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Frühling im Dezember: Die Natur ist verwirrt

Blütenzauber im Winter (Foto: tp)

Apfelernte dauerte zwei Wochen länger / Vogelbalztanz und Haselblüte

tp. Stade. 15 Grad im Dezember! So warm wie in diesem Advent war es in Norddeutschland noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung vor mehr als 100 Jahren. Im Landkreis Stade tirilieren Singvögel zur Balz, der Haselstrauch und Rosen blühen, Gänseblümchen und Schneeglöckchen sprießen. Wetterexperten sind sich einig, dass der Dezember 2015 eher einem April gleicht.

Die warme und nasse Witterung hält laut Dr. Matthias Görgens, Chef der Obstbauversuchsanstalt Jork, bereits seit November an. Die Temperaturen an der Niederelbe liegen "mindestens zwei bis drei Grad" über dem Durchschnitt. Die Apfelernte im Alten Land dauerte bis Ende November - zwei Wochen länger als üblich. Die Wärme sei jedoch keine Bedrohung für die Obstplantagen in der Region.

Seit Jahren beobachtet Rainer von Brook, Vize-Chef des Naturschutzbundes NABU Stade, in milden Wintern Balzverhalten bei Amseln, Meisen und Rotkehlchen. Und: Während Vogelarten wie der Kiebitz früher in der kalten Jahreszeit in südlichere Länder zogen, überwintern sie nun häufig in Norddeutschland. Sofern es im Winter 2015/2016 nicht schneit und friert, bleiben wohl auch die Wildgänse in Kehdingen, wo sie auf den offenen Flächen genügend Futter finden.

Vogelkenner Gert Dahms aus Hammah berichtet: ""Bei mir im Garten ist ein Zilpzalp auf Insektenjagd. Eigentlich gehört er zu dieser Jahreszeit nach in Nordafrika. Er heißt auch Weidenlaubsänger, aber seinen Gesang 'zilp-zalp-zilp-zalp', der ihm seinen Namen gab, hört man jetzt nicht."

Den Ackerbauern gerät der laue Dezember übrigens zum Vorteil: Laut dem Stader Kreislandwirt Johann Knabbe fördert die Wärme die Verdunstung von Staunässe, die sich im regenreichen September auf den Feldern gesammelt hat.

Während Allergiker in Süddeutschland bereits über Pollen in der frühlingshaften Dezemberluft klagen und der Deutsche Wetterdienst wegen der Haselblüte schon vor Pollen warnt, erteilt die Stader Apothekerin Bärbel Dobberkau vorerst Entwarnung. Noch bestehe kaum Nachfrage nach Anti-Allergika. Wegen der milden Temperaturen ist auch der Absatz von Erkältungsmitteln verhaltener als in anderen Jahren. Das wird wohl auch über Weihnachten so bleiben.