Freiwilliges Soziales Jahr
Von Südafrika nach Harsefeld

Kananelo Litheko (18) kriegt im Harsefelder Klosterpark rund um die Kirche den Kopf frei
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jab. Harsefeld. "Ich kann um acht Uhr abends mein Fahrrad nehmen und eine Runde durch Harsefeld fahren", sagt Kananelo Litheko (18) aus Südafrika. Was sich nach einer Kleinigkeit anhört, ist für den jungen Mann, der aus einem Vorort von Johannesburg stammt und seit Februar in der Harsefelder Kirchengemeinde ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert, etwas ganz besonderes. Denn was man dem aufgeschlossenen und fröhlichen Kana, wie er von allen genannt wird, nicht ansieht, ist, dass hinter dem Lachen ein schweres Schicksal steckt. Denn der erst 18-Jährige wurde geprägt von der hohen Gewaltkriminalität seines Landes, das im harten Kontrast zu seinem jetzigen Leben in Deutschland steht.

Bruder stirbt bei Raubüberfall

In Südafrika lebt Kana in einem wohlhabenden Viertel. Haus und Gelände sind mit einem Elektrozaun auf der Mauer und einem Metalltor gesichert, zum Betreten muss ein Zahlencode eingegeben werden. Auf den Straßen dagegen besteht die Gefahr, Opfer eines Verbrechens zu werden. Kana wurde selbst schon überfallen. Auch wenn nichts Schlimmeres passiert ist, die Angst bleibt. Doch viel schwerer wiegt der Tod seines großen Bruders. Vor acht Jahren wurde er im Alter von 21 Jahren bei einem Raubüberfall beim Einkaufen erschossen. "Meiner Schwester und mir wurde damit auch eine wichtige Identifikationsperson genommen", so Kana.

"Es ist einfach friedlich"

In Deutschland dagegen fühlt er sich sicher und frei. Abends unbekümmert das Haus verlassen, das sei in Südafrika für ihn undenkbar. Wenn er hier im Ort unterwegs ist, müsse er nicht ständig die Umgebung beobachten, um rechtzeitig reagieren zu können. "Es ist einfach friedlich." Er weiß, dass es auch in Deutschland Kriminalität gibt, dennoch sei er viel entspannter, könne sich einfach in den Klosterpark setzen, frische Luft schnappen und den Kopf frei kriegen.

Sorge um Familie in Südafrika

Sorgen mache er sich derzeit um seine Familie in Südafrika. Dort herrschen wegen der Corona-Pandemie strenge Ausgangsbeschränkungen. Seine Mutter arbeitet zudem als Ärztin in ihrer eigenen Praxis, der Vater ist Manager eines Krankenhauses. Somit ist das Ansteckungsrisiko für sie deutlich höher.

In Harsefeld hingegen fühle sich das Leben fast normal an. Allerdings fielen zahlreiche seiner eigentlichen Aufgaben als FSJler, wie Unterstützung in der Kinder- und Jugendarbeit, dem Coronavirus zum Opfer. Stattdessen hilft er bei der Ausgabe der Gratis-Essen an Bedürftige und verteilt mit seinem Rad die "Kids-Post" an die Kinder der Kirchengemeinde. In seiner Freizeit hält er sich mit einem straffen Fitnesstraining fit, geht skateboarden oder verbessert über seine Sprachlern-App oder in der Nachhilfe sein Deutsch.

Kein Freund von Grünkohl und Spargel

Während seiner Zeit in Deutschland wohnt der FSJler bei der Familie von Diakon Björn Reinkemeier in Harsefeld. Hier integriert er sich gut und trägt zum Familienleben bei. "Gespräche mit ihm erweitern unseren Horizont", so Reinkemeier. Aber auch Kana nimmt viel für sich mit, u.a. neue Geschmäcker. Er probiert jede Mahlzeit, wobei er aber kein Freund von Grünkohl und Spargel ist. Das Wetter ist ebenfalls eine Herausforderung, auch wenn er den kühlen Frühling bereits akzeptiert hat: "Das ist eben das norddeutsche Wetter." Dennoch vermisst er die Sonne Südafrikas.

Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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