"Luthers Wirken nicht reduzieren"

Über die Straßenbenennung nach Martin Luther 
ist eine Debatte entbrannt
  • Über die Straßenbenennung nach Martin Luther
    ist eine Debatte entbrannt
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Wirtschaft
Beim umstrittenen Thema Surfpark hielten sich die Stimmen von Befürwortern und Gegnern die Waage

Online-Voting im WOCHENBLATT
Leser-Umfrage zum Surfpark Stade: Fast ein Patt

jd. Stade. Dieses Bauprojekt bietet offenbar reichlich Diskussionsstoff: Beim geplanten Surfpark in Stade gehen die Meinungen auseinander. Das WOCHENBLATT wollte ein Stimmungsbild bei den Leserinnen und Lesern einfangen und richtete daher ein Online-Voting aus. Das brachte folgendes Ergebnis: 49 Prozent sprechen sich für einen Surfpark aus, 46 Prozent positionieren sich ganz klar dagegen. Der Aussage, dass der Surfpark nur gebaut werden soll, wenn bestimmte ökologische Kriterien eingehalten...

Wirtschaft
Die Beluga XL soll die Beluga ST ersetzen
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Die Beluga-Reihe
Airbus gründet kommerzielle Airline für XXL-Fracht

(sv). Sie ist zu einem gewohnten Anblick am Himmel über Stade geworden: Die Beluga im Anflug auf Finkenwerder. Vor fast 30 Jahren absolvierte die Airbus-Beluga-Reihe ihren Erstflug mit XXL-Frachten, nun sollen die bisher eingesetzten Beluga ST bis 2023 durch sechs größere Beluga XL ersetzt werden, die statt einem gleich zwei A350-Flügel transportieren können. Am Boden sollen die ausgemusterten ST-Flugzeuge jedoch nicht bleiben: Angesichts des wachsenden Nischenmarkts hat Airbus jetzt einen...

Politik
So sieht das Grobkonzept für das Eingangsgebäude für Gastronomie undden Eingangs-/Kassenbereich aus   Foto: Polyplan GmbH und Planungsbüro Kreikenbaum + Heinemann, Bremen

Baubeginn im August
Im August beginnt der Bau des Naturbades in Winsen

thl. Winsen. Im Mai 2024 soll das Naturbad im Eckermannpark fertig sein und kurz danach eröffnet werden. Diesen Fahrplan gab jetzt Angelina Gastvogel von der Stadtverwaltung in der Sitzung des des Ausschusses für Kultur, Freizeit, Tourismus und Partnerschaften vor, die am Dienstagabend im Marstall stattfand. Gastvogel stellte dabei die Entwurfsplanung für das Bad vor, die nahezu komplett abgeschlossen ist. "Der Förderantrag beim Bund ist fristgerecht eingereicht worden, jetzt sind wir im...

Service

Zeitnahe Benachrichtigung nicht mehr möglich
Corona: Gesundheitsamt im Kreis Stade kommt nicht mehr hinterher

jd. Stade.  Die Corona-Fallzahlen im Landkreis Stade steigen weiter – und das Gesundheitsamt kommt nicht mehr hinterher. Eine zeitnahe Kontaktnachverfolgung bzw. Benachrichtigung von Personen, die positiv getestet wurden, ist seit dieser Woche nicht mehr möglich. „Wir schieben derzeit rund 1.000 Betroffene vor uns her, die wir nicht mehr – wie bisher üblich – binnen 24 Stunden angerufen haben“, sagt Landrat Kai Seefried. Die Masse der Infizierten sei einfach zu groß, um alle Fälle innerhalb...

Panorama
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Corona-Zahlen am 26. Januar im Landkreis Harburg
Inzidenzwert sinkt den dritten Tag in Folge

(lm). Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Harburg ist am heutigen Mittwoch, 26. Januar, erneut leicht gesunken. Am Vortag lag der Wert bei 1.274,5, heute bei 1.263,6. Am Mittwoch der Vorwoche zuvor belief sich der Inzidenzwert auf 976,9.  374 neue Corona-Fälle wurden heute vermeldet, 3.235 waren es in den vergangenen sieben Tagen. Die landesweiten Werte der Hospitalisierungsinzidenz (6,9 auf 7,3) und der Intensivbettenbelegung (4,9 auf 5,2 Prozent) sind dagegen angestiegen.  Seit Ausbruch der...

Panorama
Auch während der Rastzeit vollführen die Kraniche ihre imposanten Tänze mit lauten trompetenartigen Rufen
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Vogelbestand im Aufwind
70 Kranich-Paare im Landkreis Stade gezählt

sv/nw. Landkreis Stade. In den 1990er Jahren war der Kranich nur ein sehr seltener Gast im Landkreis Stade. 1996 konnte lediglich ein Brutpaar nachgewiesen werden – inzwischen haben 70 Kranichpaare ihr Revier im Landkreis. Dr. Uwe Andreas, Leiter des Naturschutzamtes: „Dieser große Erfolg ist der Renaturierung und Wiedervernässung in den Naturschutzgebieten Feerner Moor und Hohes Moor sowie in den Kehdinger Mooren zu verdanken.“ Die Zahl der Kraniche nimmt zuWährend der Zugzeit der Kraniche...

