Eine Entscheidung zum Nachteil der Region?

Die Fläche des Designer Outlet Center (DOC) in Soltau soll verdoppelt werden
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Land Niedersachsen muss neu entscheiden, ob das Outlet Center in Soltau erweitert werden darf.

(mum). Diese Nachricht sorgt in den Landkreisen Harburg und Stade für Kopfschütteln: Das Land Niedersachsen muss erneut darüber entscheiden, ob das Designer Outlet Center (DOC) in Soltau erweitert werden darf oder nicht. Das teilte das Lüneburger Verwaltungsgericht am Freitag mit. Wie berichtet, hatte die DOC-Investorin Sylvie Mutschler beim Verwaltungsgericht Lüneburg Klage gegen das Land Niedersachsen eingereicht. Sie wehrte sich damit gegen einen Beschluss des Landwirtschaftsministeriums vom November 2017. Darin wurde ein von der Stadt Soltau eingereichter Erweiterungsantrag für das DOC zurückgewiesen. Gemeinsam mit der Investorin hatte die Stadt beantragt, die Verkaufsfläche von 10.000 auf 20.000 Quadratmeter zu verdoppeln. Der damalige Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hatte dies unter anderem mit dem Schutz der Innenstädte begründet -, drei Tage bevor er aus dem Amt ausgeschieden ist.
Bereits der Bau des Outlets war heftig umstritten. Denn Outlets sind in Niedersachsen nur in der Nähe größerer Städte mit überregionaler Anziehungskraft erlaubt. Hamburg, Hannover und Bremen sind alle mehr als 60 Kilometer entfernt. Dafür fürchteten vor allem kleine Städte wie Buchholz, Winsen und Buxtehude deutliche Umsatzeinbußen durch das Mega-Center (laut eigenen Angaben verkaufen dort 80 Hersteller Markenartikel zu reduzierten Preisen) an der Autobahn 7.
Einer der Gegner der Erweiterungspläne ist unter anderem der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke aus Elstorf: "Für die gesamte Region wäre die Erweiterung mit weiteren Verlusten verbunden", so Schönecke. Es seien schon jetzt Kaufkraftabflüsse aus Winsen, Lüneburg und Buchholz spürbar.

