Ärztemangel - Bürokratie ist Teil des Problems

Sieben Formulare sind auszufüllen, nur weil er seine 
Praxis um 250 Meter verlegt hat. Dr. Klaus Haas 
ärgert sich über die ausufernde Bürokratie 
bei der Ärztekammer in Niedersachsen
  • Sieben Formulare sind auszufüllen, nur weil er seine
    Praxis um 250 Meter verlegt hat. Dr. Klaus Haas
    ärgert sich über die ausufernde Bürokratie
    bei der Ärztekammer in Niedersachsen
  • hochgeladen von Mitja Schrader

mi Rosengarten/Drochtersen. Sieben Seiten dicht bedruckte Formulare, „vollständig ausgefüllt“, plus eine Kopie des Grundrisses seiner Praxis soll jetzt Dr. Klaus Haas aus Rosengarten-Klecken an die Ärztekammer Niedersachsen schicken. Sonst werde die ihm 2010 erteilte Ermächtigung zur Weiterbildung anderer Ärzte entzogen. Der Grund: Dr. Haas ist mit seiner Praxis umgezogen. Seine neue Niederlassung befindet sich ganze 250 Meter entfernt von den ehemaligen Praxisräumen.
Vergangene Woche berichtete das WOCHENBLATT über den Mangel an Haus- und Fachärzten in der Region. Mehrere Zuschriften erreichten daraufhin die Redaktion. Sie lassen vermuten, ein Teil des Problems ist die ausufernde Bürokratie in den Ärztekammern.
„Zuerst wollte ich das Schreiben zerreißen, so wütend war ich, das sind doch parkinsonsche Zustände“, ärgert sich Dr. Klaus Haas.
Der britische Sozialwissenschaftler Cyril Northcote Parkinson hatte 1955 anhand des britischen Militärs das Wachstum von Bürokratie in der Verwaltung untersucht. Das Ergebnis waren die Parkinsonschen Gesetze zur Verwaltungslehre. Das bekannteste: Eine Verwaltung wächst durch intern geschaffene Arbeit immer weiter und das sogar wenn ihre Kernaufgabe komplett wegfällt. Solch bürokratische Verselbstständigung vermutet Klaus Haas auch hinter dem Schreiben der Ärztekammer. „Ich bin nur im selben Ort umgezogen, ich habe weder die Gemeinde noch den Landkreis oder gar das Land verlassen, warum dieser Aufwand? Das macht mir unnötig Arbeit und die Kammer kostet es unnötig Geld.“ Er könne schon verstehen, sagt Haas, dass diese ausufernde Bürokratie die Attraktivität des Berufs schmälere.
Klaus Haas hat das Formular jedenfalls nicht ausgefüllt, stattdessen in einem kurzen Brief seine Situation geschildert „in der Hoffnung, dass die Angelegenheit sich damit erledigt hat...“
Bei der Ärztekammer bewertet man den Fall deutlich anders: „Facharztweiterbildung findet bei zur Weiterbildung ermächtigten Ärzten an zugelassenen Weiterbildungsstätten statt“, erklärt Pressesprecher Thomas Spieker. Demnach müsse bei einem Umzug immer geprüft werden, ob die neuen Praxisräume diesen Anforderungen noch entsprechen. Nicht die neue Adresse, sondern die neue Einrichtung werde überprüft. Deshalb sei auch der Praxisgrundriss angefordert worden. Im Übrigen hätten die Änderungen der Ärztekammer eigentlich mitgeteilt werden müssen.
An Klaus Haas‘ Stelle fällt einem dazu unweigerlich ein anderes Parkinsonsches Gesetz ein: „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“
Szenenwechsel: Kirsten Buschung aus Drochtersen ist seit 1993 approbierte Ärztin, allerdings ohne Facharztbezeichnung. In einem Brief an das WOCHENBLATT schilderte sie das Problem. Obwohl sie mittlerweile auf 20 Jahre Berufserfahrung im allgemeinmedizinischen Bereich zurückblicke, dürfe sie keinen niedergelassenen Allgemeinmediziner in seiner Praxis unterstützen. Dafür setze die Kassenärztliche Vereinigung zwingend einen Facharzt-Titel voraus. Das bedeute allerdings eine fünf- bis sechsjährige „Lehrzeit“ in einer Facharztpraxis.
Dazu schreibt Kirsten Buschung: „Obwohl ich hier im ländlichen Bereich lebe und gerne die bereits überlasteten Kollegen unterstütze, muss ich mir einen Arbeitsplatz weit weg suchen, weil meine Anstellung in einer allgemeinmedizinischen Praxis wegen fehlenden Facharzt-Titels untersagt wird.“ Potenzial, das zur Entlastung der Kollegen zur Verfügung stehe, werde somit wegen hoher bürokratischer Hürden nicht ausgeschöpft.

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