Das blaue "Zug-Wunder"

Das mediale Interesse an dem neuen Zug ist weiterhin groß  Fotos: René Frampe
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  • Das mediale Interesse an dem neuen Zug ist weiterhin groß Fotos: René Frampe
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Die ganze Welt schaut auf die Elbe-Weser-Region: Jeder will den Wasserstoffzug bestaunen

(jd). Man erkennt sie an ihrer hellblauen Farbe und daran, dass sie so gut wie keinen Lärm verursachen. Seit rund einem Vierteljahr rauschen zwei Züge fast lautlos durch den Landkreis. Die beiden Triebwagen, die auf der EVB-Bahnlinie zwischen Buxtehude und Bremerhaven eingesetzt sind, wirken auf den ersten Blick unspektakulär. Was für die Bahnfahrer auf dieser Strecke längst zum Alltag gehört, stellt rund um den Globus noch immer eine Sensation dar. Schließlich handelt es sich um die weltweit ersten Züge mit abgasfreiem und daher umweltfreundlichem Wasserstoffantrieb. Die beiden Wasserstoffzüge locken auch mehr als drei Monate nach ihrer Inbetriebnahme Fernsehteams, Experten und Delegationen von Bahnunternehmen aus aller Herren Länder in die Region. Die ganze Welt ist an dem "Zukunfts-Zug" aus dem Elbe-Weser-Dreieck interessiert.

"Wir hatten kürzlich ein Filmteam vom amerikanischen Sender CNN hier", berichtet EVB-Pressesprecherin Andrea Stein. Auch der japanische Rundfunk habe schon eine Reportage gemacht. Allgemein habe es sehr viele Anfragen vor allem aus Asien gegeben, nicht nur seitens der Presse. Unter anderem sei der indonesische Botschafter vor Ort gewesen, um sich zu informieren. Dass es ausgerechnet in der norddeutschen Provinz eine Weltneuheit zu bestaunen gibt, hat sich inzwischen auf allen Kontinenten herumgesprochen. Das globale mediale Interesse reißt auch nach Wochen nicht ab.

An manchen Tagen bis zu zehn Presseanfragen zum Thema Wasserstoffzug erhält auch Tanja Kampa. Kampa ist Unternehmens-Sprecherin von Alstom, dem Hersteller des blauen Wunder-Zuges. Der französische Konzern produziert die Fahrzeuge in seinem deutschen Werk im niedersächsischen Salzgitter. Die Namen der unzähligen Zeitungen aus aller Welt, die sich bei ihr gemeldet haben, könne sie sich gar nicht alle merken, so Kampa. Dass aber weltbekannte Postillen wie die "New York Times" Reporter geschickt hätten, finde sie schon bemerkenswert.

Personell könne man den medialen Ansturm gar nicht mehr bewältigen, so Kampa: "Gerade erst war ein Filmteam des italienischen Staatssenders 'RAI Uno' da." Denen habe sie gesagt: "Fahrt mit dem Zug, befragt die Passagiere und filmt alles, aber begleiten können wir euch nicht."

Noch laufen die beiden Wasserstoffzüge als "Vorserienmodelle" offiziell im Probebetrieb auf der EVB-Strecke. Richtig durchgestartet wird, wenn Ende 2021 weitere 14 Züge dieses Typs in Betrieb gehen. "Wir könnten die Züge schon jetzt serienmäßig produzieren und verfügen auch über entsprechende Kapazitäten", sagt Kampa. Aber kein Bahnunternehmen bestelle "mal eben so" einen neuen Zug. Ein Fuhrpark werde dann erneuert, wenn die alten Fahrzeug abgeschrieben seien und die kalkulierte Lebensdauer erreicht hätten.

Bei der niedersächsischen Landesnahverkehrs-Gesellschaft (LNVG) wird ein Schwung älterer Züge Ende 2021 ausgemustert, so dass dann die 14 bestellten Wasserstoffzüge an den Start gehen können. In Niedersachsen ist die LNVG Träger des Nahverkehrs: Die Gesellschaft kauft die Züge und stellt sie dann den regionalen Bahnunternehmen wie der EVB gegen Entgelt zur Verfügung.

In den kommenden Wochen dürfen übrigens auch Bahnreisende außerhalb des Elbe-Weser-Dreiecks kurzzeitig in der Genuss des Fahrerlebnisses mit dem Öko-Zug kommen. "Wir entführen einen der beiden EVB-Züge ab dem 26. Januar für ein paar Wochen für eine Präsentations-Tour", sagt Kampa. Angesteuert werden sollen fünf Städte in fünf Bundesländern. Die Ziele wollte Kampa noch nicht verraten. Nach WOCHENBLATT-Informationen soll es von der Elbe zunächst an den Rhein gehen: nach Ludwigshafen und Mannheim. EVB-Sprecherin Stein bittet die hiesigen Wasserstoffzug-Fans um Verständnis für die "Leihgabe": "Mitte Februar wird der Zug ja schon wieder zurück sein."

Gleiche Leistung wie beim Dieselmotor

Der Betrieb der Wasserstoffzüge erfolgt ohne den Ausstoß umweltschädlicher Immissionen. Statt wie bisher mit einem Dieselmotor fahren die Züge mit einem Elektromotor, der von einer Batterie angetrieben wird. Die Batterie wiederum wird von Brennstoffzellen gespeist. Diese stellen das Herzstück des umweltfreundlichen Systems dar.
Die Zellen werden mit Wasserstoff versorgt. Sie liefern die erforderliche elektrische Energie, indem sich der in Tanks an Bord gespeicherte Wasserstoff mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft verbindet. Statt Abgase wie beim Diesel entstehen dabei lediglich Wasserdampf und Kondenswasser.
Trotz des Austausches des Dieselantriebs durch die Brennstoffzellentechnik bleibt die Fahrdynamik der herkömmlichen Dieseltriebwagen weitgehend erhalten: Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 140 km/h gleich und der Zug beschleunigt auch entsprechend. Das gilt auch für die Reichweite einer "Tankfüllung": Sie beträgt rund 1.000 Kilometer. 

Zu diesen Zeiten fahren die Wasserstoffzüge im Landkreis Stade:

montags bis freitags

Bremervörde ab 12:25 
Buxtehude an 13:09 
 
Buxtehude ab 13:37  
Bremervörde an 14:23 

Bremervörde ab 18:38  
Buxtehude an 19:26 
 
Buxtehude ab 19:53
Bremervörde an 20:36

samstags

Bremervörde ab 06:25
Buxtehude an 07:09

Buxtehude ab 07:37
Bremervörde an 08:23

Bremervörde ab 10:32
Buxtehude an 11:16

Buxtehude ab 11:45
Bremervörde an 12:29

Bremervörde ab 14:32
Buxtehude an 15:16

Buxtehude ab 15:45
Bremervörde an 16:29

Bremervörde ab 18:32
Buxtehude an 19:16

Buxtehude ab 19:45
Bremervörde an 20:29

sonntags

Bremervörde ab 06:32 
Buxtehude an 07:16 
 
Buxtehude ab 07:45  
Bremervörde an 08:29

Bremervörde ab 10:32
Buxtehude an 11:16

Buxtehude ab 11:45
Bremervörde an 12:29

Bremervörde ab 14:32
Buxtehude an 15:16

Buxtehude ab 15:45
Bremervörde an 16:29

Bremervörde ab 18:32
Buxtehude an 19:16

Buxtehude ab 19:45
Bremervörde an 20:29

Das mediale Interesse an dem neuen Zug ist weiterhin groß  Fotos: René Frampe
Die Farbe blau steht für das Element Wasser
Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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