"Das ist nur eine künstliche Stadt"
(ce/lt/mum/tk). Die mögliche Erweiterung des Designer Outlet Centers (DOC) in Soltau sorgt für reichlich Diskussion. "Ich gehe fest davon aus, dass die Wünsche der Soltauer zu einer intensiven Diskussion innerhalb der großen Koalition führen werden", sagt CDU-Landtagsmitglied Heiner Schönecke. Sie werde zu einer fachlichen Einschätzung des zuständigen Ministeriums beitragen. "Der lokale Handel steht schon jetzt vor großen Herausforderungen. Die Situation hat sich durch den schnell wachsenden Versandhandel verschärft", so Schönecke weiter. Eine Erweiterung des Outlet Centers sehe er deswegen sehr kritisch.
Angefacht wurde die Diskussion durch eine Entscheidung des Lüneburger Verwaltungsgerichts. Demnach muss das Land erneut über den Antrag der Stadt Soltau befinden.
Das Landesraumordnungsprogramm (LROP) begrenzt das seit 2012 betriebene DOC auf die aktuelle Verkaufsfläche von 10.000 Quadratmetern. Die Betreibergesellschaft und die Stadt Soltau streben eine Verdoppelung der Verkaufsfläche an und stellten gemeinsam einen Antrag auf Abweichung von den der geplanten Erweiterung entgegenstehenden Zielen des LROP. Sie machten geltend, dass die im Jahr 2008 ins LROP eingeführte Begrenzung angesichts der veränderten Wettbewerbssituation nicht mehr sachgerecht sei. Im norddeutschen Raum würden nun mehrere, teils deutlich größere Outlet Center miteinander konkurrieren. Die dem Center vom LROP zugewiesene Funktion als "touristischer Leuchtturm" sei unter diesen Bedingungen gefährdet. Das beklagte Ministerium lehnte den Antrag ab.
Auch das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Der hilfsweise begehrten Neubescheidung des Zielabweichungsantrags hat die Kammer demgegenüber stattgegeben: Entgegen der Auffassung des beklagten Ministeriums berühre die beantragte Zielabweichung die Grundzüge der Planung nicht. Der Erweiterung stünden zwar die Ziele des "Zentrale Orte"-Konzepts entgegen, die grundsätzlich Hersteller-Direktverkaufszentren "auf der grünen Wiese" ausschlössen. Deren Geltungsanspruch habe das LROP aber selbst zurückgenommen, indem das Ministerium 2008 das DOC in Soltau erlaubt habe.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung steht den Beteiligten die Berufung an das niedersächsische Oberverwaltungsgericht zu, die das Verwaltungsgericht aufgrund der besonderen rechtlichen Schwierigkeiten des Falles zugelassen hat.
• "Ich denke kommunal, weshalb der Schutz der eigenen Innenstadt und ihrer Gewerbetreibenden für mich oberste Priorität hat", betont Markus Trettin, Wirtschaftsförderer der Stadt Winsen. "Wir stehen den Erweiterungsplänen des Soltauer Outlet Centers, durch die für die Stadt Winsen Kaufkraft verloren gehen könnte, daher eher skeptisch gegenüber."
• Stades Citymanagerin Sophie Hagebölling bereitet die geplante Vergrößerung des Outlets keine Sorgen. Es gebe sicherlich Leute, die von Stade für einen Tagesausflug nach Soltau fahren würden, eine direkte Konkurrenz für die Einzelhändler in der Innenstadt sehe sie aber nicht, so Hagebölling. Es gebe keinerlei greifbare Daten oder aussagekräftige Erhebungen dazu. Soltau sei einfach "zu weit weg".
• "Jedes neue Outlet Center oder jede Vergrößerung betrifft uns", sagt Stackmann-Geschäftsführer Henning Schleemann. Das Buxtehuder Modehaus habe es durchaus zu spüren bekommen, als das DOC in Soltau an den Start gegangen sei. Was noch hinzukomme: Es würden dort auch die Marken verkauft, die im Buxtehuder Modehaus zum Angebot gehörten. Und das sind nicht nur Altwaren, sondern auch extra produzierte Textilien, so Schleemann. Gerade bei klassischen Kleidungsstücken, etwa dem Herrenpullover mit V-Ausschnitt, sehe der Kunde gar nicht, ob es sich um die aktuellste oder eine vorangegangene Kollektion handele. "Nicht nur wir, viele Einzelhändler und Städte in der Region sind gegen eine Vergrößerung des DOC in Soltau", sagt Schleemann.
• "Wer die Gestaltung eines Outlet-Centers kennt, der hat mitbekommen, dass dort der Charakter einer Stadt nachempfunden wird. Somit werden Kunden gelockt, dort zu verweilen und einzukaufen", sagt Stephan Schmidt von "Smile Records" in Buchholz. Er hatte sich zuletzt im WOCHENBLATT für die Belebung der Innenstädte eingesetzt. "Diese Methode entzieht einer gewachsenen Stadt die Käuferschicht durch eine Retorte, eine künstliche Stadt. Wir, die traditionellen Verkaufsorte, können nur durch motivierte und kompetente Fachleute dagegen halten."

Auf ein Wort
Freizeitpark für Einkaufssüchtige
Schnäppchen auf 20.000 Quadratmetern - klingt verlockend. Quasi ein Freizeitpark. Nur nicht für Abenteuerlustige, sondern für einkaufssüchtige Schnäppchenjäger. Für manche mag das jetzt das Paradies schlechthin sein. Ich fürchte nur, dass die Hölle gleich danach um die Ecke kommt. Heiner Schönecke weist zu recht darauf hin, dass der lokale Einzelhandel schon jetzt mächtig unter Druck geraten ist. Das Bestellen bei Amazon ist einfach so schön verlockend geworden - dank kostenloser Rückgabe und Zahlung auf Rechnung. Ich mag mir nicht vorstellen, was aus den Geschäften in Buchholz, Winsen und Buxtehude wird, wenn jetzt auch noch so eine monströse Shoppingmall dazukommt. Ich fürchte, dass dies das Aus für viele Läden bedeuten wird. Mein Appell lautet daher: Gehen Sie weiterhin lokal einkaufen! Sie möchten doch nicht in einer Stadt wohnen, in der es nur noch Bäcker und Friseure gibt - oder? Das ist natürlich nicht abwertend gemeint.
Sascha Mummenhoff

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