Experte meint: Mehr Mode muss nicht sein in Harsefeld

Stand trotz bester Lage öfter leer: das ehemalige Bekleidungs-Geschäft "Georgys" in der Harsefelder Ortsmitte
  • Stand trotz bester Lage öfter leer: das ehemalige Bekleidungs-Geschäft "Georgys" in der Harsefelder Ortsmitte
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jd. Harsefeld. Geschäftsmann macht sich Gedanken über die Attraktivität Harsefelds als Einkaufsstandort. Er weiß, wie im Modehandel der Hase läuft: Jörg Neumann führte in der Harsefelder Ortsmitte viele Jahre lang die Boutique "Georgys". Unter diesem Namen betrieb der Geschäftsmann aus Beckdorf eine kleine Modekette mit mehreren Filialen im Elbe-Weser-Dreieck. Neumann ist daher mit der Situation des Einzelhandels im ländlichen Raum bestens vertraut. An der derzeit in Harsefeld anhaltenden Diskussion, wie die Ortsmitte weiter belebt und der Leerstand von Geschäften beseitigt werden kann, möchte er sich gern einbringen.

Neumann kann selbst ein Lied davon singen, was das Thema Leerstände anbelangt: Ihm gehört ein Wohn- und Geschäftshaus in der Harsefelder Marktstraße, der kleinen Einkaufsmeile der Geest-Metropole. Wegen seiner "1a-Lage" mitten im Ortskern wäre das Gebäude hinsichtlich der möglichen Kundenfrequenz eigentlich ein Sahnestück. Doch der Laden steht trotz des attraktiven Einkaufsumfeldes leer. Wieder einmal. Nach Neumann hatten dort noch andere Modegeschäfte ihr Glück versucht - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Gerade hat Neumann einen neuen Mietvertrag für die Geschäftsräume abgeschlossen. Wer dort einzieht, will er noch nicht verraten: "Ich habe gegenüber meinem neuen Mieter Stillschweigen zugesichert." Doch soviel gibt er preis: Es handelt sich diesmal nicht um ein Bekleidungsgeschäft. "Das ist auch gut so, denn Harsefeld verfügt schon über eine starke Modepräsenz", meint Neumann. Auch er könnte in Harsefeld jederzeit wieder einen Laden eröffnen, doch das sei nicht sinnvoll: "Dann wäre manche Modemarke unnötigerweise drei- bis viermal im Ort vertreten."

Ohnehin werde es für "Multilabler" - also Bekleidungsläden, die mehrere Marken führen - auf dem platten Lande immer schwieriger, so Neumann: "Wenn es nach den großen Herstellern wie Esprit, S. Oliver oder Tom Tailor geht, würden nur noch Marken-Shops eröffnet." Solch ein Shop rechne sich aber nicht an Standorten in der Größenordnung Harsefelds. Mit welch harten Bandagen in der Branche gekämpft wird, weiß der Mode-Experte aus eigener Erfahrung: "Wir kleinen Multilabler haben viele bekannte Hersteller erst groß gemacht und jetzt fahren die auf der Shop-Schiene, ohne Rücksicht auf uns zu nehmen."

Doch was fehlt Harsefeld, um als Einkaufsziel noch attraktiver zu sein? "Eigentlich nicht viel", meint Neumann: Schon jetzt sei ein guter Branchenmix vorhanden. Dennoch gebe es sicher noch die eine oder andere Angebotslücke, die man schließen könnte: "Ich denke da beispielsweise an ein Sportgeschäft." Nach wie vor unglücklich und eher geschäftsschädigend ist nach Neumanns Ansicht die Verkehrssituation in der Marktstraße. "Trotz der Umgehung rauschen hier noch zu viele Autofahrer durch."

Gerade vor seinem Ladengeschäft sei die Lage besonders schwierig, so Neumann. Die dortige Fahrbahn-Einbuchtung, die eigentlich den Verkehrsfluss bremsen soll, gefährde die Fußgänger, weil Autofahrer auf den Gehweg ausweichen statt anzuhalten. Die Absicht der Gemeinde, dort nachzubessern, begrüßt Neumann. Doch noch besser sei es, das gesamte Verkehrskonzept zu überdenken: "Es sollte ernsthaft in Betracht gezogen werden, die Marktstraße zur Einbahnstraße zu machen."

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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