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Glücklich mit Knochen, Bernstein und bloßen Füßen

In der einen Hand hält er den Schädel eines Heidelberger Urmenschen (li.) in der anderen den eines neuzeitlichen Menschen: Alexander Benn fühlt sich in allen Epochen der Erdgeschichte zu Hause
 
Auf nackten Sohlen über Stock und Stein: Alexander Benn ist der "Barfuß-Wikinger"

Lebenstraum erfüllt: Alexander Benn (33) ist der "Barbar" auf nackten Sohlen

tp. Stade. "Kinder halten mich für einen Piraten oder Wikinger, manche Erwachsene nennen mich einen Penner": Alexander Benn (33) nimmt es mit Humor und Gelassenheit. Der Individualist, der ganzjährig barfuß läuft und durch sein uriges Outfit mit Leinenanzug im frühmittelalterlichen Kleidungsstil, Pferdeschwanz, langem Messer und Schmuck aus Knochen und Leder auffällt, sagt mit glückerfüllter Stimme: "Ich lebe meinen Kindheitsraum."

"Ich wollte schon als kleiner Junge Dino-Forscher werden", sagt Alexander Benn, der aus Mecklenburg-Vorpommern stammt und seit einigen Jahren im Dörfchen Schwinge bei Fredenbeck wohnt. Das klappte: An der Uni in Hamburg schloss er ein Studium der Geowissenschaften mit dem Bachelor-Grad ab. Längst ist er im Fachkreisen ein gefragter Experte zum Thema Erdgeschichte. Im Museum Schwedenspeicher in Stade und im Natureum in Balje ist der Allrounder als freiberuflicher Museumspädagoge beschäftigt. Er bringt Kindern das Feuermachen nach Steinzeit-Art bei, schleift mit Besuchern Bernstein, den er am Elbstrand und an der Ostsee sammelt, leitet Führungen zu urzeitlichen Meeressäugern oder erklärt Gästen die bewegte Stader Stadthistorie bis zur Hansezeit.

Die Wohnung des sympathischen Exoten ist voll von Fossilien. "4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte auf 60 Quadratmetern", fasst Alexander Benn stolz seine Sammlung aus Skelett-Teilen von Menschen, Nil-Krokodilen, Flugsauriern oder in Bernstein eingeschlossenen Insekten zusammen. Er möchte zu Hause ein eigenes kleines Museum eröffnen. Seine Lebensgefährtin (24) unterstützt ihn und stört sich nicht an der Riesensammlung. Benn: "Meine Freundin ist Informatikern und braucht selbst nur Platz für ihren Laptop."

Da der vielseitige Urzeit-Freak seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat, sind Arbeit und Freizeit für ihn kaum noch trennbar. Die Wochenenden verbringt der geschiedene Vater gerne mit seinem dreijährigen Sohn, besucht mit ihm in Steinbrüche und Museen.
Außerdem liebt Alexander Benn, den Freunde liebevoll den "Barfuß-Barbar" nennen, Horrorfilme und extremen Black Metal. Auf Musikfestivals betreibt er einen Verkaufsstand für den traditionellen Honigwein Met.

Seinen ausgefallenen, auf persönliche Entfaltung ausgerichteten Lebensstil hat Alexander Benn schon teuer bezahlt: Liebesbeziehungen gingen in die Brüche, eine Zeit lang litt er finanzielle Not und sogar Hunger. Damals geriet ihm sein Wissen über die Esskultur früherer Generationen zum Vorteil. Der Kenner alter Naturrezepte ernährte sich kostenlos von Feldern und Wäldern. Er zapfte Birkensaft von Bäumen, sammelte Pilze und Nüsse, bereitete sich Speisen aus Holunderbeeren, Distel- und Klettenwurzeln zu und stellte Käse selbst her. "Oder ich ging 'stoppeln'", erinnert sich Alexander Benn. Auf Äckern las er Kartoffeln auf, die Bauern beim Ernten liegen gelassen hatten.

Alexander Benn trägt seit Jahren keine Schuhe mehr. Die Anspruchslosigkeit hat positiven Effekt auf seine Gesundheit: "Früher litt ich unter Schweißfüßen und Rückenschmerzen und war häufig erkältet. Doch seit ich barfuß laufe, habe ich keine Beschwerden mehr."

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