Sozialreformen gefährden Teilhabe
Sozialwirtschaftliche Organisationen im Landkreis Harburg warnen vor Einschnitten
Die von Bund und Ländern diskutierten Kürzungen im Sozialbereich greifen tief in gesetzliche Unterstützungsansprüche ein und treffen die Versorgung von Kindern, Menschen mit Behinderungen, Pflegebedürftigen und deren Familien hart. Acht sozialwirtschaftliche Organisationen aus dem Landkreis Harburg appellieren jetzt an die Politik, die Kürzungspläne kritisch zu überprüfen und die verlässliche Versorgung der Menschen nicht zu gefährden.
Die Forderung wird unterstützt von der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg, dem Sozialkontor, LeA Neu Wulmstorf, Reso-Fabrik, HiPsy, dem Paritätischen Landkreis Harburg, NISA e.V. (Netzwerk für Inklusion in Sozialarbeit und Assistenz) und der "Interessengemeinschaft e.V." ("InGe"). In diesen Organisationen der örtlichen Daseinsvorsorge sind rund 2.600 Mitarbeiter tätig, die gemeinsam etwa 5.800 Menschen versorgen.
Die geplanten Kürzungen - so der Tenor - würden in die grundlegenden Rechte und gesetzlich verankerten Ansprüche an Teilhabe, Selbstbestimmung und Wahlfreiheit eingreifen. Sie verhinderten auch den Schutz vor langfristigen Folgekosten, ausgelöst durch krisenhafte Verläufe, stationäre Unterbringungen oder langfristige Abhängigkeiten.
„Wir fordern dialogorientierte und fachlich fundierte Lösungen anstelle pauschaler Kürzungen. Wahlrechte und notwendige Hilfeleistungen für Menschen mit Unterstützungsbedarf dürfen keinesfalls eingeschränkt werden. Eine leistungsfähige soziale Infrastruktur ist auch Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt,“ erklärt NISA-Geschäftsführer Lars Finck.
Die geplanten Kürzungen prallten auf Kostensteigerungen infolge von Tariferhöhungen, Inflation und gestiegenen Unterstützungsbedarfen. Das Sparpaket gefährde Arbeitsplätze, verschärfe den Fachkräftemangel und destabilisiere leistungsfähige Versorgungsstrukturen. Die aktuellen Debatten gehen daher aus Sicht der Organisationen an der Realität in Schulen, Pflegeeinrichtungen und Eingliederungshilfe vorbei. Erhebliches Potenzial liege in effizienteren Verfahren und innovativen Unterstützungsformen, die jedoch aus den bestehenden Strukturen entwickelt werden müssten - im Dialog mit Praxis, Betroffenen und Fachwelt. „Es braucht einen spürbaren Bürokratieabbau, der die Leistungserbringung erleichtert und Ressourcen konsequent in die direkte Unterstützung lenkt. Effizienz, Weiterentwicklung und neue Ansätze sind notwendig", betont "InGe"-Geschäftsführer Nikolaus Lemberg.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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