Jesteburg: Oberschule mit neuem Konzept
Die Freude am Lernen entdecken
- Von den Schülern in Eigenarbeit schön gestaltet: Die Cafeteria im Obergeschoss, über die sich auch Tim Yalcin, Nadine Ohmann (li.) und Iris Strunk freuen
- Foto: pöp
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Stures Auswendiglernen von Fakten ist sowas von "oldschool" - total veraltet. Heute ist es für Schüler wichtig, sich selbst zu organisieren und im Team zu arbeiten, damit sie im modernen Leben klarkommen. "Wir wollen ja mündige, selbständige Bürger erziehen", erklärt Iris Strunk, Leiterin der Jesteburger Oberschule "Horizonta in den Seeveauen". Deshalb habe die Oberschule ihr Konzept angepasst, um den Schulstandort "zukunftsfest" und die Schüler "stark für die Zukunft" zu machen.
Nach zwei Jahren im "Probebetrieb" rückt seit Schuljahresbeginn im August das eigenverantwortliche Lernen in allen Klassen in den Mittelpunkt: Es wird zwar weiter überwiegend im Klassenverband gelernt, Klassen- und Fachlehrer leiten weiter an und auch die Noten bleiben. Doch Schritt für Schritt sollen die Schüler selbständiger arbeiten lernen. In Klasse 5 wurde dafür das "bodennahe und bewegte Lernen" eingeführt, um "individuelle Lernstrategien zu entwickeln und die Freude am Lernen zu entdecken", heißt es im Konzeptpapier. Das soll unter anderem dadurch gefördert werden, dass die Kinder für eine bessere Konzentration auf dem Boden sitzen, liegen und sich auch bewegen dürfen, um das Gelernte besser zu behalten.
Ab Jahrgang 9 arbeiten die Schüler dann in ihrem eigenen Tempo, setzen sich individuelle Ziele und reflektieren regelmäßig ihre Fortschritte – begleitet von ihren Lehrkräften. "Wer selbst entscheidet, wie und was er lernt, bleibt ein Leben lang neugierig", zitiert der didaktische Leiter Tim S. Yalçın den Hirnforscher Gerald Hüther. "Darum geht es uns." Die Schüler müssen dann ab Klasse 7 verpflichtend Tablet-Computer und ab Klasse 9 in den Hauptfächern und ausgewählten Nebenfächern eine digitale Lernplattform benutzen, die es auch Lehrern und Eltern erlaubt, Lernfortschritte zu verfolgen.
Nicht immer lernen die Schüler mit der Klasse gemeinsam. Dafür werden besondere Lernorte geschaffen: Lernbüros für konzentrierte Stillarbeit, das Schülercafé "Horizont", das zum Beispiel für "kooperatives Lernen in entspannter Atmosphäre" gedacht ist, und Gruppenräume für Teamarbeit. Damit man die nutzen kann, muss man über ein "Graduierungssystem" vorher der Lehrkraft gezeigt haben, dass man mit der neuen Freiheit umgehen kann.
Die bewährte Schülerfirma mit ihren acht Abteilungen ist weiterhin ein Bestandteil des Schulkonzepts, das von einer Arbeitsgruppe "Stärkung des Schulstandortes" erarbeitet wurde. Sie sponserte zum Beispiel die Umgestaltung der bis dahin wenig genutzten Cafeteria im Obergeschoss, welche von einer Schülerarbeitsgruppe nach eigenen Wünschen zu einem hellen und gemütlichen Raum gemacht wurde. Darauf ist die stellvertretende Schulleiterin Nadine Ohmann als Leiterin der Arbeitsgruppe besonders stolz: Dort bieten die Schüler selbst leckere und gesunde Alternativen zur Chipstüte an. "Die Vollkornbrote gingen zunächst nicht ganz so gut weg, aber wir bleiben dran", lacht Nadine Ohmann. Die Schule kostete das nichts: Das benötigte Geld erwirtschafteten die Schüler selbst.
Inspiration für das neue Schulkonzept holte man sich unter anderem von der Alemannenschule Wutöschingen (Bade-Württemberg), um auf dieser Basis eigene Ideen zu entwickeln. Sie gilt deutschlandweit als Vorreiter für innovatives Lernen nach den Ideen des Bildungsexperten Stefan Ruppaner, der kürzlich auch die Jesteburger Oberschule besuchte. Außerdem sahen sich Lehrer die IGS Verden, den Nordseecampus in Wilhelmshaven und die IGS Oyten an. Das neue Schulkonzept wird wissenschaftlich von der Leuphana Universität Lüneburg begleitet, mit der die Oberschule von Beginn 2012 an als Campusschule zusammenarbeitet.
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