Neben Geld ist auch eine Perspektive nötig
Was Veranstalter vom neuen Kultur-Sonderfonds von Bund und Ländern halten

Guter Start nach der Corona-Pause: Onne Hennecke (li.), Geschäftsführer der Buchholzer Empore, in der jetzt der beliebte Kabarettist Alfons auftrat
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  • Guter Start nach der Corona-Pause: Onne Hennecke (li.), Geschäftsführer der Buchholzer Empore, in der jetzt der beliebte Kabarettist Alfons auftrat
  • Foto: Empore Buchholz
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ce/tk. Landkreis. Neue Hoffnung für die Branche? Der Bund hat in enger Zusammenarbeit mit den Ländern einen Sonderfonds über 2,5 Milliarden Euro zur Wiederaufnahme des kulturellen Lebens geschaffen. Mit dem Finanzpaket sollen durch die Corona-Pandemie entstandene wirtschaftliche Nachteile ausgeglichen werden.
Der Fonds fördert im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitshilfe ab Juli stattfindende kleinere Veranstaltungen mit bis zu 500 Teilnehmern und ab August geplante Aktivitäten mit bis zu 2.000 Besuchern. Vorgesehen ist auch eine Ausfallabsicherung für größere Veranstaltungen, die von September an zur Verfügung stehen soll.
"Kultur ist essenziell. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen die kulturelle Vielfalt in unserem Land wieder live erleben können", betont Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler (CDU). "Auch wenn der Fonds erst am 1. Juli in Kraft tritt, empfehle ich allen Veranstalterinnen und Veranstaltern, sich bereits jetzt mit den Möglichkeiten der Registrierung zu befassen."
"Vom Grundsatz her ist es eine gute Idee, uns Kulturveranstaltern im Sommer einen Zuschuss in Höhe der durch gesperrte Plätze verlorenen Einnahmen zu geben. Nur so werden wir Veranstaltungen planen und Gagen an die notleidenden Künstler in voller Höhe zahlen können", erklärt Onne Hennecke, Geschäftsführer des Buchholzer Veranstaltungszentrums Empore, gegenüber dem WOCHENBLATT. Mit zwei gut besuchten Abenden mit dem Kabarettisten Alfons startete die Empore jetzt nach der Corona-Pause wieder ihren Betrieb. Hennecke räumt jedoch ein, dass er die durch Steuergelder finanzierten Sondermittel "eigentlich gar nicht haben" wolle. "Mir macht es große Sorgen, dass erneut von einer weiter andauernden Reduzierung der Plätze in Theatern und von Ausfallzahlungen gesprochen wird. Viel wichtiger wäre es für unsere Branche, ab Herbst endlich eine Perspektive auf Normalisierung zu erhalten", mahnt er. Sofern Anfang September - wie angekündigt - tatsächlich sämtliche Deutsche ein Impfangebot erhalten haben, Risikogruppen geschützt und Intensivstationen normal belegt seien, "müssen Abstandsregeln im gesamten öffentlichen Leben fallen". Auch Theater sollten dann "komplett öffnen können". Die Planungen für das Empore-Programm ab September liefen derzeit auf Hochtouren.
"Wir würden gerne von dem Sonderfonds profitieren. Ob wir es können, wird man sehen. Die dabei zu klärenden Fragen sind umfangreich und verändern sich manchmal mit der Zeit", sagt Matthias Graf, Chef der Seevetaler Veranstaltungsagentur "412 Events". "Daher weiß ich noch nicht genau, ob uns dieses Programm hilft bzw. umfangreich genug helfen kann." Wenn Events wie in den jetzigen Coronazeiten nicht stattfänden, fehle mehr als nur Geld. "Ganze Generationen werden jetzt im zweiten Sommer 'entwöhnt', Ereignisse zu erleben. Das tut in jeder Hinsicht sowohl den Gästen als auch den Veranstaltern weh", so Graf. Er hoffe auf den Tag, an dem es der Branche wieder möglich sei, "Menschen schöne Momente zu gestalten". In der kommenden Woche stünden für die Crew von "412 Events" Freiluft-Konzerte in Berlin sowohl mit den Philharmonikern als auch mit der Düsseldorfer Punkband Broilers auf dem Terminplan. Matthias Graf: "Mein ganzes Team und ich brennen und können es kaum erwarten, wenn man uns wieder von der Kette lässt."
Silvia Stolz, Geschäftsführerin und Intendantin des Stadeums in Stade, begrüßt grundsätzlich, dass die Kultur und Veranstaltungsbranche gefördert wird: "Alles was der Kultur hilft, ist gut." Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, dass der Branche seit Beginn der Pandemie rund 22 Milliarden Euro an Einnahmen fehlen. Sie werde prüfen, ob sich das Stadeum um Mittel aus dem Fonds bewerben wird. Sicher sei das nicht. Denn: "Es kann nur Geld aus einem Fördertopf geben." Das Stadeum könne auf Mittel des Bundes zurückgreifen, die ausgleichen, dass nur 50 Prozent Zuschauer erlaubt seien. Silvia Stolz ist zwar optimistisch, dass bald wieder vieles möglich ist - sie plant dennoch die kommende Spielzeit nicht mit vollem Haus. "Wenn es anders kommt, dann wäre das natürlich schön."
• Interessierte können sich mit ihren Events unter www.Sonderfonds-Kulturveranstaltungen.de registrieren lassen. Infos unter der Hotline 0800 - 6648430.

Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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