Panorama
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Corona-Warnapp
Was tun bei einer Begegnung mit erhöhtem Risiko?

(sv). Die Corona-Zahlen befinden sich seit Anfang des Jahres in einer steilen Aufwärtskurve. Durch die sich schnell verbreitende Corona-Variante Omikron schlägt vieler Orts nun die Corona-Warnapp häufiger aus und meldet Begegnungen mit niedrigem oder hohem Risiko. Aber was bedeuten die Risikowarnungen und was ist in einem solchen Fall zu tun? Das RKI erklärt die Meldungen folgendermaßen: Begegnung mit niedrigem Risiko"Zeigt die Corona-Warnapp ein 'niedri­ges Risiko' an und listet gleich­zeitig...

Panorama
Viele Pflegekräfte arbeiten am Rande ihrer Kräfte. Ab Mitte März gilt eine Impfpflicht - zunächst in Gesundheits- und Pflegeberufen

Dramatischeren Pflegenotstand suggerieren
Fake-Annoncen gegen die Impfpflicht

(bim). Bundesweit werden aktuell Anzeigenblätter mit Stellengesuchen von Pflegekräften überschüttet, die ungeimpft sind und ab Mitte März - dann soll die Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegepersonal gelten - angeblich nach neuen "Wirkungskreisen" und "Herausforderungen" suchen. So auch das WOCHENBLATT. Allerdings handelt es sich dabei offenbar um eine Kampagne von Impfgegnern. "Keine seriöse Krankenschwester würde eine solche Stellenanzeige schalten", erklärte eine medizinische Fachkraft dem...

Debatte um Straßenbenennung nach Reformator in Buchholz: Mehrheit spricht sich für Beibehaltung aus

