Ein Glockenklang in Cis

"Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt" - das Emblem ziert die neue Friedhofsglocke auf dem Ehrenberg
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Die neue Glocke schlägt auf dem Ehrenberg Friedhof in Harsefeld / Glockenturm wird Ostern eingeweiht

sc. Harsefeld. Eine Begleitung für den letzten Weg: Unter dem Geläut einer Friedhofsglocke ziehen die Trauernden von der Kapelle zur ewigen Ruhestätte des Verstorbenen. Dieser würdevolle Abschied ist nun auch auf dem Ehrenberg Friedhof in Harsefeld durch den Neubau eines Glockenturms möglich. Die eigens angefertigte neue Friedhofsglocke zog bereits in den Turm am Ehrenberg ein, doch zum ersten Mal wird sie zu Ostern läuten.

"Oft hören wir die Glocken unserer rund zwei Kilometer entfernten Kirche nicht", sagt Hans-Dieter Stienen, Geschäftsführer der Kirchlichen Stiftung Harsefeld. Normalerweise werde das Glockenläuten in der Kirche programmiert, damit sie pünktlich zur Trauerfeier läuten. Es gab nur ein Problem: Wenn der Wind aus einer Richtung kam, dann hörte man die Glocken auf dem Ehrenberg Friedhof gar nicht, so Stienen. Die anderen Harsefelder Friedhöfe hätten diese Probleme nicht, da sie näher an der Kirche liegen. Der Ehrenberg Friedhof aber wurde am Ortsrand angelegt. Um auch dort die Verstorbenen ehrenvoll zu würdigen, brauchte der Friedhof eine eigene Friedhofsglocke. "Das war der Grund für den Bau des Turmes", erzählt Stienen.
Aufmerksam wurde die Harsefelder Kirchengemeinde auf die Nachbargemeinde in Ahlerstedt, die auch einen Glockenturm gebaut hatte. "Wir fanden den Klang so schön", sagt Stienen und daher fragten sie bei der gleichen Glockengießerei in der Eifel für die Herstellung ihrer eigenen Friedhofsglocke an.

"Allgemein ist das Gießen einer Glocke ein schwieriger Prozess", weiß Julius Maas, Inhaber der Eifeler Glockengießerei. Zu Beginn müsse geklärt werden, wo die Glocke hin und welchen Zweck sie erfüllen soll. Die Harsefelder Glocke ist eine Friedhofsglocke, die alleine auf dem Ehrenberg steht. Daher müsse ihr Ton nicht mit anderen abgestimmt werden, so Maas. Da sie für sich alleine steht, ist die Glocke "relativ groß" geworden. Und das hat auch Auswirkung auf ihren Klang, denn die Größe bestimmt letztendlich über die Tonhöhe. Die Harsefelder Glocke klingt in einem Cis. Normalerweise sind Friedhofsglocken eine Oktave höher. Doch: "Je tiefer eine Glocke, desto schöner ist sie", weiß Maas.

Die Herstellung einer Glocke erfolgt ausschließlich in Handarbeit. Zuerst muss eine Gussform, aus Ziegelsteinen und Lehm für die spätere Glocke erstellt werden. Allein dieser Formprozess für die Ehrenberg-Glocke mit einen Durchmesser von 76,5 Zentimetern und einem Gewicht von 250 Kilogramm betrug drei Monate. Insgesamt braucht es ein Jahr bis zur endgültigen Fertigstellung und Installation. Die Eifeler Glockengießerei stellt mittlere und große Glocken aus Bronze, einer Legierung aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn, her. Die richtige Mischung müssen sie bei jeder Glocke erreichen, "dann ergibt es einen schönen Ton", sagt Maas. Zudem kann eine Inschrift, die in erhabener Form auf der fertigen Glocke erscheint, gewählt werden. "Meine Zeit steht in deinen Händen" - diesen Spruch suchten der Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Harsefeld und das Kuratorium der Kirchlichen Stiftung Harsefeld als Inschrift aus. Zudem ist das Emblem eines Schiffes mit einem Kreuz auf der Glocke abgebildet. "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt", erklärt Stienen das Sinnbild.

Die fertige Form werde dann in die Erde eingegraben, gegossen und kühlt dann dort ab. Damit kein Sprung entsteht, dürfe die Glocke nicht zu schnell abkühlen, so Maas. Danach muss die Armatur gefertigt, der Klöppel geschmiedet und die Elektronik für die Funksteuerung installiert werden - dann ist die Glocke einsatzbereit.
Die offizielle Einweihung des Glockenturmes findet am Ostersonntag, 21. April, um 10 Uhr auf dem Ehrenberg Friedhof in Harsefeld statt. "Wir wollen die Auferstehung feiern und die neue Glocke würdevoll einweihen", sagt Pastor Axel Rothermundt. Alle interessierten Bürger sind herzlich willkommen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, an einer Führung durch den "Garten der Steine" mit Dr. Dietmar Dunst, Geologe und Kirchenvorsteher, teilzunehmen.

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