Hochzeitstag am Heiligabend
Heidi und Helmut Schulze feiern ihre Eiserne Hochzeit

Heidi und Helmut Schulze aus Buchholz feiern die Eiserne Hochzeit. Vor allem Helmut sitzt der Schalk noch immer im Nacken | Foto: sh
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  • Heidi und Helmut Schulze aus Buchholz feiern die Eiserne Hochzeit. Vor allem Helmut sitzt der Schalk noch immer im Nacken
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Kennengelernt haben sich Heidi und Helmut Schulze eigentlich nur, weil Helmuts Motorrad, eine Adler 200, im Sommer 1958 liegenblieb. Aus dieser Not heraus besuchte er das Schützenfest in Hausbruch, auf dem er Heidi erstmals traf.
Helmut wurde 1936 im ostpreußischen Königsberg geboren und floh 1945 mit seiner Mutter und drei Geschwistern nach Thüringen. Zwei Monate dauerte ihre Flucht in einem Güterwaggon.
Heidi ist Jahrgang 1939 und kam in Stettin zur Welt. Sie floh ebenfalls 1945 mit ihrer Mutter und einem Bruder erst nach Westerdeichstrich bei Büsum, von da aus ging es nach Wilhelmshaven und dann nach Neugraben, wo sie zur Schule ging.
Nach der Schule begann sie, in Hamburg-Altona in einem Büro zu lernen. Eine Zeit, in der die jungen Backfische mit hohen Schuhe und Petticoat zur Arbeit gingen, dort aber Petticoat mit Kittel tauschten. Selbst im Büro trugen die Damen Arbeitskittel. Heidi denkt gern an die Zeit zurück mit Firmenfeiern und großzügigen Weihnachtsgeschenken, auch wenn sie für Hin- und Rückweg jeweils zwei Stunden brauchte.
Helmut hingegen begann sein Berufsleben mit harter körperlicher Arbeit. Er lernte im Maschinenbau und Bergbau, wurde mit 16 Jahren Heizer auf einer Dampflok. Zwei Jahre später ging er nach Hamburg und gemeinsam mit einem Kumpel kam er auf die Idee, zur See zu fahren. Im Oktober 1954 kam er von Thüringen nach Hamburg, weitere zwei Monate später, am 18. Dezember 1954 wachte er erstmals mit dem Blick auf den Vesuv auf, wo sein erstes Schiff ablegte.

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Motorradpanne zum Liebesglück

Ab und zu kam Helmut wieder nach Hamburg. 1958 dann wollte mit seiner Adler nach Neu Wulmstorf fahren, aber in Hausbruch riss bei 30 Grad im Schatten die Kette. Schwitzend schob er sein Motorrad weiter. Also änderte er spontan seine Pläne, machte sich frisch, tauschte Lederkombi gegen frisches Hemd und ging auf das Schützenfest in Hausbruch. Dort im Schützenhaus fand der Tanz statt, auf dem Heidi mit ihrer Mutter ebenfalls zu Gast waren. Obwohl Helmut Heidi zum Tanz aufforderte, schaute sie ihn nicht einmal an. Aber so einfach ließ sich Helmut nicht beirren. Er fand heraus, dass Heidi abends immer mit dem Bus bis zur Endstation Waldfrieden fuhr und passte sie dort ab.  Sie erhörte ihn schließlich und am 27. Juli 1959 verlobten sich die beiden. Helmut hängte die Seefahrt an den Nagel, denn nun wollte er bei seiner Heidi sein. Er begann als Reisemonteur bei Spilling Dampfmotoren zu arbeiten, kam auch bei dieser Tätigkeit weit herum. Weil Motoren am Besten repariert und gewartet werden könne, wenn sie stillstehen, war er an fast allen Feiertagen unterwegs.
Gegen Ende des Jahres 1960 bot sich für das Liebespaar die Chance, eine Wohnung zu mieten. Aber der Kuppelparagraph verbot es einem Vermieter, an ein unverheiratetes Paar zu vermieten. Trotz allem wollte Helmut diesen Heiligabend gemeinsam mit seiner Verlobten verbringen, sein Chef widerum bestand darauf, dass er arbeitet. Kurzerhand behauptete Helmut dann, dass er an Heiligabend heiraten würde. Da der Chef dafür aber einen Nachweis haben wollte, musste Helmut sich etwas überlegen. Er wurde beim Pastor Bittermann in Buchholz vorstellig, der aber winkte ab. An Heiligabend zwischen den Gottesdiensten könnte er unmöglich noch das junge Paar trauen. Helmut versuchte ihn zu überreden, aber mit der Überzeugung, dass die Verwaltung am Heiligabend ohnehin nicht arbeiten würde erklärte der Pastor, er würde das Paar nur trauen, wenn der Standesbeamte es tue. Damit war für den Pastor das Thema eigentlich erledigt - er kannte die Hartnäckigkeit von Helmut noch nicht. Dieser wandte sich an den Buchholzer Standesbeamten Hermann Cohrs. Erwartungsgemäß lehnte dieser ab, an Heiligabend gäbe es keine Hochzeit. Als Helmut aber mit einem Geldschein lockte, gab Cohrs nach und gab es Helmut Schulze sogar schriftlich, dass er ihn und Heidi am 24. Dezember 1960 vermählen würde. Der Pastor fiel aus allen Wolken "Um Himmels willen, wie soll das denn gehen..."  - aber es ging. Als die Glocken an diesem Tag zwischen zwei Gottesdiensten läuteten, betrat das junge Brautpaar die St.-Paulus-Kirche in Buchholz und bekam den kirchlichen Segen. Mit gleich drei Gänsen auf dem Tisch wurde an diesem Heiligabend mit der Familie gefeiert und gegessen.
Später arbeiteten beide Eheleute bei Firma Ritscher in Sprötze (jetzt MBS Maschinenbau Sprötze). Helmut blieb dort bis zu seiner Rente 1994. Heidi wechselte 1970 zu Aldi in die Personalabteilung in Ohlendorf, dort war sie tätig, bis auch sie 1996 in Rente ging. 
Sie kauften sich nach der Hochzeit ein Reihenhaus in der Buchholzer Almastraße, in dem sie bis 2018 lebten, jetzt fühlen sie sich in einer gemütlichen Wohnung ohne Gartenarbeit pudelwohl.
Aber nicht nur als körperlich hart arbeitender Mensch ist Helmut Schulze weit über die Grenzen von Buchholz bekannt, sondern auch für seine gefühlvolle Seite. Mehr als dreißig Jahre verzauberte Schulze die Menschen als Clown Elmutio. "Wer an die Herzen der Menschen will, muss sensibel sein", erklärt der 89-Jährige. Und sein schelmisches Grinsen hat er bis heute nicht verloren. Auch nach 65 Jahren Ehe gehen Heidi und Helmut gefühlvoll und mit viel Humor miteinander um und feiern am 24. Dezember ihre Eiserne Hochzeit.

Heidi und Helmut Schulze aus Buchholz feiern die Eiserne Hochzeit. Vor allem Helmut sitzt der Schalk noch immer im Nacken | Foto: sh
Das Hochzeitsfoto der Eheleute Schulze vom 24. Dezember 1960 | Foto: privat
Als Clown Elmutio war Helmut Schulze weit über die Grenzen von Buchholz bekannt | Foto: mum
Redakteur:

Stefanie Hansen aus Buchholz

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