Zweieinhalb Jahre lang Angst

Voller Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrem Sohn und Bruder (v. li.): Stahra, Sara, Ahmed und Ismail Talibi
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Buxtehude: Tragödie um eine afghanische Familie könnte eine glückliche Wendung nehmen

ab. Buxtehude. Viele Tränen sind in den vergangenen zweieinhalb Jahren geflossen - jetzt hat Familie Talibi wieder einen Grund zur Hoffnung: Ihr inzwischen zwölfjähriger Sohn und Bruder Israfil, von dem sie auf ihrer Flucht aus Afghanistan nach Deutschland vor zweieinhalb Jahren getrennt wurden, könnte die Chance bekommen, nach Buxtehude zu kommen.

"Ich kann es kaum erwarten, meinen Sohn Israfil wieder in die Arme zu schließen", sagt Sara Talibi mit Tränen in den Augen. "Ich habe zweieinhalb Jahre lang jeden Tag geweint, jetzt hoffe ich, dass Israfil bald wieder bei uns ist." In langen verzweifelten Monaten des Wartens, der Ungewissheit und der Sorgen sind Sara Talibi, ihr Ehemann Ismail und ihre Kinder Ahmed (10) und Stahra (6) eng zusammengerückt. Dann endlich ein erstes Lebenszeichen - und ein Hoffungsschimmer: Wenn Familie Talibi jetzt anhand eines Bluttests nachweisen kann, dass Israfil ihr Sohn ist, darf er nach Deutschland kommen. Doch dafür muss der Junge von der afghanischen Hauptstadt Kabul in die 500 Kilometer entfernte pakistanische Hauptstadt Islamabad gelangen. Ein Weg, den ein Zwölfjähriger kaum alleine bewältigen kann.

Vater Ismail Talibi erinnert sich, wie es zu der schrecklichen Situation vor zweieinhalb Jahren kam: "Wir, meine Frau Sara und meine Kinder Israfil, Ahmed (damals 8), Stahra (damals 4) und ein Onkel und eine Tante, waren in den Iran geflohen und befanden uns nahe der türkischen Grenze", erzählt er. "Morgens um sechs Uhr war es, da gingen meine Frau, meine beiden kleineren Kinder und ich vorweg. Tante und Onkel folgten mit Israfil in einigem Abstand und wurden entdeckt."

Das Schicksal schlug hart zu: Die Familie wurde getrennt, Onkel, Tante und Sohn nach Afghanistan zurückgeschickt. Zehn Monate lang hörten Ismail und Sara Talibi nichts von ihrem Sohn. "Es ist zwar schwer vorstellbar, aber in dem kleinen Ort, aus dem wir stammen, kann man nicht einfach telefonieren. Es gibt keinen Strom, nicht mal Autos", erklärt Ismail. 

Bei Tante und Onkel, die den Jungen aufgenommen hatten, musste Israfil inzwischen ausziehen. "Es war zu riskant, sie hatten sehr viel Ärger, weil er bei ihnen wohnte", sagt Ismail Talibi.

Zum Glück sei Israfil aber bei einem Freund des Onkels untergekommen. Vor sechs Monaten sei dieser Mann, der nun das Schicksal ihres Sohnes mitbestimmt, mit dem Jungen nach Kundus gezogen, vor wenigen Tagen in das 250 Kilometer entfernte Kabul gereist. Hin und wieder kann sich Israfils Begleiter von Bekannten ein Handy ausleihen, sodass der Junge Kontakt zu seiner Familie halten kann. "Wir sind natürlich überglücklich: Unser Sohn spricht mit uns und schickt Bilder", sagt Ismail Talibi. Dennoch sei es hart - seine Frau weine während der Gespräche, sein Sohn in Afghanistan ebenfalls.
Jetzt könnte sich alles zum Guten wenden: Der Freund des Onkels hat sich bereit erklärt, den Jungen nach Islamabad zu bringen. "Mein Sohn darf alleine keine Grenze passieren, er ist nicht volljährig."

Familie Talibi hat seit ihrer Ankunft in Deutschland jeden Cent zur Seite gelegt, bezahlen können sie die Reise für ihren Sohn und dessen Begleiter trotzdem nicht.

• Eine Freundin der Familie hat für Israfils Reise ein Spendenkonto bei der Kirche eingerichtet: Wer die Familie unterstützen möchte, spendet an das Kirchenamt Stade, Verwendungszweck: 6310 Flüchtlingshilfe, Sparkasse Stade-Altes Land, DE 54 2415 1005 0000 0080 94. Eine Spendenbescheinigung ist über die Kirchengemeinde Borstel erhältlich.

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