Mediziner und Sprachtalent

Direkt nach dem Studium ins Elbe Klinikum geholt: Dr. Udo Wierschem (re.) mit Ali Onaissi
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"Meine Kenntnisse stammen in erster Linie von Fernsehsendungen aus meiner Heimat ab", sagt er lächelnd. "Sie werden nicht synchronisiert, sondern laufen mit dem original Dialekt." Vertieft hätte er seine Kenntnisse auch durch seine Kontakte zu anderen arabischstämmigen Menschen in Deutschland. In 22 Ländern wird arabisch gesprochen. Es gäbe ein hocharabisch, sagt Onaissi, dass allerdings in jedem Land etwas anders klingt, und daneben viele Dialekte. Im Libanon sind es etwa fünf bis sechs verschiedene, schätzt er.

Gerade hat Onaissi einen Notfall aus Syrien in Behandlung, einen Mann, der im Krieg schwer verletzt wurde. "Die medizinischen Vokabeln fehlen hier und da, aber ich kann dem Menschen deutlich machen, worum es geht." Viele Patienten, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, bringen einen Übersetzer mit. Doch schätzungsweise drei Patienten in der Woche kann Onaissi sprachlich unterstützen, Tendenz steigend.

Als Ali Onaissi im Jahr 2004 nach Deutschland kam, ging für den Libanesen ein Traum in Erfüllung. "Ich wusste schon als Kind, dass ich später mal Arzt werden möchte, doch im Libanon ist das Studium sehr teuer." Viele Menschen in seiner Heimat haben diesen Traum. Onaissis 13-jähriger Bruder gehört auch zu ihnen. Durch die finanzielle Unterstützung seiner Eltern konnte Onaissi im Jahr 2006 in Hamburg sein Medizinstudium aufnehmen. In nur sechs Monaten lernte Onaissi Deutsch.

Im November 2013 traf der junge Libanese während des Karrieretags auf Dr. Udo Wierschem, einem Internisten aus dem Elbe Klinikum. Sie verstanden sich auf Anhieb gut, doch Onaissi wollte sich noch einen zweiten Eindruck verschaffen. "Wichtig war mir, dass, unabhängig von der Größe des Krankenhauses, eine familiäre Atmosphäre herrscht." Die hat er im Elbe Klinikum in Buxtehude gefunden. Seit 2014 arbeitet Onaissi nun dort. Gerade macht er seinen Facharzt für Allgemeinmedizin.

Zwei Mal pro Jahr fährt der Mediziner nach Hause: "Das war die Bedingung meiner Mutter, mich gehen zu lassen." Wird während seines Aufenthaltes dort medizinische Hilfe gebraucht, springt er ein - ehrenamtlich.

Ali Onaissi lebt in Hamburg-Neugraben und ist mit einer Russin verheiratet. Auch die gemeinsame fünfjährige Tochter ist sprachbegabt: Sie spricht deutsch, arabisch und russisch, und das fließend.

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