungsleiterin der früheren Justizvollzugsanstalt Nesselstraße in Hamburg geladen, wo der Angeklagte zwischen den Jahren 2000 und 2003 eine Haftstrafe wegen Körperverletzung in Tateinheit mit Vergewaltigung an einer Frau verbüßte. Die Beamtin erinnerte sich jedoch nur mit Unterstützung der Haftakten, denen zufolge der damalige Insasse als impulsiv und jähzornig auffiel, Mitarbeiter beleidigte, wiederholt in lautstarke verbale Auseinandersetzungen mit seinen Mithäftlingen geriet, bei denen er u.a. radikal die "Kastration" für Sexualstraftäter propagierte. Eine vorübergehende Verlegung in eine sozialtherapeutische Abteilung des Gefängnisses wurde abgebrochen. Der Mann soll sich geweigert haben, sich in Gesprächen mit seinen Straftaten auseinanderzusetzen. Es soll auch ruhige Tage gegeben haben, an denen er schweigend in einer Ecke saß oder entspannt mit seinen Mithäftlingen Schach spielte.

Der den Prozess begleitende Sachverständige Psychiater Dr. Harald Schmidt machte sich zahlreiche Notizen. Der Gutachter kommt zu einem späteren Zeitpunkt zu Wort.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit erklärte sich der Angeklagte über seinen Hamburger Rechtsanwalt zu den jüngsten Tatvorwürfen.

• Nächster Verhandlungstag ist Montag, der 22. Februar.