os. Buchholz. Die Frage, ob eine Straße nach dem Reformator Martin Luther benannt werden soll, beschäftigt offensichtlich viele Menschen in Buchholz. Nach dem Aufruf im WOCHENBLATT erreichten zahlreiche Nachrichten die Redaktion. Die meisten Leser sprechen sich für die Beibehaltung der Entscheidung des Steinbecker Ortsrates aus.
Wie berichtet, hatte Buchholz' Ex-Bürgermeister Prof. Dr. Götz von Rohr angemahnt, die Straße in einem Neubaugebiet an der Bremer Straße wegen Luthers deutlich antisemitischer Haltung nicht nach dem Reformator zu benennen. Als Alternativen hatte er u.a. "Dreihausen" oder "Alte Heide" vorgeschlagen.
Einige Reaktion der WOCHENBLATT-Leser:
• "Es ist ausdrücklich zu bemerken, dass die Äußerungen und Schriften Luthers sich über die Jahrzehnte sehr verändert haben und Luther in den Juden nur die Religionsgruppe. nie aber die Rasse gesehen hat", schreibt Eberhard Unger aus Buchholz. Es habe eine allgemeine starke Aversion gegenüber dem Judentum geherrscht, es müsse berücksichtigt werden, dass Toleranz im modernen Sinne für Luther und seine Zeitgenossen ein Fremdwort war. Eine Ablehnung der Straßenbenennung sei absurd und reduziere das gesamte Wirken Luthers ausschließlich auf einen kleinen Aspekt seines gesamten Wirkens, betont Unger.
• Eine antisemitische Einstellung von Luther sei nicht zu bestreiten, erklärt Gerhard Klußmeier aus Rosengarten. Wenn man daraus aber einen Widerspruch gegen eine Straßenbenennung ableiten würde, müsste es konsequenterweise zu einer allumfassenden "Straßenbereinigung" kommen, so Klußmeier. U.a. Kant, Richard Wagner, Wilhelm Busch und Turnvater Jahn hätten sich ebenfalls antisemitisch geäußert.
• In Anbetracht der großen kulturellen Leistungen von Luther solle die Namensnennung beibehalten werden, fordert Leni Wolde aus Buchholz. "Ansonsten müssten ja auch das Luther-Denkmal in Erfurt abgerissen und der Bahnhof in der 'Lutherstadt Wittenberg' umbenannt werden. Das wäre in meinen Augen absurd."
• "Meines Erachtens passt die Straßenbenennung nach evangelisch-lutherischer Prägung ganz und gar nicht in das Konzept der Buchholzer Straßennamen", erklärt dagegen Renate Komm. Sie kenne das Gebiet noch aus den späten 1940er Jahren, kleine Wege führten damals durch schöne Heideflächen zu einzelnen Wochenendhäusern. Renate Komm: "Die Namen, die von der Stadtverwaltung und Herrn von Rohr vorgeschlagen wurden, sind für das Areal weitaus passender."
• "Man ehrt einen Menschen selbstredend nicht nach dem, was er mit seinen Zeitgenossen gemein hat", schreibt Wilfried Gerhard aus Jesteburg. Martin Luther habe den Antisemitismus und den Türkenhass der frühen Neuzeit geteilt. Das historisch grunstürzend Neue, das mit Luther in die Welt gekommen ist, sei an anderer Stelle zu suchen. "Wenn nur makellose Persönlichkeiten gewürdigt werden könnten, könnte überhaupt keiner mehr gewürdigt werden", betont Wilfried Gerhard.
• Das angrenzende Gebiet am Kattenberge trage laut Bebauungsplan von 1977 die Bezeichnung "Lutherklause", berichtet Claus Pohle. Von daher passe die Straßenbezeichnung gut. Zudem habe Luther die angeführten Sätze vor 475 Jahren geschrieben. Claus Pohle: "Ist das nicht tiefste Vergangenheit? Lasst uns lieber mit der Zukunft beschäftigen, denn nur da liegt unsere Chance."
• "Natürlich hat Prof. Dr. Götz von Rohr Recht, wenn er Martin Luther einen Antisemitismus und einen Judenhass zuschreibt. Er hat allerdings nicht Recht, wenn er Martin Luther auf diese, nach heutigen Maßstäben nicht nachvollziehbare dunkle Seite seines Wirkens, reduziert", erklärt Lothar Hillmann. Martin Luther sei eine der bedeutendsten Persönlichkeit unserer Kirchen- und Gesellschaftsgeschichte. "Er war ein
wichtiger Theologe, Begründer der Reformation, Sprachschöpfer. Sein Kampf gegen den in der damaligen Kirche praktizierten "Geschäftszweig Ablasshandel" war einer der Auslöser des Thesenanschlags", so Hillmann. "Unser heutiges Verständnis vom Verhältnis zwischen Kirche und Staat ist ohne die Reformation nicht denkbar". Auch die Aufklärung habe einen Teil ihrer Wurzeln im Wirken Luthers. Eine Benennung einer Straße nach Martin Luther oder nach seiner Ehefrau Katharina von Bora sei deshalb auch heute noch möglich, fordere aber auch eine durchaus kritische Auseinandersetzung. Hillmann: "Die evangelischen Kirchen setzen sich im Übrigen seit den 50er Jahren mit dem Antisemitismus des Martin Luther in mehren Denkschriften auseinander und distanzieren sich davon (Quelle: Wikipedia). Der Ortsrat Steinbeck handelt richtig, seine demokratische Entscheidung der Namensfestlegung zu verteidigen, zu erklären und noch einmal einstimmig, über alle Parteien hinweg, zu bestätigen."
• Helmut Flügger schreibt: "Ich folge der Argumentation des Orsrates. Die Einwände des Herrn von Rohr sind zwar diskussionswürdig, angesichts des Lebenswerkes des Reformators aber zu eng. Wir müssen unsere Geschichte akzeptieren und mit ihr leben.
Generell finde ich allerdings, daß wir viel zu viele Straßen mit mehr oder weniger großen Namen haben. Dieses Verfahren ist mir zu simpel und verwässert auch die vermeintliche Ehrung. Neutrale Straßennamen sind näher an der Alltagswirklichkeit, und die Vorschläge von Herrn von Rohr tauglich. Ausgesuchte historische Persönlichkeiten sollen aber öffentlich geehrt werden, und Martin Luther gehört zweifellos dazu. Außer Straßennamen bieten sich dafür Gebäude, Denkmäler, öffentliche Anlagen etc. an. In diesem Fall kann ich mir als Kompromiss vorstellen, Martin Luther an anderer, gut sichtbaren Stelle zu ehren und neutrale Straßennamen für das in Rede stehende Areal zu finden. Wenn das nicht geht, sollte der Beschluss des Ortsrates Bestand haben. Es geht nicht an, Martin Luther im Rahmen dieser Diskussion zu verleugnen. Das Leben mit der Geschichte geht vor."
• Christina Kaboth erklärt: "Ich halte es generell für problematisch, wenn Straßen nach Menschen oder Persönlichkeiten benannt werden, insbesondere aus der Religion oder der Politik, weil es hier immer Kontroversen geben wird, da immer irgendjemandem irgendwelche Äußerungen oder Fehlleistungen der betreffenden Person nicht passen. Man muss nur tief genug „graben“, um Problematisches zu finden.Herr von Rohr zeigt mit seinem Aufruf, dass es diese Problematik generell gibt, aber man sollte es meiner Meinung nach nicht nur an einem Punkt wie die Äußerungen in Luthers „Lügen“-Schrift festmachen. Daher denke ich, dass neutrale, bereits vorgeschlagene Straßennamen wie „Kiefernbogen“ und Goldlärchenweg“ optimaler wären. Daran gibt es nichts auszusetzen."
• "Auf jeden Fall sollte man Straßen nach verdienstvollen Menschen benennen und Martin Luther war einer der größten Deutschen überhaupt", schreibt Dieter Zeisberg. "Seine abfälligen Bemerkungen über die Juden würde er heute nicht mehr machen."

Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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