Vor der anstehenden Bundestagsdebatte
Bahn-Manifest von Hanstedter Samtgemeinderats-Fraktionen

Nach dem Willen der Hanstedter Politiker sollen ICE-Züge künftig nicht auf einer neuen Trasse durch die Region rasen | Foto: Adrian/stock.adobe.com
  • Nach dem Willen der Hanstedter Politiker sollen ICE-Züge künftig nicht auf einer neuen Trasse durch die Region rasen
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Im ersten Halbjahr dieses Jahres wird sich der Bundestag mit den umstrittenen ICE-Neubautrassen-Plänen der Deutschen Bahn nahe der A7 befassen. Deshalb haben die Fraktionen im Hanstedter Samtgemeinderat - die Gruppe Grüne-SPD sowie CDU, FDP und UNS - jetzt eine überparteiliche Stellungnahme als "Bahn-Manifest für den Landkreis Harburg" vorgelegt. "Nein zum Neubau!" lautet der deutliche Tenor.

"Der Landkreis Harburg benötigt einen intelligenten, zukunftsfähigen und bedarfsgerechten Aus- und – wo sinnvoll – Neubau von Bahnstrecken. Ziel ist es, unsere stark belasteten Straßen nachhaltig zu entlasten, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und den Menschen im Landkreis eine echte, alltagstaugliche Alternative zum Auto zu bieten", betonen die Unterzeichner des Manifestes. Eine leistungsfähige Bahn sei von großer Bedeutung für Klimaschutz, soziale Teilhabe und wirtschaftliche Entwicklung.

Die geplante Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover lehnen die Hanstedter entschieden ab, da die Region schon "durch Autobahnen und Bundesstraßen stark zerschnitten" sei; und ein zusätzlicher Trassenneubau würde die "Zerschneidung von Landschaften, Lebensräumen und landwirtschaftlichen Flächen weiter verschärfen". Die Folgen: ein hoher Verlust an Lebensqualität, noch mehr Lärm- und Schadstoffbelastungen sowie langfristige Beeinträchtigungen für Natur, Erholung und Ortsentwicklung.

Der verkehrliche Nutzen eines Trassenneubaus sei dagegen eher gering, betrügen die vorausgesagten Fahrzeitverkürzungen zwischen Hamburg und Hannover nur wenige Minuten bei einem erwarteten Fahrgastzuwachs von höchstens elf Prozent. "Diese Vorteile kommen nahezu ausschließlich den Metropolräumen zugute, während die ländlichen Räume die ökologischen, sozialen und finanziellen Lasten tragen", sind die Verfasser des Manifestes überzeugt. 

Pro gebautem Bahnkilometer entstünden nach gängigen Berechnungen rund 80.000 Tonnen CO₂-Äquivalente. Ein großflächiger Neubau würde die regionalen und nationalen Klimaschutzziele erheblich konterkarieren. 

Als zentrale Forderungen verlangt das "Bahn-Manifest" die konsequente Umsetzung der im Dialogforum Schiene Nord erarbeiteten „Alpha-E“-Variante von 2015 sowie den 2021 im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens beschlossenen Bau eines Überwerfungsbauwerks in Meckelfeld. "Dies würde zu einer erheblichen Entlastung bestehender Engpässe im Schienenverkehr und unmittelbar zu einer Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Schienennetzes führen", so die Begründung.

Weitere Forderungen, für deren Umsetzung modernste Technologien genutzt werden sollten:

  1. Priorität für den Ausbau und die Modernisierung bestehender Bahnstrecken
  2. Konsequente Reaktivierung stillgelegter Strecken
  3. Verbesserung des Regional- und Pendlerverkehrs
  4. Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene
  5. Stärkere Bürgerbeteiligung und Transparenz bei allen Planungen 
  6. Umfassenden Lärm- und Naturschutz
  7. Barrierefreiheit und soziale Zugänglichkeit der Bahn für alle Bevölkerungsgruppen

"Eine starke Bahn darf nicht auf Kosten der ländlichen Räume entstehen, sondern muss diese gezielt stärken", mahnt der Hanstedter Samtgemeinderat schließlich fraktionsübergreifend.

Redakteur:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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