"#MeToo" ist noch nicht auf dem Land angekommen

"Kein Flirtverbot, sondern ein respektvoller Umgang ist wichtig", finden (v.li.)  (Colette Schiwietz, Birgit Staggat udn Renate Bergmann
  • "Kein Flirtverbot, sondern ein respektvoller Umgang ist wichtig", finden (v.li.) (Colette Schiwietz, Birgit Staggat udn Renate Bergmann
  • Foto: tk
  • hochgeladen von Tom Kreib

"Lichtblick"-Beraterinnen im Gespräch: Es geht um Respekt und nicht um ein Flirtverbot

tk. Buxtehude. Die "MeToo"-Debatte über sexuelle Belästigung und Missbrauch von Macht wird seit Wochen weltweit intensiv geführt. Neben Vorwürfen gegen Prominente von Hollywood-Mogul Harvey Weinstein bis hin zum deutschen Regiestar Dieter Wedel wird auf einer anderen Ebene über grundsätzliche Fragen diskutiert: Wo fängt sexuelle Belästigung an, warum melden sich Opfer von Übergriffen erst nach Jahren und warumn wird sexuelle Gewalt in einer von Männern dominierten Welt noch immer toleriert? Ist diese Diskussion auch im Landkreis Stade angekommen, klingelt jetzt häufiger das Telefon?, wollte das WOCHENBLATT von den Mitarbeiterinnen von Lichtblick, der Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt wissen. Klare Antwort: "Nein. 'MeToo' ist in Hollywood, aber nicht im Landkreis Stade angekommen", sagt Colette Schiwietz, Psychologin bei Lichtblick.

Es gebe keine verstärkte Nachfrage nach Beratungen, ergänzt Birgit Staggat. Erfreulich sei aber, dass durch viele publikumswirksame Runden in Talkshows das Thema sexueller Missbrauch stärker in den Fokus rücke.

Dass Missbrauch und sexuelle Übergriffe in der Provinz nicht vermehrt an die Oberfläche treten, hat nach Ansicht von Renate Bergmann mit "stärkeren sozialen Zwängen im ländlichen Raum" zu tun. Wer sich öffentlich als Opfer von sexuellen Übergriffen zu erkennen gebe, müsse befürchten, sich ins Aus zu manövrieren. Was sie ärgert: Noch immer wird Frauen und Mädchen eine Teilschuld zugeschoben, wenn sie Opfer von sexueller Gewalt werden. Warum hatte sie ein kurzes Kleid an, warum war die Frau alleine unterwegs?, zitiert Bergmann gängige Schuldzuweisungen.
In der ländlichen Berufswelt, ergänzt Colette Schiwietz, könne auch niemand so schnell den Job wie in einer Metropole wechseln, wenn ein Chef übergriffig werde. Sie geht davon aus, dass es an Frauen und Mädchen fehle, die als Vorbild den unglaublichen Mut aufbringen, öffentlich sexuellen Missbrauch anzuprangern. "Es fehlt an Vorbildern in den eigenen sozialen Gruppen."

Dass es zu sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz kommt, zweifeln die drei Lichtblick-Beraterinnen nicht an. Arbeitgeber müssten noch sehr viel stärker auf diesem Gebiet Verantwortung übernehmen. Renate Bergmann: "Ich bin seit 23 Jahren bei Lichtblick hatte in dieser Zeit nur drei Anfragen für Seminare für Betriebe zum Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz."

Die Frage, wo sexuelle Belästigung und Übergriffe anfangen, ist für die Lichtblick-Beraterinnen einfach zu beantworten: "Dort, wo es an Respekt dem Gegenüber fehlt", sagt Birgit Staggat. Jeder Mensch müsse sich selbst hinterfragen, seinem Gegenüber zuhören und auch auf non-verbale Signale achten. Dann werde immer ersichtlich, ob jemand eine Grenze überschritten habe, so Renate Bergmann. Es gehe nicht um ein verordnetes Flirtverbot, sondern um ein respektvolles Miteinander. "Ich sollte jeden so behandeln, wie ich selbst behandelt werden will", sagt Birgit Staggat.
Mehr infos: www.awostade.de/Beratungsstelle-Lichtblick

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

Blaulicht
Das Jugendzentrum Tostedt war zwischen Dezember 2015 und September 2016 Schauplatz der mutmaßlichen Übergriffe

Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung
Abgründe im Tostedter Jugendzentrum

bim. Tostedt. Der Tatvorwurf liest sich laut Aktenlage recht "nüchtern": sexuelle Nötigung und Vergewaltigung zwischen Dezember 2015 und September 2016. Doch die jetzige Verhandlung am Amtsgericht Tostedt offenbarte Abgründe im Tostedter Jugendzentrum (JUZ) - egal, was sich damals wirklich zugetragen hat. Ein ehemaliger JUZ-Leiter (40) soll eine pädagogische Kraft (46) bei zwei Gelegenheiten gewaltsam an die Wand gedrückt, sie an Brust und Scheide angefasst und vor ihr onaniert haben und ein...

Politik
Die benachbarten Landkreise informieren wesentlich ausführlicher über die Corona-Situation

Lachhaft: "Bleiben Sie gut informiert", steht auf der Internetseite
Landkreis Stade hält Corona-Zahlen unter Verschluss

MEINUNGSARTIKEL:  Wer sich auf der Homepage des Landkreises Stade zum Thema Coronavirus informieren will, fand dort bislang die tagesaktuellen Zahlen zum Infektionsgeschehen. Seit Anfang dieser Woche ist das anders: Unter der Überschrift "Aktuelle Lage im Landkreis Stade" steht dort - abgesehen vom Inzidenzwert - das pure Nichts. Doch warum stellt der Landkreis keine eigenen Corona-Daten mehr online und auch nicht der Presse zur Verfügung? Grund soll das Wirrwarr um die Statistik sein:...

Blaulicht
Marie Bremer mit dem angeschossenen "Addi", der 
wahrscheinlich sein linkes Auge verlieren wird

Vorfall in Regesbostel
Wer schoss auf Jack-Russell-Terrier "Addi"?

bim. Regesbostel. Wie gestört muss jemand sein, der so etwas macht? Jack-Russell-Terrier "Addi" wurde am Freitag der Vorwoche (20. November) auf dem umzäunten Grundstück seiner Halter Marie und Norman Bremer in Regesbostel (Samtgemeinde Hollenstedt) ins Auge geschossen. Der zweijährige Rüde spielte gerade mit seiner Jack-Russell-Freundin "Motte" (4) fröhlich im Garten. Die junge Familie ist total geschockt und bangt jetzt um das Augenlicht ihres Lieblings. Für Hinweise, die zur Ergreifung des...

Wirtschaft
Arbeitsüberlastung könnte einer der Gründe sein, dass Bauanträge nicht zügig bearbeitet werden
2 Bilder

Baufirmen und Politiker kritisieren schleppende Bearbeitung von Bauanträgen im Landkreis Stade
Das lange Warten auf die Baugenehmigung

(jd). Dieses Thema ist ein Dauerärgernis für alle Beteiligten: Seit Jahren wird landauf, landab kritisiert, dass sich Bauämter zu viel Zeit lassen bei der Bearbeitung von Bauanträgen. In Einzelfällen verstreicht selbst bei kleineren Bauvorhaben wie etwa der Errichtung eines Einfamilienhauses ein Jahr, bis endlich eine Baugenehmigung vorliegt. Auch Architekten und Bauunternehmen aus dem Landkreis Stade klagen immer wieder über verschleppte Verfahren beim Bauamt des Landkreises. Jetzt hat die...

Politik
Sollte die Wertstofftonne kommen, dürften dort neben
Verpackungen auch Kunststoffgegenstände wie Gießkannen und Metallobjekte wie Bratpfannen entsorgt werden

Gruppe Grüne/Linke will die Abfallentsorgung im Landkreis Harburg weiter optimieren
Wertstofftonne statt Gelber Sack

as. Landkreis Harburg. "Immer wieder gibt es Ärger mit den Gelben Säcken!" Volkmar Block, stv. Vorsitzender der Gruppe Grüne/Linke im Kreistag, hat die Nase voll. "Die gelben Säcke reißen beim Heraustragen, werden weggeweht, von Tieren zerbissen oder sind nicht verfügbar", ärgert er sich. Ein weiterer Kritikpunkt: Auch die Säcke selbst erzeugen eine große Menge vermeidbaren Plastikmülls. "Das muss ein Ende haben", meint er. Volkmar Block und die Kreistagsgruppe von Bündnis 90/Die Grünen/Die...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen