Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano (95) mahnt
Holocaust-Gedenktag in Buchholz wider die Gleichgültigkeit

Hauptorganisator Udo Antons übergab für die Partnerschaftsvereine einen Blumenstrauß an Esther Bejarano
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os. Buchholz. Sie tauschte einen Laib Brot - eine ganze Wochenration - gegen einen Pullover ein, um nicht mehr so frieren zu müssen. Sie aß eine dünne Suppe aus Wasser mit Kartoffelschalen - der Hunger trieb es rein. Sie musste mit dem Orchester Musik für die Kolonnen spielen, die zum Arbeitsdienst ausrückten, eine unglaubliche "psychische Belastung für uns".
Kaum jemand kann die barbarischen, unmenschlichen Bedingungen im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau so gut beschreiben wie Esther Bajarano (95). Sie überlebte das Grausen durch unbändigen Lebenswillen und ein bisschen Glück, weil sie Mitglied des Frauenorchesters im Vernichtungslager war. Beim Holocaust-Gedenktag am Montag, an dem an den 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau durch die Sowjetarmee erinnert wurde, las Bejarano aus ihrem Buch "Erinnerungen" und mahnte, dass solche Gräuel nie wieder geschehen dürfen. Mehr als 500 Bürger kamen in die Empore, um die Veranstaltung der Partnerschaftsvereine der Stadt Buchholz zu verfolgen. Fast 100 Interessierte ohne Eintrittskarte mussten die Heimfahrt antreten.
In emotional berührenden Worten beschrieb Esther Bejarano das, was nur Zeitzeugen in dieser Intensität beschreiben können. Das reichte von der "Begrüßung" der SS-Schergen in Auschwitz - "So, ihr Saujuden, jetzt werden wir euch einmal zeigen, was Arbeiten heißt" - über die unmenschliche Unterbringung bis zur harten Arbeit auf dem Feld. Wer dort die schweren Steine nicht mehr schleppen konnte, wurde gnadenlos erschossen. Die Beschreibung schloss beim sogenannten Todesmarsch, den Bejarano aus dem KZ Ravensbrück heraus erleben musste. In Mecklenburg endete der Fußmarsch mit der Begegnung mit amerikanischen und russischen Soldaten. Dass diese gemeinsam ein Porträt von Adolf Hitler verbrannten und dabei tanzten und musizierten, nennt Bejarano noch heute "nicht nur eine Befreiung, sondern meine zweite Geburt".
Auch Udo Antons, der den Abend mit Waltraut Seegers, Janusz Wielunski, Helena Eischer, Prof. Dr. Götz von Rohr, Sabine Zinnecker und Philippe Taddei organisiert hatte, und Buchholz' Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse mahnten gerade die jüngeren Zuhörer, das Gedenken an die Opfer der Nazi-Gräuel aufrechtzuerhalten und der Gleichgültigkeit entgegenzutreten.
Die überaus gelungene Veranstaltung rundeten das Paraboltheater, das Punde-Quartett, vier Schülerinnen aus Wohlau und Buchholz sowie Bejaranos Sohn Joram und Kutlu Yurtseven ab, mit denen Esther Bejarano musizierte.

Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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