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Mein verrückter Roadtrip zur Europameisterschaft

Ein Selfie vom Spielfeldrand: Redakteur Björn Carstens
Spontaneität muss wohl überlegt sein. Eine Nacht schlief ich, WOCHENBLATT-Redakteur Björn Carstens (35), über die Schnapsidee, mir nach dem Halbfinal-Sieg der Handball-Nationalmannschaft am Freitag bei der Europameisterschaft in Polen das Endspiel live in der Halle anzuschauen. Eine Nacht hat gereicht. Ich machte mich mit zwei Freunden auf den 22-Stunden-Roadtrip nach Krakau. Warum denn nicht?!

1.800 Kilometer hin und zurück mit dem Auto schien uns drei Handball-Fans machbar. Flieger waren ausgebucht. Die Eintrittskarte im Internet besorgt, starten wir Sonntag um 7 Uhr. Bis auf etwa 50 Kilometer polnische Buckelpisten-Autobahn, auf der die Schlaglöcher Kühlschrank-Dimensionen angenommen haben, ist es eine sehr entspannte Fahrt. Krakau gilt als schönste Stadt Polens. Mag sein. Für Sightseeing bleibt keine Sekunde.

Für zehn Zloty lassen wir uns von einem netten polnischen Mädel Flaggen auf die Wangen kleistern. Um 17.30 Uhr geht’s los. Die Stimmung in der ausverkauften 15.000-Mann-Arena ist elektrisierend. Kleines „Herren-Gedeck“ muss sein, um den Puls halbwegs auf Normalniveau zu senken. Bier und Wurst geht immer. In der Halle herrscht Heimspiel-Atmosphäre: Schwarz-Rot-Gold sind die dominierenden Farben, „Oooooh, wie ist das schön“ wird zum Hit des Abends.

Das deutsche Nobody-Team, das aus etlichen EM-Lehrlingen besteht, vernichtet Favorit Spanien mit 24:17. Abwehr plus Torwart rühren Beton an. Die „Bad Boys“, so nennt sich das Team selbst, entnerven die Iberer.

Direkt nach Abpfiff beginnt der Partymarathon. Die Gold-Helden schütten sich die Biere über die Köpfe, gröhlen in Anlehnung an einen Ballermann-Hit: „Krakau ist nur einmal im Jahr!“ Das zeigt: Egal, ob Kreis- oder Europameister, Handballer sind doch alle gleich. Während die Spieler beim Feiern Vollgas geben, geben wir Vollgas auf der Autobahn. Dienstbeginn ist Montag um 8.30 Uhr. Klappt gerade so.

Björn Carstens