Reichen neue Weichen?
Engpass-Beseitigung laut Projektbeirat ohne Neubau der Bahnstrecke Hamburg-Hannover möglich
- hochgeladen von Thomas Lipinski
Am Montag, 23. März, berät der Deutsche Bundestag über die Planungen für einen Neubau der Bahnstrecke Hamburg-Hannover. Als entscheidendes Argument für ein solches Vorhaben führt die DB InfraGo an, dass die Auslastung der Bestandsstrecke 147 Prozent beträgt. Diese Überlastung könne nur durch eine
neue Strecke beseitigt werden. Wie sich laut einer Pressemitteilung des Projektbeirates Alpha-E jetzt herausstellt, zeigen eigene Untersuchungen der Bahn, dass lediglich einige neue Weichen und ein Überwerfungsbauwerk (Gleisbrücke) auf dem Streckenabschnitt zwischen Lüneburg und Stelle notwendig sind, um die Überlastung zu beseitigen. Dies könnte innerhalb weniger Jahre umgesetzt werden, die Nennleistung dieses Abschnitts würde von 101 auf 143 Züge steigen. Die Neubaustrecke würde hingegen erst in 25 bis 38 Jahren die Überlastung auflösen.
Der Projektbeirat Alpha-E hat bei der DB InfraGo nachgehakt, auf welchem Streckenabschnitt die hohe Auslastung von 147 Prozent vorhanden sei. Die Antwort beinhaltete zwei Überraschungen. Zum einen sei dies gar keine Auslastung, die sich auf den ganzen Tag beziehe, sondern sie gelte lediglich für die Zeit von 6 bis 22 Uhr. Dies wurde laut Beirat nicht kenntlich gemacht. Zum anderen bestehe die besonders hohe Auslastung auf dem Abschnitt Lüneburg-Stelle, obwohl der bereits dreigleisig sei. Die Erklärung hierfür liegt in fehlenden Weichen auf dem Abschnitt. Als Folge davon wird von Lüneburg nach Stelle im Regelbetrieb nur ein Gleis genutzt. "Die Strecke ist hier also durch das dritte Gleis gar nicht leistungsfähiger geworden", stellt der Projektbeirat klar.
Die Bahn hatte 2019 aufgezeigt, wie die Nennleistung dieses Abschnitts durch den Einbau der fehlenden Überleitstellen (Weichen) und eines Überwerfungsbauwerks (Gleisbrücke) von 101 auf 143 Züge gesteigert werden könnte. Die Strecke würde damit mit einer Auslastung von 103 Prozent nicht mehr als überlastet gelten. Den Einbau der fehlenden Weichen hatte beispielsweise auch der Metronom bereits 2018 gefordert.
"Es ist geradezu absurd, dass der seit Jahren bekannte Engpass nicht beseitigt wird und nun auch noch als entscheidendes Argument für eine Neubaustrecke missbraucht wird. Dies geht täglich auf Kosten der Pendler, die unter der schlechten Betriebsqualität leiden", macht der Projektbeirat seinem Unmut Luft. Der Einbau der fehlenden Weichen und des Überwerfungsbauwerks müsste sofort angegangen werden. Mittelfristig seien aber weitere Maßnahmen erforderlich:
• Mit einem dritten Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen muss auch dort ein Engpass beseitigt werden.
• Ebenfalls muss das zweite Gleis zwischen Rotenburg und Verden gebaut werden, um auf dieser westlichen Strecke von Hamburg nach Hannover einen Engpass zu beseitigen und die Funktion als Umleitungsstrecke zu optimieren.
• Mit der Elektrifizierung der Amerikalinie müssen die Bestandsstrecken von Hamburg nach Bremen und von Hamburg nach Hannover von Güterzügen entlastet werden.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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