Jesteburg bringt eine alte Tradition zurück
Maibaum steht wieder im Dorfmittelpunkt

Waren schnell von der Idee begeistert und freuen sich auf zahlreiche Schaulustige: Das Planungsteam Carola von der Lieth (v. li.), Annika Sommer, Aydin Yakin, Angelika Schiro und Christoph Kröger. Es fehlt Volker Knubbe. | Foto: Carola von der Lieth
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  • Waren schnell von der Idee begeistert und freuen sich auf zahlreiche Schaulustige: Das Planungsteam Carola von der Lieth (v. li.), Annika Sommer, Aydin Yakin, Angelika Schiro und Christoph Kröger. Es fehlt Volker Knubbe.
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Nach sechs Jahren Pause steht in Jesteburg wieder ein Maibaum. Eine überparteiliche Initiative aus dem Gemeinderat hat die Tradition neu angestoßen und organisiert gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr das Aufstellen auf dem Spethmannplatz. Am Donnerstag, 30. April, von 17 bis 19 Uhr soll sich der elf Meter lange Stamm wieder in den Himmel über der Dorfmitte schieben.
Lange war es still um den Maibaum im Ort. Die Unterbrechung hatte mehrere Gründe. Die Corona-Pandemie spielte eine Rolle, dazu kam die Suche nach einem geeigneten neuen Stamm. Der Bürger- und Gewerbeverein hatte die Tradition über Jahre getragen, sich aber bereits im vergangenen Jahr endgültig aus der Organisation zurückgezogen. Damit schien das Kapitel Maibaum in Jesteburg zunächst beendet.
Doch genau an dieser Stelle setzt nun eine neue Idee an. Mitglieder des Gemeinderats aus sechs Fraktionen haben sich zusammengetan und das Thema wieder aufgegriffen. SPD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU, UWG Jes! und FDP ziehen dabei gemeinsam an einem Strang. Der Ansatz ist bewusst überparteilich gewählt. Es geht nicht um politische Unterschiede, sondern um ein gemeinsames Projekt für den Ort.
Die erste Idee kam von Carola von der Lieth. Sie wollte ein sichtbares Zeichen setzen, das Menschen zusammenbringt. Schnell wurde klar, dass das Vorhaben nur mit Unterstützung der Feuerwehr gelingen kann. „Ohne die Feuerwehr mit deren Know-How und Ausrüstung ist das Vorhaben nicht denkbar. Wir sind sehr erfreut und dankbar, dass man uns sofort Unterstützung zugesagt hat“, sagt sie. Und mit einem Lächeln schiebt sie nach: „Allein mit einem langen Strang und Körperkraft würden wir es nicht schaffen, obwohl das für die Zuschauer sicherlich ein ganz besonderer Spaß wäre.“
Der neue Maibaum liegt bereits seit dem Winter bereit. Gefällt und gestiftet wurde der Fichtenstamm von Christoph Henschen aus Lüllau. Elf Meter misst er, gerade gewachsen, bereit für seinen großen Auftritt. Auch der alte metallene Kranz ist erhalten geblieben. Annika Sommer hat ihn wieder hervorgeholt und mit frischem Grün sowie bunten Bändern geschmückt. So vorbereitet soll er bald wieder weithin sichtbar über dem Spethmannplatz hängen und den Beginn des Wonnemonats markieren.
Der Ort für das Geschehen ist bewusst gewählt. Direkt neben dem Dorfbrunnen hat die Gemeinde vor Jahren eine stabile Vorrichtung installieren lassen, die das Aufstellen erleichtert. Trotzdem bleibt ein Rest Unsicherheit. Nicht alle Beteiligten haben Erfahrung mit dieser Tradition. „Mal schauen, ob alle noch wissen, wie es geht“, sagt Aydin Yakin, der das Maibaumaufstellen bisher nur vom Hörensagen kennt. Gleichzeitig ist er zuversichtlich, dass viele Besucher kommen werden.
Die Vorfreude ist im gesamten Planungsteam spürbar. Angelika Schiro, Christoph Kröger und Volker Knubbe gehören ebenfalls dazu. Sie alle eint die Idee, für einige Stunden einen Ort zu schaffen, an dem man sich begegnet. Veranstaltungen dieser Art sind auch in Jesteburg seltener geworden.
Gerade deshalb spielt das Miteinander eine zentrale Rolle. Volker Knubbe bringt es auf den Punkt: „Das persönliche Gespräch bei Bier und Bratwurst darf nicht unterschätzt werden.“ Er wird selbst am Grill stehen. Die Einnahmen sind dabei nicht Selbstzweck, sondern kommen als Spende dem Freundeskreis der Freiwilligen Feuerwehr zugute.
Auch Christoph Kröger sieht in der Aktion eine besondere Kraft. Als stellvertretender Ortsbürgermeister kennt er die Diskussionen im Gemeinderat. „Dass ein politischer Rat sich über die Frage streitet, was ,das Beste für den Ort‘ sei, trifft aber nicht nur auf Jesteburg zu. Demokratie ist zäh aber unverzichtbar. Wir alle machen das ehrenamtlich und dürfen dabei die Freude an der Sache nicht verlieren.“ Das Maibaumaufstellen könne genau diese Freude wieder sichtbarer machen.
Wenn sich der Baum gegen 18 Uhr langsam aufrichtet, wird es auf dem Platz ruhiger werden. Viele Blicke gehen dann nach oben. Schritt für Schritt richtet sich der Stamm auf, gehalten, geführt und gesichert von vielen Händen. Ein Moment, der mehr ist als reine Tradition. Er steht für das, was möglich ist, wenn ein Ort gemeinsam anpackt.
Erwartet werden auch Ortsbürgermeister Udo Heitmann sowie Samtgemeindebürgermeisterin Claudia von Ascheraden. Für den passenden Klang sorgt der Jesteburger Musiker Dr. James Sims, der den Mai mit Trompete und Gesang begrüßt. Die Getränke verkauft gleich nebenan Nicole „Schatzi“ Prinz in ihrer kleinen Bar.
So bekommt eine alte Tradition ein neues Kapitel. Und Jesteburg einen Abend, an dem wieder sichtbar wird, wie viel Leben in so einem Maibaum stecken kann.

Waren schnell von der Idee begeistert und freuen sich auf zahlreiche Schaulustige: Das Planungsteam Carola von der Lieth (v. li.), Annika Sommer, Aydin Yakin, Angelika Schiro und Christoph Kröger. Es fehlt Volker Knubbe. | Foto: Carola von der Lieth
Foto: Carola von der Lieth
Der "Maibaum-Treff" des Bürger- und Gewerbevereines war gut besucht: Mehr als 500 Schaulustige zählten die Veranstalter 2019 | Foto: Alexander Schaal
Der Maibaum wird mit Unterstützung der örtlichen Feuerwehr aufgestellt | Foto: Alexander Schaal
Für Essen und Getränke ist ebenfalls gesorgt | Foto: Alexander Schaal
Nach sechs Jahren Pause wird in Jesteburg wieder ein Maibaum aufgestellt | Foto: Alexander Schaal
Redakteur:

Anika Werner aus Winsen

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