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"Ich bin Sklavin meiner Symptome"

Leiden unter Angststörungen: Regina Heidrich (re.) und Helga Schmitz (Foto: tp/fotolia)
 
Viele Angstpatienten kapseln sich ab, verlassen kaum noch die eigenen vier Wände (Symbolfoto)

Selbsthilfe bei Herzneurose, Panikattacken und Todesängsten: Gruppe in Stade sucht weitere Mitglieder / Die Isolation besiegen

tp. Stade. „Die Angst hat die Kontrolle übernommen. Ich bin Sklavin meiner Symptome geworden. Das Herz rumpelt oder rast, der Schwindel haut mich vom Hocker, die Beine sind wie Pudding und die Stiche in der Brust treiben mir die Schweißperlen auf die Stirn. Täglich frage ich mich, ob ich das überlebe“: Plastisch schildert Kathrin B* (47) aus Stade-Hagen die Symptome ihrer Angststörung. Nachdem die Mutter von drei Kindern zwei Jahrzehnte im Stillen litt, ging sie in die Offensive und gründete 2015 die Selbsthilfegruppe „Angst“, um sich mit anderen über Herzneurose, Panikattacken und Todesängste auszutauschen. Die Gruppe sucht Mitglieder.

Angststörung ist ein Sammelbegriff für psychische Störungen, bei denen eine übertriebene unspezifische Angst oder konkrete Furcht vor einer Situation besteht. Ängste sind in aller Regel von körperlichen Symptomen wie Verspannungen begleitet, die die Angst verstärken.

"Ich wollte nicht mehr alleine kämpfen", sagt Hausfrau B., die sich aufgrund der Beschwerden keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann. Ihr Leben spielt sich hauptsächlich in den eigenen vier Wänden ab. Ihre geliebten Hobbys Motorradfahren und Tanzen musste sie aufgeben. Denn immer wieder wird sie von Panikattacken - begleitet von Übelkeit und Schwindel - überrascht. "Zwei Klinikaufenthalte und unzählige Untersuchungen" hätten keine Erfolge gebracht.

Professionelle Hilfe zu bekommen, sei sehr schwer, sagt B., da viele Patienten nicht mehr weit fahren können. So fänden nur wenige den passenden Therapeuten. Sie selbst brach diverse Behandlungen ab. Ein langer Leidensweg sei nicht ungewöhnlich, so B.: "Viele rennen von Arzt zu Arzt oder landen immer wieder in die Notaufnahme, werden jedoch mit den Worten, sie seien körperlich gesund, wieder weggeschickt." Man fühle sich allein gelassen und unverstanden. „Das war der Hauptgrund, die Gruppe ins Leben zu rufen."

Bei den Treffen konnte B. schon viele wertvolle Tipps weitergeben, empfahl z.B. ein gutes Fachbuch und eine DVD zum Thema Angst. In der kleinen Gruppe hätten schon viele positive Gespräche stattgefunden.

Mit dabei ist Helga Schmitz (66). Die frühere Verwaltungsangestellte leidet unter den typischen Symptomen einer Angststörung und dem ständigen Gefühl, "auf die Toilette zu müssen". Aus Angst, "sich in die Hose zu machen", könne sie ihrer Leidenschaft, dem Wandern, nicht mehr nachgehen. Die geschiedene Rentnerin glaubt, den Auslöser ihrer Beschwerden zu kennen: Sie habe die jahrelang ihre schwerkranke Mutter gepflegt, die schließlich vor ihren Augen starb.

Bei Regina Heidrich (58), Reinigungskraft aus Stade, fingen die Beschwerden an, als ihr Mann eine Arbeitsstelle am Bodensee antrat. Seit Jahren führt das kinderlose Ehepaar eine Fernbeziehung. Wie auch die anderen beiden Frauen, sagt sie von sich, sie sei "einsam und sensibel".

http://www.selbsthilfegruppe-angst.de

*Name v. d. Red. gekürzt